Extrem wertvolle MitarbeiterCoba verteidigt Boni-Praxis
Bei der Commerzbank sind solide Gewinne offenbar nur mit großzügigen Gehaltszulagen möglich. So zumindest soll Bank-Chef Blessing in einem Brief an einen Unionspolitiker argumentiert haben, um damit für die Beibehaltung der bisherigen Vergütungspraxis zu werben.
Commerzbank-Chef Martin Blessing legt sich für seine
bestbezahlten Mitarbeiter mit einem wichtigen Großaktionär, der Bundesrepublik Deutschland, an. Das zweitgrößte Geldhaus des Landes, den der Staat
in der Finanzkrise mit 18,2 Mrd. Euro beigesprungen war, wehrt sich gegen
Pläne, die Jahresgehälter aller Beschäftigten in staatlich gestützten Instituten
auf 500.000 Euro zu begrenzen und Boni zu verbieten. Die Obergrenze gilt bisher
nur für die Vorstände.
"Die schnelle Rückkehr der Commerzbank in die Gewinnzone zeigt, dass unsere
Entscheidung, ausgewählten Mitarbeitern mehr als 500.000 Euro zu zahlen, richtig
war", schrieb Blessing in einem Brief an CDU/CSU-Fraktionschef .
Das "Handelsblatt" hatte Details aus dem Schreiben veröffentlicht. In Finanzkreisen wurde
die Existenz des Schreibens bestätigt. Die Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern.
Gezielte Indiskretion?
"Die Fraktion und ich lassen uns durch nichts unter Druck setzen", sagte
Kauder der Zeitung. Die Diskussion um Gehälter und Sonderzahlungen war vor kurzem
neu entbrannt, als bekannt wurde, dass allein 35 Commerzbank-Mitarbeiter mehr verdienen
als der Vorstand. In allen staatlich gestützten Instituten zusammen sind es einem
"Spiegel"-Bericht zufolge 68.
Die Bundesregierung will nun variable Boni
kappen und prüft die Möglichkeit, darüber hinaus eine Gehaltsobergrenze für die
Banker einzuführen. "Wir wollen, dass alle Institute, die eine Eigenkapitalhilfe
vom Staat bekommen haben, keinerlei Boni und Sonderprämien mehr zahlen", sagte
Kauder.
Extrem wertvolle Mitarbeiter
Die Commerzbank hatte für die Verlustjahre 2008 und 2009 nach eigenen Angaben alle
Boni gestrichen. Allerdings hatte sie "Sonderprämien" für Mitarbeiter
gezahlt, die besonders wichtig waren oder wegen der Fusion mit der Dresdner Bank
besondere Aufgaben zu bewältigen hatten. Mit Zustimmung der Regierung und des Bankenrettungsfonds
SoFFin hatte sie Ende 2009 bereits ein neues Vergütungssystem entworfen, um den
neuen internationalen Vorgaben Rechnung zu tragen, mit denen falsche Anreize für
kurzfristig erfolgreiche, aber riskante Geschäfte verhindert werden sollen.
Die Commerzbank-Vorstände sollen so lange nur 500.000 Euro im Jahr verdienen dürfen,
wie die Bank Verluste schreibt und die Zinsen für die Stille Einlage des Staates
nicht zahlt. Ob sie in diesem Jahr schon - nach dem in Deutschland maßgeblichen HGB-Standard -
in die schwarzen Zahlen zurückkehrt, ist ungewiss. Danach wären auch wieder Millionengehälter
möglich. Bei der Abstimmung darüber in der Hauptversammlung hatten sich die Vertreter
des Bundes, der mit 25 Prozent an der Bank beteiligt ist, demonstrativ der Stimme enthalten.