Wirtschaft
Chinas Wachstum brachte für viele Bürger Wohlstand, hat aber auch die Umwelt zerstört.
Chinas Wachstum brachte für viele Bürger Wohlstand, hat aber auch die Umwelt zerstört.(Foto: REUTERS)

Ziele knapp erreicht: Strukturreformen bremsen China

Chinas Wirtschaft wächst seit 30 Jahren rasant. Doch nun will die Regierung in Peking die Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft nachhaltiger gestalten. Dafür nimmt sie auch eine Konjunkturabkühlung in Kauf. Die Probleme haben es in sich.

Die chinesische Konjunktur hat sich zum Ende des vergangenen Jahres weiter abgekühlt. Das Wirtschaftswachstum betrug im vierten Quartal 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie die Statistikbehörde mitteilte. Im Vorquartal waren es noch 7,8 Prozent. Analysten hatten im Schnitt allerdings einen noch deutlicheren Rückgang auf 7,6 Prozent erwartet. Im Gesamtjahr wuchs die hinter den USA weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft um 7,7 Prozent.

Der Anstieg lag damit auf dem gleichen Niveau wie 2012. Der Zuwachs liegt knapp über dem selbst gesteckten Wachstumsziel der Regierung von 7,5 Prozent, wenngleich diese Vorgaben in der Vergangenheit immer sehr vorsichtig gemacht und am Ende meist deutlich übertroffen worden waren.

Führung hat moderaten Kurswechsel beschlossen

Die chinesische Wirtschaft hatte 30 Jahre lang rasant zugelegt. Die Entwicklung brachte für viele Bürger Wohlstand, hat aber auch die Umwelt zerstört. Die Regierung in Peking will nun das Wachstum nachhaltiger gestalten und ist dafür bereit, eine Konjunkturabkühlung in Kauf zu nehmen. Sieben Prozent gelten aber als Untergrenze.

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Auf ihrem Plenum im November hat die neue kommunistische Führung beschlossen, den Marktkräften und der Privatwirtschaft künftig eine größere Rolle einzuräumen. Die ursprünglich erhoffte Erholung blieb 2013 jedoch aus. Der Anstieg der Anlageinvestitionen kühlte sich zum Ende des Jahres weiter ab und erreichte im Gesamtjahr nur noch 19,6 Prozent. Das sind 1,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die Industrieproduktion wuchs auch nur mit 9,7 Prozent, nachdem 2012 noch zehn Prozent erreicht worden waren.

"Der Abschwung ist nicht zyklisch, sondern hat strukturelle Ursachen", sagte der frühere Professor an der Tsinghua Universität in Peking und heutige Chefstratege von Silvercrest Asset Management, Patrick Chovanec. "Es wird noch schlimmer, bevor es wieder besser wird." Wenn die Regierung ernsthaft strukturelle Reformen umsetzen wolle, werde sich das Wachstum weiter verlangsamen.

Sorgenkind Verschuldung

Große Sorgen bereitet den Planern die rasant gestiegene Verschuldung von Kommunen und Staatsbetrieben. Zu den finanziellen Risiken tragen ferner die wachsende Immobilienblase, die massive Ausweitung der Schattenbanken, dubiose Kreditvergabe und spekulative Vermögensverwaltungsprodukte bei.

Die Kreditvergabe wurde in der zweiten Jahreshälfte schon gedrosselt. Allerdings  will die Regierung nicht allzu stark auf die Bremse treten und das Wachstum abwürgen. Viele faule Kredite müssen jetzt aber refinanziert werden, so dass das Geld nicht der Wirtschaft zugutekommen kann. Experten rechnen auch mit möglichen Pleiten von Investmentgesellschaften und Vermögensverwaltungen, die nicht wie die großen Staatsbanken zum Kern des chinesischen Finanzwesens gehören.

Auch wenn die Wirtschaftsleistung in China nicht mehr zweistellig wächst, erscheint der Zuwachs weiter beeindruckend. Allerdings hat ein Schwellenland wie China auch großen Nachholbedarf und braucht hohes Wachstum, um die Probleme in seiner Entwicklung bewältigen zu können.

Weitere Abkühlung erwartet

Für dieses Jahr rechnen Experten mit einer weiteren Abkühlung der Konjunktur, weil die Regierung verstärkt auf die Binnennachfrage setzt und weniger stark vom Export abhängig sein will. Zudem kämpft sie gegen die Vergabe riskanter Kredite und steigende Immobilienpreise.

Investoren in Asien reagierten auf die Zahlen verhalten. Zwar machten manche Aktienmärkte nach der Veröffentlichung etwas Boden gut, doch die meisten Börsen verharrten im Minus.

Andere Konjunkturdaten ergaben ein gemischtes Bild: Der Einzelhandelsumsatz stieg im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,6 Prozent und damit gemäß den Erwartungen. Die Industrieproduktion dagegen legte um 9,7 Prozent - etwas weniger als prognostiziert. Chinesische Fabriken kämpfen noch immer mit einer mäßigen Nachfrage aus dem In- und Ausland.

Quelle: n-tv.de

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