Wirtschaft
Blickt ein wenig skeptisch in die Zukunft: Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan.
Blickt ein wenig skeptisch in die Zukunft: Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 20. Oktober 2017

Weil es zu gut läuft: Chinas Zentralbankchef warnt vor Krise

Chinas Wirtschaft brummt. Angst vor einer Krise hat der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan aber trotzdem. Der so genannte "Minsky-Effekt" macht die Runde.

Eigentlich könnte es für den chinesischen Zentralbankchef Zhou Xiaochuan nicht besser laufen: Die Wirtschaft wächst kräftig. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal um 6,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Das ist zwar etwas weniger als im ersten Halbjahr, doch trotz des etwas verlangsamten Tempos dürfte das von der Regierung vorgegebene Ziel von rund 6,5 Prozent für das Gesamtjahr übertroffen werden.

Feiern will Zhou aber nicht: "Wenn wir zu optimistisch sind, nur weil alles gut läuft, bauen sich Spannungen auf, die zu einer harten Korrektur führen können. Wir nennen das den Minsky-Effekt. Dagegen müssen wir aktuell etwas tun."

Der Ökonom Hyman Minsky hatte die These aufgestellt, dass das Finanzsystem während eines Aufschwungs automatisch instabil wird. Der Hauptgrund: Lange Wachstumsperioden führen zu übertriebenem Optimismus und unverantwortlicher Verschuldung. Vor dem Hintergrund der durch das Platzen der US-Immobilienblase ausgelösten Wirtschafts- und Finanzkrise gewann der "Minsky-Effekt" an Popularität.

Mit seiner Mahnung steht Zhou nicht allen. Ökonomen führten das kräftige Wachstum Chinas auch auf die anhaltend hohe Kreditvergabe zurück, durch die beispielsweise der Bausektor einen Boom erlebe und viele Staatsbetriebe künstlich am Leben gehalten würden. Durch immer höhere Unternehmensschulden würden Probleme jedoch nicht gelöst, sondern nur verschoben. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte jüngst, dass China sein Wachstum nach wie vor durch höhere Schulden erkaufe. Dies könne in Zukunft zu "einem starken Abschwung" führen. Der IWF forderte Peking auf, die Kreditvergabe zu zügeln. Der Bankensektor habe inzwischen eine Größe erreicht, die das Dreifache der Wirtschaftsleistung des gesamten Landes umfasst.

Kreditwürdigkeit sinkt

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat gerade im September Chinas Bonität um eine Stufe auf A+ heruntergesetzt. Das ist nur noch die fünftbeste Note der Skala. Grund war die "längere Phase des starken Kreditwachstums, die die ökonomischen und finanziellen Risiken Chinas erhöht hat". Die Regierung warf S&P vor, die Lage der chinesischen Wirtschaft falsch und auf Grundlage der Erfahrungen von voll entwickelten Industrieländern zu beurteilen. Die Qualität des Wachstums habe sich verbessert.

"Wir sollten uns darauf konzentrieren, dramatischen Anpassungen vorzubeugen", sagt der Zentralbankchef Zhou im Blick auf die hohe Verschuldung der Unternehmen und steigender Verbraucherkredite. Die Staatsschuldenquote Chinas stieg in den vergangenen fünf Jahren um rund ein Drittel.

450 Meter soll der Suzhou-Tower in der gleichnamigen chinesischen Metropole hoch werden.
450 Meter soll der Suzhou-Tower in der gleichnamigen chinesischen Metropole hoch werden.(Foto: picture alliance / Zuo Dongchen/)

Obwohl China laut neuester Konjunkturzahlen weit über dem von der Regierung verordneten Soll liegt, sollen deshalb Reformen kommen. Beispielsweise hat die chinesische Regierung aus Angst vor einer Immobilienblase die Vergabe risikoreicher Kredite erschwert. "Der Immobilienboom hat zweifellos seinen Höhepunkt überschritten", konstatierte die Analystin Rosealea Yao vom Beratungsunternehmen Gavekal Dragonomics. Die Zahl der Neubauten nahm zuletzt nicht mehr so stark zu wie gewohnt, und der Verkauf von fertigen Objekten ging sogar erstmals seit zweieinhalb Jahren zurück.

Chinas Regierung reagiert

Die "Sicherheit im Finanzsektor" hat laut Chinas Präsident Xi Jingping oberste Priorität in der kommenden Zeit. Dementsprechend will die Bankenaufsicht die Zügel bei der Bankenregulierung und anderer finanzieller Risiken anziehen. Peking arbeitet an einem umfassenden Strukturwandel für das Wachstumsmodell des Landes. Die investitionsgestützte, staatlich forcierte Expansionspolitik der vergangenen Jahrzehnte soll in ein weniger störanfälliges konsumgestütztes Modell übergehen.

Das wird aber durch diverse Faktoren erschwert: Neben dem vergleichsweise schwachen Wachstum sind dies eine schwächelnde Währung, Überkapazitäten in der Produktion, Kapitalflucht und die Furcht vor einer Immobilienblase und faulen Krediten bei chinesischen Banken.

Laut dem Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Glitzel, steht China trotz aller Probleme eine goldene Zeit bevor. "Derzeit braucht man sich um das chinesische Wachstum nicht zu sorgen. Auch in den kommenden Quartalen dürfte die Volkswirtschaft in ähnlicher Größenordnung zulegen, dafür wird alleine schon die Regierung sorgen." Das kann, muss aber nicht unbedingt gut gehen.

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Quelle: n-tv.de

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