Wirtschaft
Auf eine Million beziffert die Gewerkschaft die Überstunden, die wegen "chronischer" Unterbesetzung aufgelaufen sind.
Auf eine Million beziffert die Gewerkschaft die Überstunden, die wegen "chronischer" Unterbesetzung aufgelaufen sind.(Foto: picture alliance / dpa)

Gewerkschafter: Chaos ist programmiert: Bahn fährt beim Personal auf Sicht

Mainz ist seit Tagen vom Fernverkehr abgekoppelt, die Empörung ist groß, aber die Bahn scheint das kalt zu lassen. Gewerkschafter sehen System hinter der chronischen Personalknappheit. Mainz sei kein "Einzelfall". Die Bahn sieht das naturgemäß anders.

Das aktuelle Bahnchaos rund um Mainz aufgrund von Personalmangel ist nach Ansicht von Gewerkschaftern voraussehbar gewesen. "Die Vorgänge in Mainz sind nicht die ersten ihrer Art und schon gar kein Einzelfall", sagte der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, der "Welt". "Wir leiden schlicht unter Personalknappheit im Konzern." Zu den "chronisch unterbesetzten" Bereichen gehörte der Bereich der Fahrdienstleiter. Diese Mitarbeiter regeln den Verkehr auf den Schienen in festgelegten Regionen - diese Mitarbeiter fehlen derzeit in Mainz.

Der Personalmangel in den sogenannten Stellwerken ist dem Unternehmen nach Gewerkschaftsangaben lange bekannt gewesen und ignoriert worden.  Der Gesamtbetriebsrat habe das Thema in den vergangenen 28 Monaten bei jedem Treffen mit dem Management auf die Tagesordnung gesetzt. Passiert sei nichts. "Sollte sich nun nichts ändern, bleibt uns nichts übrig, als über die Dienstplanregelungen noch stärkeren Druck aufzubauen. Dann wird es dazu kommen, dass die EVG-Betriebsräte die Zustimmung zu Dienstplänen, Verschiebungen von Urlauben oder Änderungen an der Planung für Freischichten verweigern", sagte Kirchner.

Pro Bahn: Verschwendung von Steuergeldern

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte die Aufgabenträger für den Regionalverkehr in Rheinland-Pfalz auf, der Bahn das Geld zu kürzen. Es könne nicht sein, dass die Bahn Steuergelder für schlechte Leistungen erhalte, sagte der Pro-Bahn-Landesvorsitzende Sebastian Knopf in Worms. Wettbewerber der Bahn, die den Mainzer Hauptbahnhof nicht anfahren könnten, sollten die Deutsche Bahn in Regress nehmen.

Die Bahn hatte am Vortag mitgeteilt, den Fahrplan für die Region um Mainz wegen akuten Personalmangels aufgrund von Krankmeldungen in der Urlaubszeit deutlich reduziert zu haben. Die Auswirkungen werden demnach Bahnkunden im gesamten Umland sowie Reisende auf einzelnen Fernverkehrsstrecken zu spüren bekommen.

Bereits seit dem vergangenen Wochenende fallen regelmäßig Züge am Hauptbahnhof in Mainz aus, der Regionalverkehr läuft abends und nachts nur eingeschränkt. Vom Fernverkehr ist der Hauptbahnhof in dieser Zeit komplett abgeschnitten. Vom 12. August an sollen nun auch wochentags zu den Hauptverkehrszeiten viele Züge im 

"Nach unseren Schätzungen fehlen bundesweit gut 1000 Mitarbeiter im Bereich der Fahrdienstleiter. So viele zusätzliche Mitarbeiter wären nötig, um die aufgelaufenen rund eine Million Überstunden der Kollegen abzubauen", sagte Kirchner der "Welt". Das wies ein Bahnmanager in der Zeitung allerdings zurück: "Man kann doch noch nicht allein für mögliche Ausnahmefälle einfach so jede Menge Mitarbeiter in Reserve halten." Der Manager betonte, die Bahn habe das Problem erkannt und arbeite an einer Lösung.

Quelle: n-tv.de

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