Wirtschaft

Konjunkturmaßnahmen erwartet: Chinas Wachstum schwächelt

China wächst langsamer als erwartet. Damit werden Konjunkturmaßnahmen der Regierung und eine weitere Lockerung der Geldpolitik wahrscheinlicher. Der Notenbank kommt dabei entgegen, dass die Inflation zurückgeht.

Chinas Premier Wen Jiabao.
Chinas Premier Wen Jiabao.(Foto: REUTERS)

In China mehren sich die Anzeichen, dass die Konjunktur an Fahrt verliert: Der Preisanstieg schwächte sich im Juni stärker ab als erwartet. Die Verbraucherpreise stiegen auf Jahressicht nur noch um 2,2 Prozent - das ist der niedrigste Stand seit 29 Monaten. Im Mai hatten sich Waren und Dienstleistungen noch um 3 Prozent verteuert. Chinas Regierungschef Wen Jiabao warnte vor "großen Risiken", dass sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt weiter abschwächt.

Der Rückgang der Inflation ermöglicht es der Zentralbank allerdings, die Geldpolitik weiter zu lockern, um die Wirtschaft damit anzukurbeln. Die Notenbank hatte erst Ende der vergangenen Woche zum zweiten Mal in einem Monat die Leitzinsen verringert. Viele Experten erwarten, dass die Bank bald neue Maßnahmen einleitet. Dazu könnten eine weitere Zinssenkung und eine Lockerung der Kapitalvorschriften für Banken gehören.

Ein hochrangiger Regierungsberater hatte kürzlich gewarnt, das Wachstum könne im zweiten Quartal unter die für die zweitgrößte Volkswirtschaft wichtige Marke von 7 Prozent fallen. Die Zahlen werden am kommenden Freitag veröffentlicht. Die Industriestaaten-Organisation OECD taxiert das Wachstum für China in diesem Jahr auf 8,2 Prozent - das wäre der schwächste Zuwachs seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Regierung geht bisher von 7,5 Prozent aus.

Hoffen auf Trendwende

Solche für Europa sehr hoch anmutenden Wachstumsraten gelten in dem Boomland China als Untergrenze für die Entwicklung der Wirtschaft, um wegen der hohen Zahl auf den Jobmarkt drängender Arbeitskräfte soziale Unruhen in dem Milliardenvolk zu vermeiden. Chinas kommunistische Führung stemmt sich deshalb gegen eine Konjunkturabkühlung: Sie will unter anderem mit dem Ausbau der Verkehrs- und Energienetze das Wachstum stärker auf Touren bringen.

Wie ein Berater des Finanzministeriums der "China Daily" sagte, dürfte konjunkturell der Boden bereits im Frühjahr erreicht worden sein. "Wenn alles glatt läuft, könnte die Wachstumsdelle im zweiten Quartal liegen. Wenn es schlimmer kommt, dann erst im dritten", sagte der Regierungsberater.

Der kürzlich von der OECD veröffentlichte Frühindikator für April war um 0,3 auf 99,1 Punkte gefallen. Er entfernte sich damit weiter von der 100-Zähler-Marke, die den langjährigen Durchschnittswert markiert. Die Schwäche hielt im Mai an, wie Konjunkturdaten signalisieren. Die Einzelhändler steigerten ihren Umsatz um 13,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einen geringeren Zuwachs gab es zuletzt im Februar 2011. Auch die Industrie blieb hinter den Prognosen zurück, wuchs allerdings um 9,9 Prozent. Die Entwicklung der Produzentenpreise beobachten Ökonomen ebenfalls mit Sorge: Sie fielen um 1,4 Prozent und damit den dritten Monat in Folge. "Das deutet auf eine beträchtliche Flaute der heimischen Produktion hin", sagte Xianfang Ren von IHS Global.

Die Regierung kündigte neue Schritte an, um die Wirtschaft anzukurbeln. So sagte Premier Wen, China müsse das umfangreiche Hausbauprogramm für niedrige Einkommensbezieher fortsetzen und die Wirtschaft verstärkt auf Touren bringen.

Quelle: n-tv.de

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