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Starke Brücken in den Westen bauen.
Starke Brücken in den Westen bauen.(Foto: picture alliance / dpa)

Starke Allianzen in Europa: China bringt sich in Stellung

Peking weiß, was es will. Große Bündnisse westlicher Konzerne, die China das Wasser abgraben könnten, kommen nicht in Frage. Einer Reederei-Allianz wird eine Absage erteilt. Gleichzeitig baut die Volksrepublik China geschickt Brücken in den Westen.

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Das Reich der Mitte weiß, was es will und wo es sich auf der wirtschaftspolitischen Weltbühne künftig sehen will. Jüngstes Zeichen: Die Chinesen torpedierten in der vergangenen Woche die in trockenen Tüchern geglaubte Allianz der drei weltweit mächtigsten Containerschiff-Reedereien. Peking ließ sich in seiner ablehnenden Haltung nicht beirren und monierte die überwältigende Dominanz der Gruppe auf Handelsrouten nach Europa.

Die USA und Europa hatten der Zusammenarbeit zuvor bereits grünes Licht gegeben. Das chinesische Handelsministerium machte den Reedern dann aber doch einen Strich durch die Rechnung. Es ist das zweite Mal seit Verabschiedung des Kartellrechts im Reich der Mitte im Jahr 2008, dass die Chinesen einen Unternehmenszusammenschluss verhindern.

Bei anderen Gelegenheiten haben chinesische Behörden Transaktionen nur mit Auflagen durchgewunken - selbst wenn keine einheimischen Unternehmen direkt betroffen waren. Das gilt für die Fusion zur Glencore Xstrata ebenso wie für die Übernahme von Handyherstellern durch Microsoft und Google.

Die geplante Zusammenlegung der Werbeagenturen Omnicom und Publicis hatten die Chinesen noch nicht genehmigt, bis Amerikaner und Franzosen den Deal vergangenen Monat abbliesen.

China gewinnt an Einfluss

Das jüngste Beispiel zeigt, dass China auf der Bühne der globalen Wirtschaftspolitik eine immer wichtigere Rolle spielt. "Das ist nur der Anfang", erwartet Charles F. Rule von der Kanzlei Cadwalader, Wickersham & Taft, der unter Präsident Ronald Reagan die Kartellwächter des Justizministeriums anführte. "Das sollte jedem zu denken geben", meint Rule unter Hinweis auf die Kosten für die Unternehmenswelt.

Bei der geplanten Allianz von Maersk Line, CMA CGM und Mediterranean Shipping stieß sich Peking vor allem am fast fünfzigprozentigen Marktanteil der Allianz für Containerstrecken von Asien nach Europa. "Die Antragsteller konnten nicht nachweisen, dass ihre Allianz mehr nutzt als schadet und im öffentlichen Interesse liegt", argumentierten die Beamten des Handelsministeriums.

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Eine Motivation hinter der stärkeren Anwendung seiner Kartellgesetzgebung ist, dass China bei globalen Preistrends in Zukunft stärker mitmischen will. China ist die weltgrößte Handelsnation und damit ein essenzieller Kunde für die großen Schiffsbetreiber. Das Land ist weltgrößter Importeur von Kupfer, Sojabohnen sowie Eisenerz und fordert die USA als Nummer eins bei Öleinfuhren heraus.

Eigentlich galt der Reederei-Deal als Selbstläufer, nachdem Washington und Brüssel ihr Plazet gegeben hatten. Offenbar machten jedoch die größten Schiffsbetreiber des Landes - China COSCO und China Shipping Container Lines - Druck. Sie befürchteten durch die Transaktion ins Hintertreffen zu geraten, berichtete ein Insider.

Die Wettbewerbshüter trieb vor allem die Sorge vor einem Preisschub um. Hohe Preise sind ein heikles Thema im Reich der Mitte, es kämpft mit einer hohen Inflation. "Die meisten anderen Wirtschaftsnationen setzen viel stärker auf den Marktmechanismus, um die richtigen Preise zu ermitteln und Ressourcen effizient zu lenken", meint Partner Stephen Harris von der Kanzlei Winston & Strawn. China bewege sich zwar in Richtung von mehr Bedeutung für Marktpreise. Dies geschehe aber im Schneckentempo.

