Wirtschaft
Das "Downgrade" kam lang nach Börsenschluss: Was passiert am Montag?
Das "Downgrade" kam lang nach Börsenschluss: Was passiert am Montag?(Foto: REUTERS)

Das Top-Rating der USA ist gefallen: China diktiert Sparvorgaben

Nach dem Verlust der Top-Note "AAA" durch die Ratingagentur Standard & Poor's muss sich Washington harsche Töne aus Peking gefallen lassen. Staatliche Medien gehen mit der "Schuldensucht" der USA hart ins Gericht. Die Amerikaner müssen künftig wohl mit Sparvorgaben aus China leben. Ein Vorschlag macht die Runde: Eine neue weltweite Reservewährung soll den Dollar ablösen. Wie werden die Märkte reagieren?

Mit scharfer Kritik an der US-Schuldenpolitik hat China auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) reagiert. Als größter Gläubiger der einzigen Weltmacht habe China "jetzt alles Recht, von den USA zu fordern, dass diese ihr strukturelles Schuldenproblem in den Griff bekommen und die Sicherheit von Chinas Dollar-Vermögen sicherstellen", hieß es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Barack Obama: Die Ansagen kommen jetzt aus Peking (Archivbild).
Barack Obama: Die Ansagen kommen jetzt aus Peking (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Die USA müssten ihre "Schuldensucht heilen", indem sie die Militär- und Sozialausgaben kürzten. Die Zeiten, als sich die USA ihre Probleme einfach durch neues Schuldenmachen vom Hals hätten schaffen können, seien endgültig vorbei. Die Rolle des US-Dollars müsse international überprüft werden, hieß es in dem Kommentar weiter. Eine Option sei eine neue stabile weltweite Reservewährung. Dadurch könne sichergestellt werden, dass nicht ein einziges Land eine Katastrophe auslöse.

Standard & Poor's hatte in der Nacht die langfristige Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft um eine Stufe von "AAA" auf "AA+" gesenkt. Die Ratingagentur zog damit Konsequenzen aus dem langwierigen Schuldenstreit in den USA. Es ist das erste Mal, dass die USA ihre Spitzenbonitätsnote bei einer führenden Ratingagentur verloren. Nach dem Schritt von Standard & Poor's hatte die chinesische Ratingagentur ihrerseits die US-Bonität von "A+" auf "A" zurückgestuft. Offen ist wie die einflussreicheren Agenturen Moody's und Fitch auf den S&P-Schritt reagieren.  

Nach der Herabstufung der USA gibt es nur noch 17 Staaten, die von S&P die Bestnote "AAA" erhalten, darunter auch Steueroasen und Zwergenstaaten. Von den führenden Industrienationen (G7) stufen die S&P-Analysten jetzt nur noch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada mit einem Top-Rating ein.

Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) versuchte unterdessen in einer ersten Reaktion auf die Herabstufung, die Finanzmärkte zu beruhigen. An der Sicherheit staatlicher Anleihen werde sich nichts ändern, teilte die Fed mit.

Paukenschlag nach Börsenschluss

Am Vorabend hatte sich die Regierung in Washington Medienberichten zufolge bereits auf den Verlust der Spitzenbonitätsnote vorbereitet. Es werde auch eine Herabstufung gleich um zwei Stufen nicht ausgeschlossen, hatte es geheißen. Sollte es zu einer Herabstufung kommen, dürften vor allem das politische Gezerre um die kurz vor Fristablauf angehobene Schuldengrenze und Zweifel an der Möglichkeit für zusätzliche Einsparungen dafür verantwortlich sein. Zuvor waren bereits erste Gerüchte aufgekommen, die auf ein bevorstehendes "Downgrade" spekuliert hatten.  

Renminbi Yuan und Dollar: Eine neue Leitwährung für die Welt?
Renminbi Yuan und Dollar: Eine neue Leitwährung für die Welt?(Foto: REUTERS)

S&P hatte Mitte Juli erklärt, die Chancen einer Herabstufung in den kommenden drei Monaten stünden bei 50 zu 50, abhängig vom Ausgang des US-Schuldenstreits. Das US-Defizit müsse binnen zehn Jahren um vier Billionen Dollar gedrückt werden. Der Anfang des Monats nach wochenlangem Ringen erzielte Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern sieht allerdings nur Einsparungen von etwas mehr als zwei Billionen Dollar vor.

