Wirtschaft
Die Konjunktur der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt lahmt. Im Sommer legte sie mit einem Plus von 7,3 Prozent so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr.
Die Konjunktur der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt lahmt. Im Sommer legte sie mit einem Plus von 7,3 Prozent so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr.(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr Druck auf dem Kessel: China zu weiteren Zinssenkungen bereit

Die überraschende Zinswende in China könnte nur der Anfang im Kampf gegen die lahmende Wirtschaft gewesen sein. Um das Wachstumsziel zu retten, ist die Konjunkturlokomotive der Welt angeblich zu weiteren Schritten bereit.

Die chinesische Führung ist aus Furcht vor einer Deflation zu weiteren Zinssenkungen und einer Ankurbelung der Kreditvergabe bereit. Notenbank und Regierung wollten verhindern, dass fallende Preise zu Schuldenausfällen, Firmenpleiten und Arbeitsplatz-Verlusten führten, berichteten der Nachrichtenagentur Reuters Personen, die an den politischen Entscheidungen beteiligt sind.

Überraschende Impulse aus der Zentrale der Chinesischen Volksbank.
Überraschende Impulse aus der Zentrale der Chinesischen Volksbank.(Foto: picture alliance / dpa)

Angesichts der lahmenden Konjunktur hatte Chinas Notenbank Ende vergangener Woche überraschend nach mehr als zwei Jahren den Leitzins gesenkt und damit Kursgewinne an den weltweiten Aktienmärkten ausgelöst.

"Die Führungsriege hat ihre Meinung geändert", erklärte ein ranghoher Volkswirt, der bei einem staatlichen Institut beschäftigt ist und an Beratungen über die Geldpolitik teilnimmt. Die Notenbank habe ihren Fokus auf eine breit angelegte Stimulierung der Wirtschaft verlagert.

Sie sei deshalb nicht nur für weitere Zinssenkungen offen, sondern auch für eine Reduzierung der Mindestreserve-Anforderung, die faktisch die Kreditvergabe der Banken deckelt. "Da wir nun einen Zinssenkungs-Zyklus begonnen haben, sollten weitere Zinssenkungen in der Pipeline sein und eine Kappung der Mindestreserve ist ebenfalls wahrscheinlich."

China macht den Anfang

Die Zinssenkung in China war ein Paukenschlag an den Finanzmärkten. Sie kam aus einer völlig anderen Richtung als angenommen. Erwartet worden war, dass die Notenbanken in Amerika und anderswo mit einer strafferen Geldpolitik ernst machen würden. Ihnen ist China nun zuvorgekommen.

Die chinesische Notenbank verbilligte den Schlüsselsatz am Freitag auf 5,6 von zuvor sechs Prozent. Zugleich räumte sie den Banken mehr Freiheit bei der Gestaltung von Zinsen auf Kundeneinlagen ein. Sie hatte jedoch gleichzeitig signalisiert, keinen aggressiven Kurs einzuschlagen: Das Wirtschaftswachstum sei noch "leidlich", so dass die Währungshüter "mit Bedacht" vorgehen könnten.

Die Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat zuletzt an Fahrt verloren. Im Sommer legte sie mit einem Plus von 7,3 Prozent so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Dies könnte dazu führen, dass sie erstmals seit 15 Jahren das Wachstumsziel der Regierung von derzeit 7,5 Prozent verfehlt. Zugleich war die Kreditvergabe im Oktober scharf zurückgegangen. An den Finanzmärkten hoffen Investoren aus aller Welt auf einen Schub für die Weltwirtschaft, falls Chinas Konjunktur wieder anzieht.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen