Wirtschaft

Nicaragua baut sein "Allheilmittel": Panamakanal bekommt Konkurrenz

Neben dem Panamakanal soll es noch einen zweite Wasserstraße als Verbindung zwischen dem Pazifik und Atlantik geben. Nicaragua erteilt die Lizenz für das 40-Milliarden-Dollar-Projekt. Die Idee ist fast 200 Jahre alt, mehrere mögliche Routen gibt es, die längste ist 286 Kilometer lang. Geldgeber und Bauherren stehen parat.

Auf der Suche nach einem Wachstumsimpuls für die darbende Wirtschaft hat Nicaragua eine alte Idee wieder aufgegriffen und diesmal Nägel mit Köpfen gemacht. Das Parlament des kleines Landes hat einer Firma aus Hongkong die Lizenz zum Bau einer künstlichen Wasserstraße gegeben, die den Golf von Mexiko mit dem Pazifik verbinden soll. Es vergab sie für den Bau und Betrieb des Kanals, der der Abkürzung in Panama Konkurrenz machen soll. Die Idee ist fast 200 Jahre alt, und mehrere Anläufe zum Bau sind seither gescheitert.

Das Gesetz sieht die Vergabe einer auf zunächst 50 Jahre angelegten Konzession an HK Nicaragua Canal Development Investment, kurz: HKND Group, vor, dessen alleiniger Eigentümer Wang Jing ist, ein 40-jähriger Unternehmer aus Peking. Dessen Telekommunikationsfirma Xinwei erwarb im vergangenen Jahr bereits eine Mobilfunkkonzession für Nicaragua. Wang wurde in der vergangenen Woche dem Parlament in Managua vorgestellt, das von den regierenden Sandinisten dominiert wird.

Neben der Wasserstraße sind eine Eisenbahnlinie, eine Ölpipeline, zwei Häfen und ein Flughafen geplant. HKND Group soll 49 Prozent der Aktien halten, der Staat Nicaragua 51 Prozent.

Raus aus der Krise

Die Regierung setzt darauf, dass eine solche Wasserstraße die wirtschaftliche Misere des kleinen Landes beendet und für Arbeitsplätze und Wachstum sorgt. Doch es gibt viele skeptische Stimmen, die davon ausgehen, dass auch dieses Vorhaben über die Idee nicht hinauskommt, so wie die erste Kanallizenz, die im Jahre 1825 vergeben wurde.

"Die ganze Geschichte Nicaraguas dreht sich um diesen Kanal", sagt Paul Oquist, der innenpolitische Referent des sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega. "Wir glauben, dass dieses Projekt das Land aus der Armut und Unterentwicklung befreien wird", sagte er - und das bereits während der Bauphase. Später soll der Kanal Millionen an Gebühren in die Staatskasse spülen.

Der Abgeordnete der Regierungspartei FSLN, Jacinto Suárez, sagte während der über dreistündigen Debatte im Parlament, von dem Mega-Projekt würden alle Branchen des Landes profitieren. Zudem schaffe der Bau zahlreiche Arbeitsplätze.

Hirngespinst oder Allheilmittel?

Das 40-Milliarden-Dollar-Projekt sieht vier mögliche Routen für den Kanal vor, dessen längste sich über 286 Kilometer erstrecken würde, daneben zwei Tiefwasserhäfen, zwei Freihandelszonen, eine Ölpipeline, eine Eisenbahn und einen internationalen Flughäfen. Das Projekt würde die vorhandene Infrastruktur in dem kleinen Land mehr als verdoppeln.

Kritiker sprechen von einem blanken Hirngespinst. "Sie haben das als Allheilmittel gegen die Krankheiten des Landes verkauft", sagt Eliseo Nuñez, ein Abgeordneter der Nationalversammlung, der gegen die Konzessionsvergabe gestimmt hat. "Ortega muss Hoffnung verkaufen."

Demonstration gegen das Projekt

Proteste vor der Nationalversammmlung in Managua: "Daniel Ortega, illegaler Präsident - der größte Pirat verkauft die Heimat Nicaragua"
Proteste vor der Nationalversammmlung in Managua: "Daniel Ortega, illegaler Präsident - der größte Pirat verkauft die Heimat Nicaragua"(Foto: AP)

Oppositionsführer Eduardo Montealegre kritisierte das Gesetz als verfassungswidrig, betrügerisch und schädlich für die Interessen Nicaraguas. "Ohne vorherige Prüfung und nach eintägiger Beratung will die Regierung einer ausländischen und unbekannten Firma die Konzession erteilen", sagte Montealegre.

In einem "Marsch für die Souveränität des Volkes" waren vor der Abstimmung Dutzende Demonstranten vor die Nationalversammlung gezogen, wie die Zeitung "El Nuevo Diario" berichtete. Auf ihren Transparenten war zu lesen "Ortega verkauft das Vaterland" und "Freies Nicaragua".

Experten sagen es gebe keinen Bedarf für einen weiteren Kanal in Mittelamerika und stellen infrage, ob er je gebaut werden wird. Ein Kanal quer durch Nicaragua stünde in Konkurrenz zum Panamakanal, der gerade für 5 Mrd. Dollar so erweitert wird, dass auch große Schiffe der heutigen Post-Panamax-Klasse ihn passieren können.

Umweltschützern bereitet vor allem Sorge, dass alle derzeit diskutierten Alternativrouten durch den Nicaraguasee und damit durch das wichtigste Süßwasserreservoir der Region führen. "Beim Bau des Kanals muss auf die Schutzgebiete und die Wasserspeicher Rücksicht genommen werden, vor allem auf den Nicaraguasee", sagt Kamilo Lara von der Umweltschutzorganisation Nationales Forum für Recycling.

Quelle: n-tv.de

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