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Länger als ein Flugzeugträger und sehr viel schwerer: Die "Vale Beijing".
Länger als ein Flugzeugträger und sehr viel schwerer: Die "Vale Beijing".(Foto: REUTERS)

300-Meter-Gigant voller Eisenerz: China empfängt Mega-Frachter

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale schrammt um Haaresbreite an einer milliardenschweren Fehlinvestition vorbei: Die chinesischen Behörden lassen nach langem Zögern alle Bedenken fallen und öffnen ihre Häfen für die neuartigen Riesenschiffe aus Brasilien. Frachter für Frachter gelangen nun bald mehrere hunderttausend Tonnen Eisenerz ins Land.

Nach monatelanger Blockade dürfen die neuen Mega-Eisenerzfrachter des brasilianischen Bergbau-Konzerns Vale nun doch Häfen in China anlaufen.

Lebenszweck Eisenerz: Im Inneren des Kolosses stampft ein Schiffsdiesel von MAN.
Lebenszweck Eisenerz: Im Inneren des Kolosses stampft ein Schiffsdiesel von MAN.(Foto: REUTERS)

Mit der "Berge Everest" habe erstmals eines der neuen Schiffe mit einer Kapazität von knapp 400.000 Tonnen und einer Länge von bis zu 360 Metern im Hafen Dalian festgemacht, hieß es aus Branchenkreisen. Für den weltgrößten Eisenerzproduzenten ist das ein wichtiger Durchbruch: Vale hat mehrere Milliarden Dollar in den Bau der speziellen China-Frachter investiert, um sein Eisenerz billiger ins wirtschaftlich boomende Schwellenland transportieren zu können.

Bislang hatte die Volksrepublik das Vorhaben aus Furcht vor einer Vormachtstellung der Brasilianer aber durchkreuzt. Warum das Anlege-Verbot jetzt aufgehoben wurde, war zunächst unklar. Die "Berge Everest" habe in Dalian mit der Entladung begonnen, war aus dem Vale-Umfeld zu vernehmen. Augenzeugen vor Ort bestätigten die Angaben: Riesenschiffe wie die "Berge Everest", die "Vale Brasil" oder die "Vale Beijing" sind selbst in einem so betriebssamen Hafen wie Dalian unverkennbar und kaum zu übersehen.

Dalian ist nicht nur der wichtigste Behörden schließen Chemiefabrik in der Nähe der chinesischen Hauptstadt. Dalian ist auch ein wichtiger Stützpunkt der chinesischen Marine. Im militärischen Teil des Hafens Anlagen liegt unter anderem auch ihr bislang einziger China testet Flugzeugträger . Nach der Ankunft des Riesenschiffes sei mit dem Löschen von Eisenerz begonnen worden, erklärte ein Hafenmitarbeiter. Branchenkreisen zufolge ist der Frachter mit 350.000 Tonnen Eisenerz beladen.

Vale will eine Flotte aus 35 der weltgrößten Schüttgut-Frachter aufbauen, um China mit dem wichtigen Rohstoff zur Stahlproduktion zu versorgen. Die "Berge Everest" zählt zu einem Vorläufer dieser Reihe. Der Bergbaugigant will 2012 rund 130 Mio. Tonnen Eisenerz nach China exportieren - das entspricht etwa 40 Prozent seiner gesamten Produktion. Doch chinesische Transporteure und Stahlhersteller laufen gegen die Pläne Sturm. Sie fürchten, Vale könnte ähnlich einem "Trojanischen Pferd" auf den chinesischen Markt vordringen und dort sowohl auf dem Fracht- als auch den Eisenerzmarkt eine Monopolstellung aufbauen.

Zu dick für den Kanal

Die neuen Schiffe sind so groß, dass sie innerhalb der Schüttgutfrachter eine eigene Größenklasse bilden, die "Very Large" oder sogar "Ultra Large Ore Carriers" (VLOC oder ULOC). Andere Quellen sprechen in dieser Größenordnung sogar nur noch von "Valemax", da Vale bislang der einzige Eigner solcher Riesenschiffe ist. Die Mega-Frachter sind jeweils gut doppelt so groß wie die bislang größten Frachter der "Capesize"-Klasse. Weil sie bei weitem zu breit sind für den Panamakanal, müssen die Planer bei Vale große Umwege in Kauf nehmen, wenn die Frachter Südamerika umrunden sollen.

Mindestens vier, besser sechs Schlepper zum Rangieren: Am Beispiel der "Vale Beijing" zeigen sich Größe der neuen Riesenschiffe - und ihre typischen Schwierigkeiten.
Mindestens vier, besser sechs Schlepper zum Rangieren: Am Beispiel der "Vale Beijing" zeigen sich Größe der neuen Riesenschiffe - und ihre typischen Schwierigkeiten.(Foto: REUTERS)

Nur wenige Häfen sind in der Lage, die Mega-Erzfrachter aufzunehmen. Im Regelbetrieb pendeln die VLOC zwischen den ergiebigen Minen in Brasilien und den Abnehmern in Europa und an der chinesischen Ostküste. Die große Anzahl ist notwendig, um einen konstanten Strom an Erzen für die wichtigsten Vale-Kunden zu gewährleisten. Die Größe der Frachter soll den Transport wirtschaftlich machen.

Keinem der bereits ausgelaufenen sechs Riesenfrachter war deshalb bislang genehmigt worden, in einem chinesischen Hafen Anker zu werfen. Der Verband der chinesischen Schiffseigentümer hatte erst jüngst die Regierung vor einer schnellen Anlege-Erlaubnis gewarnt. Vales Frachter seien noch nicht ausreichend getestet und ein Öl-Leck an den Schiffen könne Chinesische Pipelines explodiert haben, hatte es geheißen.

Ein Anlass vor der brasilianischen Küste schien die Kritiker in ihren Bedenken zu bestätigen: Anfang Dezember öffnete sich in der Außenhülle der 361 Meter langen und mit 384.000 Tonnen Eisenerz beladenen "Vale Beijing" ein Riss. Wasser drang in die Ballasttanks und einen Teil der Frachträume ein. Das Schiff blockierte zeitweise die Einfahrt des wichtigen Erzhafens von Ponta da Madeira nahe der nordbrasilianischen Stadt Sao Luis.

Ein halbes Jahr zuvor hatte der erste der neuen Superfrachter, die "Vale Brasil", auf ihrer Jungfernfahrt im Indischen Ozean sogar wieder kehrt machen müssen. Das Schiff wich schließlich nach längerer Reise nach Italien aus.

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Quelle: n-tv.de

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