Wirtschaft
Ein Elektrizitätswerk von DEI im Westen Athens.
Ein Elektrizitätswerk von DEI im Westen Athens.(Foto: REUTERS)

Veruntreuung öffentlicher Gelder: Chef von griechischem Versorger tritt zurück

Griechenlands Ermittler nehmen den größten Stromkonzern ins Visier: die Staatsfirma DEI. Dort häufen sich die Betrugsfälle. Der Chef genehmigte Mega-Gehälter, Gewerkschafter kassierten für Lustreisen.

Der Chef des größten staatlichen Stromversorgers DEI (Dimosia Epichirisi Ilektrismou), Arthouros Zervos, hat sich nach Vorwürfen der Pflichtverletzung gegen das Unternehmen von seinen Ämtern zurückgezogen. Griechischen Medien zufolge reichte er am Donnerstag seinen Rücktritt bei Energieminister Panagiotis Lafazanis ein. Die Vorwürfe seien eine Beleidigung seiner Person, begründete er den Schritt.

Zervos soll von 2010 bis 2012 insgesamt 19 Führungskräften Gehaltserhöhungen bewilligt haben, die weit über den gesetzlich erlaubten Höchstsatz von rund 5900 im Monat hinausgingen. Der Schaden für den börsennotierten Staatskonzern wird mit 150.000 Euro beziffert. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren wegen Untreue. Zervos stand dem Unternehmen seit 2012 vor.

Der griechische Stromversorger ist in eine Reihe von Skandalen verwickelt. Zuletzt wurde bekannt, dass Energieminister Lafazanis eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft des Versorgers, GENOP, unterzeichnet haben soll, ohne Finanzminister Giannis Varoufakis zu informieren. Mitarbeitern wurde dadurch rückwirkend ein Zuschuss für Lebensmittel in Höhe von 6 Euro pro Tag gezahlt. Die Beträge wurden als Coupons ausgestellt, womit sie steuerfrei sind. Den Konzern kosteten diese Essensgutscheine angeblich rund 60 Millionen Euro.

DEI zahlte auch die Zeche der Gewerkschafter

Protest gegen die Privatisierung von DEI vor dem griechischen Parlament.
Protest gegen die Privatisierung von DEI vor dem griechischen Parlament.(Foto: REUTERS)

Unterschrieben hat die umstrittene Vereinbarung Gewerkschaftschef Nikos Fotopoulos, der auch kein unbeschriebenes Blatt ist. Gegen ihn laufen seit Jahren Strafverfahren: Seine Gewerkschaft soll ungerechtfertigte Zuwendungen in Millionenhöhe von der Geschäftsleitung angenommen haben. Mit dem Geld hatten die Gewerkschafter mit ihren Familien "Lustreisen" in die ganze Welt unternommen - nach Dubai, England, Frankreich, die USA und die Karibik. Sogar Ex-Mitarbeiter des Versorgers reisten auf Konzernkosten. Nicht nur die Reisekosten und Abendveranstaltungen wurden finanziert. Die Teilnehmer bekamen sogar ein "Taschengeld".

Fotopoulos gilt als einer der radikalsten griechischen Gewerkschaftsführer. Mehrmals hat er damit gedroht, "das Land zu verdunkeln", sollte DEI privatisiert werden. Das Bieterverfahren für den Stromversorger wurde zuletzt gestoppt. Energieminister Panagiotis Lafazanis weigerte sich, es fortzusetzen. Damit ging er offen auf Konfrontationskurs zu Ministerpräsident Alexis Tsipras.

DEI ist zu 51 Prozent in staatlicher Hand. Den Rest halten private Anleger und Pensionsfonds. Zur Sanierung des griechischen Haushalts will der Staat einige seiner DEI-Anteile verkaufen. Die Aktie wird unter dem Namen Public Power Corporation (PPC) gehandelt. Wechsel im Top-Management in staatlich kontrollierten Unternehmen sind in Griechenland nach einem Regierungswechsel keine Seltenheit.

Quelle: n-tv.de

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