Wirtschaft
Wie stark wächst Chinas Wirtschaft tatsächlich?
Wie stark wächst Chinas Wirtschaft tatsächlich?(Foto: REUTERS)

Traumhafte Wachstumsraten: Chinesische Beamte räumen Fälschung ein

Von Jan Gänger

Klingen Chinas Wachstumszahlen einfach zu gut, um wahr zu sein? Offensichtlich ist das so. Funktionäre aus der Provinz geben unumwunden zu, die Daten zu optimieren.

Chinas Wirtschaft verzeichnet stattliche Wachstumsraten. In schöner Regelmäßigkeit legt das Bruttoinlandsprodukt der Volksrepublik jedes Jahr kräftig zu - und stets so stark wie die von der Kommunistischen Partei verkündete Zielvorgabe. Zahlreiche Ökonomen und Analysten zweifeln die Zuverlässigkeit der Zahlen an.

Nun gaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge mehrere Funktionäre aus dem Nordwesten des Landes zu, in den vergangenen Jahren gefälschte Daten veröffentlicht zu haben. So seien beispielsweise Steuereinnahmen, Haushaltseinkommen und Bruttoinlandsprodukt viel zu hoch angegeben worden. "Wenn die Daten in der Vergangenheit nicht so aufgebläht worden wären, würden die jetzigen Zahlen nicht so steil zurückgehen", zitiert Xinhu einen lokalen Funktionär, der damit offenbar erklären wollte, warum die Wachstumszahlen im Nordwesten der Volksrepublik plötzlich zu den schwächsten des Landes gehören.

Vor drei Jahren habe beispielsweise die Provinz Liaoning ein Wirtschaftswachstum von 9,5 Prozent gemeldet, hieß es weiter. Doch für die ersten neun Monate des laufenden Jahres lag es plötzlich bei lediglich 2,7 Prozent. Das offizielle Wachstum in der Provinz Jilin sank demnach von 12 Prozent auf 6,3 Prozent.

"Sie haben die versprochenen Investitionszahlen vermeldet. Egal, ob sie erreicht wurden oder nicht", wird eine anonyme Quelle zitiert. Ein Funktionär in der Provinz Heilongjiang sagte, in der Vergangenheit hätten die Angaben die Realität um mindestens 20 Prozent übertroffen. Das entspreche fast 100 Milliarden Yuan (umgerechnet fast 16 Milliarden Dollar), so Xinhua.

Die landesweit veröffentlichten Daten gelten als glaubwürdiger als die aus der Provinz gemeldeten Zahlen. Doch auch hier gibt es massive Zweifel. Verdächtig ist beispielsweise, dass Chinas Statistikbehörde die Wachstumsdaten sehr viel schneller als andere Länder veröffentlicht - nämlich schon zwei Wochen nach Ende des jeweiligen Quartals. Ökonomen zufolge liegt das weder an ungewöhnlich tüchtigen Statistikern noch an besonders effektiven Berechnungsmethoden, sondern an dem Wunsch, die Vorgaben der Regierung zu erfüllen. Hinzu kommt: Die Daten werden niemals nachträglich korrigiert.

Vergleichbare Daten aus dem viel kleineren Hongkong werden nach sechs Wochen publiziert. Auch die deutschen Statistiker rechnen anderthalb Monate, bevor sie ein vorläufiges Ergebnis haben. In den USA wird nach zwei Wochen eine erste Schätzung veröffentlicht, die von der zweiten Schätzung häufig stark abweicht. Noch später wird das endgültige Ergebnis präsentiert - starke Revisionen sind auch hier keine Ausnahme.

Die Führung Chinas hat das Ziel für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf sieben Prozent gedrückt. 2014 lag das BIP offiziell noch bei 7,4 Prozent und war damit so niedrig wie seit 1990 nicht mehr.

"Wir glauben, dass die Zahlen reine Fantasie sind", sagt Erik Britton vom Londoner Analysehaus Fathom Consulting. Er schätzte im September, dass die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft dieses Jahr um lediglich 2,8 Prozent und kommendes Jahr nur um 1 Prozent zulegen wird.

Den offiziellen Daten aus China dürfe man nicht trauen, sagt auch Sushil Wadhwani. Er war früher ein hochrangiges Mitglied der britischen Notenbank, gründete später eine Vermögensverwaltung. Man könne nicht seriös kalkulieren, wie stark Chinas Wirtschaft wachse, meint er. Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung drückt es diplomatisch aus: In der Vergangenheit seien die Daten aus China inkonsistent gewesen

Quelle: n-tv.de

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