Wirtschaft
Regierungschef Li Keqiang (hier beim Volkskongress) ordnet China in die Weltwirtschaft ein - spricht von Abhängigkeiten und bittet um Kooperationen.
Regierungschef Li Keqiang (hier beim Volkskongress) ordnet China in die Weltwirtschaft ein - spricht von Abhängigkeiten und bittet um Kooperationen.(Foto: REUTERS)

Schwacher Außenhandel: China Wirtschaft kühlt ab

Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft meldet einmal mehr enttäuschende Außenhandelsdaten. Doch deren Deutung ist nicht ganz einfach. Zugleich rückt die Regierung von einem Wachstum um jeden Preis ab. Doch ganz ohne Eingriffe geht es nicht.

Das Mosaik von Chinas schwächelnder Wirtschaft bekommt ein weiteres Steinchen. Der Außenhandel der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft blieb im März unter den Erwartungen. Derweil sagte Ministerpräsident Li Keqiang auf einer Investorenkonferenz, dass die Regierung kurzfristig keine massiven Konjunkturhilfen plane. Die Behörden hätten ausreichend Spielraum, um das Wachstumsziel für dieses Jahr zu erreichen. Priorität habe ein weiterhin solider Anstieg der Beschäftigung. Allerdings pumpte die chinesische Zentralbank erstmals seit neun Wochen wieder zusätzliche Liquidität ins Bankensystem.

Im März gingen auf Jahressicht sowohl die Exporte als auch die Importe überraschend zurück. Wie die Zollbehörde berichtete, lagen die Ausfuhren um 6,6 Prozent niedriger als im Vorjahr. Ökonomen hatten dagegen einen Anstieg um 4,2 Prozent erwartet. Noch stärker gingen die Importe zurück - um 11,3 Prozent. Volkswirte hatten dagegen einen Zuwachs um 2,8 Prozent erwartet.

Interpretation der Daten schwierig

Experten warnten, dass die Daten schwierig zu interpretieren seien. Die starke Basis des Vorjahres lasse die Zahlen besonders schwach erscheinen. Analysten hegen den Verdacht, dass die Exportzahlen zu Jahresbeginn 2013 überzeichnet waren, weil Firmen Geldüberweisungen ins Ausland als Zahlung für Außenhandelsgeschäfte getarnt haben.

Seit Monaten prophezeien Analysten, dass die Konjunkturerholung in den Industriestaaten auch den Exportsektor beflügeln werde. Doch bislang ist das nicht eingetreten. Die Handelsbilanz für März weist einen Überschuss von 7,71 Milliarden US-Dollar aus. Im Februar war ein Defizit von 22,99 Milliarden Dollar verbucht worden. Im Konsens hatten Ökonomen nur einen Aktivsaldo von 1,75 Milliarden Dollar erwartet.

Keine Zuflucht in kurzfristigen Stimuli

Ministerpräsident Li Keqiang räumte auf der Investorenkonferenz ein, dass es spürbare Abwärtstrends gebe. Allerdings sei es weniger wichtig, ob der Anstieg der Wirtschaftsleistung etwas über oder unter den avisierten 7,5 Prozent liegen werde. "Wir werden nicht Zuflucht in kurzfristigen Stimulusmaßnahmen suchen." Trotz des langsameren Wachstums der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde strebe seine Regierung vor allem nachhaltige, strukturelle Reformen an.

Angesichts schwacher Konjunkturdaten in China relativierte der Regierungschef das selbst gesteckte Wachstumsziel von "rund 7,5 Prozent" in diesem Jahr. 2013 waren das zweite Jahr in Folge 7,7 Prozent erreicht worden, so wenig wie seit den 90er Jahren nicht mehr. In diesem Jahr rechnen Experten nur noch mit weniger als 7,5 Prozent.

In seiner Rede auf dem jährlichen Forum, an dem Regierungschefs, Spitzenpolitiker und Hunderte von Wirtschaftsführern aus mehr als 50 Ländern teilnehmen, rief Li Keqiang zu einer Vertiefung der Zusammenarbeit auf. "Wir leben in einer Ära gegenseitiger Abhängigkeit."

Neue Reformrunde

Die Schwierigkeiten dürften nicht unterschätzt werden. China leide als größte Handelsnation auch unter den Auswirkungen einer komplizierten globalen Wirtschaftslage. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass sein Land das Wachstum "in einem angemessenen Rahmen halten kann". Er plane "gezielte und differenzierte Maßnahmen". Es gebe es eine "neue Runde von Reformen", mit der auch der Dienstleistungsbereich und die Kapitalmärkte weiter geöffnet würden.

Die Umstrukturierung und Modernisierung der Industrie würden vorangetrieben. Auch solle die Produktivität verbessert werden. Das Wachstum werde von den bereits wohlhabenden Küstenregionen in den rückständigen Westen verlagert. Dafür wolle China in neue Transportverbindungen investieren. Auch die Urbanisierung werde neue Entwicklungschancen bieten, sagte Li Keqiang. Indem der Lebensstandard der Menschen gehoben werden, könne die heimische Nachfrage angekurbelt werden. Seine Regierung wolle auch das soziale Netz ausbauen.

Notenbank schießt neun Milliarden Dollar zu

Unterdessen greift die Notenbank erneut dem Finanzsektor unter die Arme. Die Maßnahme half, den erhöhten Geldbedarf zu decken, und signalisierte eine Lockerung der Geldpolitik. Händler sagten, die Notenbank werde in dieser Woche über ihre Offenmarktgeschäfte netto 55 Milliarden Yuan (8,9 Milliarden US-Dollar) ins Bankensystem schleusen. In der Vorwoche waren 62 Milliarden Yuan abgezogen worden.

"Ich denke, das Hauptziel der Notenbank ist, die Geldversorgung relativ üppig zu gestalten, um die Zinskosten niedrig zu halten", sagte Wang Ming, Partner bei Shanghai Yaozhi Asset Management.

Im vergangenen Sommer hatte die Notenbank ihre geldpolitische Haltung gestrafft und damit eine überraschende Kreditklemme im Bankensystem ausgelöst. Sie wollte damit gegen die steigenden Risiken im Finanzsystem vorgehen und die Abhängigkeit der Wirtschaft von billigem Geld abbauen.

Mit dem deutlichen Wachstumsverlust der chinesischen Wirtschaft sind in jüngster Zeit jedoch die Rufe von Ökonomen immer lauter geworden, die eine wachstumsfreundliche Politik fordern, einschließlich einer Senkung der Reserveanforderung an die Geschäftsbanken. Diese Anforderung gibt vor, wie viel Geld die Banken bei der Zentralbank als Reserve halten müssen.

Quelle: n-tv.de

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