"Die aggressivste Behörde gibt den Takt vor"

Vergangenes Jahr segnete Peking die 62 Milliarden Dollar schwere Fusion von Glencore und Xstrata ab. Dazu musste Glencore jedoch eine Kupfermine in Peru veräußern. Das neugeformte Unternehmen einigte sich dieses Jahr auf dessen Verkauf an ein chinesisches Konsortium für 5,8 Milliarden Dollar. Zudem wird Kupferkonzentrat an chinesische Kunden zu festgelegten Preisen geliefert.

Erstmals ließ China im Jahr 2009 einen großen westlichen Konzern auflaufen. Damals untersagte das mächtige Handelsministerium Coca-Colas geplanten, 2,4 Milliarden Dollar teuren Kauf der einheimischen Huiyuan Juice Group. Vergangenes Jahr belegten die Aufseher sechs Molkereien mit saftigen Geldstrafen in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar. Der Grund: Sie hatten nach Ansicht der Behörden bei den Preisen gemauschelt. Auch sechs ausländische Hersteller von Flüssigkristallbildschirmen (LCD) mussten eine Strafe entrichten.

China führte seine Kartellgesetzgebung mit dem Ziel ein, den USA und Europa auf Augenhöhe zu begegnen, ist sich Rule von der Kanzlei Cadwalader sicher. Das Land folge in seiner Praxis demselben Ansatz wie die EU in den 1990ern und frühen 2000ern. Damals hatte die EU-Kommission GEs Griff nach Honeywell International im Keim erstickt. Die harte Gangart Brüssels hatte auch Microsoft zu spüren bekommen, als die Beamten Kartellprozesse um die Browser des Konzerns von Gründer Bill Gates führten. "Die aggressivste Behörde gibt den Takt vor", meint Rule.

Ziel: Starke Bündnisse im Westen

Gleichzeitig versucht China starke Allianzen in Europa zu schmieden. Zuletzt rückten China und Großbritannien mit einem milliardenschweren Handelsabkommen wirtschaftlich enger zusammen. Der Ministerpräsident der Volksrepublik, Li Keqiang, besiegelte zum Abschluss seines ersten Staatsbesuchs im Vereinigten Königreich eine ganze Reihe von Abkommen vor allem in der Energie- und der Finanzbranche. Mit den Vereinbarungen im Volumen von insgesamt 14 Milliarden Pfund (17,5 Milliarden Euro) würden Arbeitsplätze und nachhaltiges Wirtschaftswachstum sowohl für Großbritannien als auch für China gesichert, sagte Premierminister David Cameron. Bisher hatten Differenzen über Tibet die Beziehungen zwischen beiden Ländern belastet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit seinem Besuch auf der Insel setzt China auf eine Harmonisierung des Verhältnisses zwischen der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und dem wichtigsten Finanzplatz in Europa. Nach der jüngsten Vereinbarung will unter anderem die Londoner Börse LSE mit zwei der größten Banken Chinas den Handel mit der chinesischen Landeswährung ausbauen. Ein Großprojekt zog zudem der Ölkonzern BP an Land, der nach eigenen Angaben mit dem chinesischen Wettbewerber CNOOC über 20 Jahre lang im Bereich Flüssiggas zusammenarbeiten wird. Auch Shell, die China Construction Bank und Lloyds sicherten sich Verträge.

Häfen in Griechenland im Visier

Auch in Griechenland wittern chinesische Unternehmen  günstige Gelegenheiten anzulanden - im Fokus stehen dabei die Häfen. "Wir werden zusammen mit Griechenland den Hafen von Piräus zum besten Hafen im Mittelmeer verwandeln", sagte der chinesische Regierungschef Li Keqiang der Athener Zeitung "Kathimerini" diese Woche.

Der chinesische Premierminister kündigte zudem an, Firmen seines Landes hätten starkes Interesse am Kauf von griechischen Flughäfen und Eisenbahnen. Der chinesische Transportriese Cosco kontrolliert bereits seit 2008 etwa 70 Prozent des Frachthafens von Piräus. Zahlreiche chinesische Unternehmen wie die Elektronikfirmen Huawei und ZTE benutzen Piräus bereits als Drehscheibe für ihre Transporte nach Ost- und Südosteuropa. Peking hat zudem nach Informationen aus Regierungskreisen in Athen Interesse am Bau eines seit Jahren geplanten Großflughafens auf Kreta geäußert.

Quelle: n-tv.de

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