Die beiden anderen großen Ratingagenturen Moody's und Fitch hielten nach der Einigung im Schuldenstreit vorerst an ihrer Spitzennote fest. Moody's hatte erst vergangenen Dienstag mitgeteilt, angesichts der Lösung im Schuldenstreit die Kreditwürdigkeit der USA weiterhin mit der Bestnote "AAA" zu bewerten. Die Note werde aber mit einer negativen Tendenz versehen. Das bedeutet, dass eine Abwertung der Bonitätsnote in naher Zukunft durchaus möglich ist. Die Ratingagentur Fitch hatte nach Verabschiedung des Plans ebenfalls erklärt, dass die Kreditwürdigkeit der USA weiter mit der Topnote "AAA" bewertet werden könne. Fitch kündigte aber eine genaue Prüfung des Haushaltsplans an, die Ende August abgeschlossen sein soll. Nach der Herabstufung durch S&P dürften sich anderen beiden Marktführer im Ratinggeschäft ebenfalls zu einer Neubewertung gezwungen fühlen.

Ist der Ernstfall eingetreten?

Aufgrund der Bedeutung des US-Dollar als Leitwährung könnte die Abwertung die Weltwirtschaft, die bereits unter der Euro-Krise leidet, weiter ins Trudeln bringen. China bekräftigte am Freitag seine Kritik, dass die Kürzungen in den USA und Europa nicht weit genug gingen. Die USA nähmen lediglich neue Schulden auf, um die alten abzubezahlen, hatte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua kritisiert.

Am Freitag waren die US-Börsen nach einer turbulenten Woche voller Unsicherheiten und starker Kursverluste zunächst mit versöhnlichen Signalen aus dem Handel gegangen. Offen ist bislang, wie die Märkte nun auf das "Rating-Downgrade" durch S&P reagieren werden. Beobachter hatten bereits Wochen für diesen Fall vor erheblichen Bewegungen gewarnt. Zahlreiche institutionelle Investoren müssten aufgrund eigener Anlagevorgaben unter Umständen auf die neue Situation reagieren und umschichten.

Parole: "Klappe halten"

Die Bundesregierung wollte sich am Wochenende nicht äußern. "Einfach mal die Klappe halten" wäre ein gutes Motto der Stunde, hieß es aus deutschen Regierungskreisen lediglich. Frankreichs Wirtschaftsminister François Baroin sagte: "Frankreich hat ein uneingeschränktes Vertrauen in die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft." Der Minister lobte die US-Regierung für ihr "entschlossenes Vorgehen", um die Schulden in den Griff zu bekommen.

Neben dem gigantischen Staatsdefizit ist die US-Ökonomie von weiteren Schuldenproblemen geprägt: Die Verbraucher - sie tragen die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft zu 70 Prozent - konsumieren seit Jahren auf Pump. Und die Wirtschaft insgesamt verbraucht seit Jahren deutlich mehr als sie selbt produziert. Ergebnis: Ein riesiges Handels- und Leistungsbilanzdefizit - vor allem gegenüber China, das seinerseits auf massenhafte Exporte nach Amerika angewiesen ist.

US-Medien berichteten, die US-Regierung habe sich bis zuletzt vehement gegen die Herabstufung zur Wehr gesetzt. Dabei habe die Regierung der Agentur auch Rechenfehler vorgehalten, hieß es.

Droht ein blutroter Börsenmontag?

S&P begründete den Schritt damit, dass die nach wochenlangen Ringen am Dienstag vom Kongress beschlossene Einsparungen nicht ausreichten, um eine langfristige Schuldenkonsolidierung zu erreichen. Auch die "Berechenbarkeit der amerikanischen Politikprozesses" (policymaking) müsse in Frage gestellt werden, heißt mit Blick auf das langwierige Gezerre zwischen Regierungslager und Opposition.

Bilderserie

Als Konsequenz der Herabstufung rechnen Experten mit weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Bereits in den vergangen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste an den Aktienmärkten gegeben - zumal weiterhin die europäische Schuldenkrise gärt. Weitere Konsequenz eines schlechteren Ratings können höhere Zinsen für die Aufnahme frischen Geldes sein: Die USA müssten dann neben der Tilgung ihrer riesigen Schulden zusätzlich eine wachsende Zinslast schultern.

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Quelle: n-tv.de

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