Wirtschaft
Chinas Kampf gegen die Korruption greift.
Chinas Kampf gegen die Korruption greift.(Foto: Reuters)

Aus Angst vor den Behörden: Chinas Beamte wollen Luxusvillen loswerden

Chinas Kampf gegen die Korruption hinterlässt Spuren in der Wirtschaft des Landes. Derzeit trifft es die Immobilienbranche: Aus Angst vor Untersuchungen stoßen immer mehr Regierungsvertreter ihre Wohnungen ab - manche sogar als "Notverkäufe".

Im vergangenen Jahr wurde ein Politiker aus der Inneren Mongolei namens Wu Zhizhong wegen Korruption verurteilt. Er hatte Bestechungsgeld angenommen und öffentliche Mittel veruntreut. Laut den Strafverfolgern besitzt Wu 33 Immobilien in China und ein Haus in Kanada. Mit den Schlüsseln zu seinen zahlreichen Anwesen könnte man eine ganze Handtasche füllen, schrieb die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Auch Cai Bin, ein ehemaliger Vertreter der Provinzregierung in Guangzhou, wurde vergangenes Jahr verurteilt, weil er sich bestechen lassen hatte. Seine Familie und er besitzen mehr als 20 Häuser - was ihm auf sozialen Medien den Spitznamen "Onkel Haus" eingebracht hat.

Fälle wie diese haben bei den Vertretern der Provinzregierungen die Alarmglocken läuten lassen. Viele halten sich nun mit dem Kauf luxuriöser Anwesen zurück, wie eine Umfrage des "Wall Street Journal" unter rund ein Dutzend Immobilienmaklern ergab. Einige versuchen ihre Häuser loszuwerden - aus Angst davor, dass sie Gegenstand einer Untersuchung werden könnten.

"Offizielle wollen ihre Häuser schnell verkaufen und sind bereit, sie für fünf bis zehn Prozent unter dem durchschnittlichen Preis für vergleichbare Häuser zu verkaufen", sagt Zhang Yan, Manager bei Shanghai Centaline Property Consultants. Er verkaufe drei bis vier Häuser im Quartal an Regierungsvertreter, berichtet er. Parteimitglieder fänden für gewöhnlich innerhalb von zwei Wochen einen Käufer, sagt er. Bei den meisten anderen dauere es etwa einen Monat, weil sie auf ein höheres Gebot warten.

Die Angst vor Untersuchungen ist groß

Welche Folgen der Kampf gegen Korruption auf den gesamten Immobilienmarkt hat, lässt sich schwer messen. Ein Grund dafür ist, dass es kein landesweites Registrierungssystem für Immobilien gibt. Einzelpersonen dürfen zwar nur eine bestimmte Anzahl an Häusern erwerben, doch etliche lassen sich von Verwandten oder Vertretern Häuser kaufen.

Dass viele ihre Immobilien nun loswerden wollen, zeigt, wie groß die Angst angesichts der Antikorruptionskampagne des Staatspräsidenten Xi Jinping mittlerweile ist. Regierungsvertreter halten sich mit Reisen, großzügigen Geschenken und verschwenderischen Feiern bereits stärker zurück.

Großes Risiko für die Wirtschaft

Für den chinesischen Immobilienmarkt kommt die Kampagne zu einem schlechten Zeitpunkt. Der Gesamtwert der verkauften Häuser fiel laut offiziellen Daten aus der vergangenen Woche in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 10,5 Prozent. Ökonomen sagen, dass die Entwicklung ein großes Risiko für die chinesische Wirtschaft darstelle.

Regierungsvertreter stellen laut Immobilienmaklern unter den Besitzern von Luxusimmobilien einen Anteil von 20 Prozent - und sie kaufen nicht mehr viel. "Einer der Wege, einen Beamten zu bestechen, ist es, ihm ein Haus als Geschenk zu überreichen", sagt Yan Jirong, Professor an der School of Government der Universität Peking. "Die Antikorruptionskampagne sendet ein Signal", dass solche Praktiken beendet werden müssten.

Im Juni forderten die Behörden der autonomen Region Guangxi Beamte, die "im Besitz überzähliger Häuser" sind, dazu auf, sie abzugeben. Wo und wie das geschehen solle, ließen sie aber offen. Die Zentrale Militärkommission, die Chinas Armee kontrolliert, kündigte an, dass die Militärs künftig einmal im Jahr ihre Besitztümer angeben sollen. Wer falsche Auskünfte gibt, könnte bestraft werden.

Ein Regierungsvertreter bot seine Pekinger Wohnung im Juni für 2 Millionen Yuan, umgerechnet 242.000 Euro an, wie der mit dem Verkauf beauftragte Makler berichtet. Ursprünglich habe der Preis bei 22,5 Millionen Yuan gelegen. Über der Anzeige für das Vier-Zimmer-Apartment stand "Notverkauf".

Beamte kaufen Häuser über Verwandte

Laut einer aktuellen Umfrage des Thinktanks Urban Land Institute unter Investoren und Immobilienentwicklern in China planen nur 23 Prozent der Befragten mehr in Luxusimmobilien zu investieren - das ist einer der niedrigsten Werte seit die Umfrage durchgeführt wird. Hingegen wollen 44 Prozent mehr Geld in Häuser der Mittelklasse stecken.

In Hangzhou sind die Verkäufe von Luxushäusern laut dem Datendienstleister China Real Estate Index System im ersten Halbjahr um 54 Prozent eingebrochen. Der Rückgang sei zum Teil darauf zurückzuführen, dass mit sinkenden Preisen gerechnet werde, sagt Gao Yuansheng, Forschungsdirektor der Firma in Hangzhou. Doch er könne auch mit den Antikorruptionsmaßnahmen zusammenhängen.

Eine weitere Belastung für den Immobilienmarkt: Peking will ein landesweites System einführen, um Immobilien zu besteuern und zu registrieren. Das würde es deutlich erleichtern, Regierungsvertreter ausfindig zu machen, die mit ihrem überschaubaren Gehalt mehrere Häuser kaufen. Doch nach dem ersten Entwurf würde die Öffentlichkeit nur begrenzt Zugang zu solch einem System haben.

In einer Studie fanden Volkswirte der Universität von Pennsylvania heraus, dass chinesische Regierungsvertreter größere und luxuriösere Häuser kaufen als Nichtbürokraten - obwohl sie in der Regel monatlich 14 Prozent weniger verdienen. Eine Beamte bekommen laut der Studie auch einen Preisnachlass von knapp 4 Prozent, je nachdem wie groß ihr Einfluss bei lokalen Immobilienentwicklern ist. 7,1 Prozent der Hauskäufer aus der Studie arbeiteten für den Staat. In der Gesamtbevölkerung machen die Staatsbediensteten nur einen Anteil von 0,86 Prozent aus.

Viele Regierungsvertreter nutzten die Ausweise von Verwandten oder Chauffeuren, um Häuser zu kaufen, sagen Immobilienmakler. Einer seiner Kunden sei gerade dabei gewesen, sein Haus zu verkaufen, als er festgenommen wurde, berichtet ein Makler. "Ich habe erst gemerkt, dass er ein Regierungsvertreter ist, als ich sein Bild im Internet sah, nachdem er festgenommen wurde."

Quelle: n-tv.de

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