Wirtschaft

Extrem wertvolle MitarbeiterCoba verteidigt Boni-Praxis

14.10.2010, 16:53 Uhr

Bei der Commerzbank sind solide Gewinne offenbar nur mit großzügigen Gehaltszulagen möglich. So zumindest soll Bank-Chef Blessing in einem Brief an einen Unionspolitiker argumentiert haben, um damit für die Beibehaltung der bisherigen Vergütungspraxis zu werben.

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Coba-Zentrale in Frankfurt: Hinter dieser Fassade verdienen angeblich 25 Mitarbeiter mehr als der Chef. (Foto: REUTERS)

Commerzbank-Chef Martin Blessing legt sich für seine

bestbezahlten Mitarbeiter mit einem wichtigen Großaktionär, der Bundesrepublik Deutschland, an. Das zweitgrößte Geldhaus des Landes, den der Staat

in der Finanzkrise mit 18,2 Mrd. Euro beigesprungen war, wehrt sich gegen

Pläne, die Jahresgehälter aller Beschäftigten in staatlich gestützten Instituten

auf 500.000 Euro zu begrenzen und Boni zu verbieten. Die Obergrenze gilt bisher

nur für die Vorstände.

"Die schnelle Rückkehr der Commerzbank in die Gewinnzone zeigt, dass unsere

Entscheidung, ausgewählten Mitarbeitern mehr als 500.000 Euro zu zahlen, richtig

war", schrieb Blessing in einem Brief an CDU/CSU-Fraktionschef .

Das "Handelsblatt" hatte Details aus dem Schreiben veröffentlicht. In Finanzkreisen wurde

die Existenz des Schreibens bestätigt. Die Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern.

Gezielte Indiskretion?

"Die Fraktion und ich lassen uns durch nichts unter Druck setzen", sagte

Kauder der Zeitung. Die Diskussion um Gehälter und Sonderzahlungen war vor kurzem

neu entbrannt, als bekannt wurde, dass allein 35 Commerzbank-Mitarbeiter mehr verdienen

als der Vorstand. In allen staatlich gestützten Instituten zusammen sind es einem

"Spiegel"-Bericht zufolge 68.

Die Bundesregierung will nun variable Boni

kappen und prüft die Möglichkeit, darüber hinaus eine Gehaltsobergrenze für die

Banker einzuführen. "Wir wollen, dass alle Institute, die eine Eigenkapitalhilfe

vom Staat bekommen haben, keinerlei Boni und Sonderprämien mehr zahlen", sagte

Kauder.

Extrem wertvolle Mitarbeiter

Die Commerzbank hatte für die Verlustjahre 2008 und 2009 nach eigenen Angaben alle

Boni gestrichen. Allerdings hatte sie "Sonderprämien" für Mitarbeiter

gezahlt, die besonders wichtig waren oder wegen der Fusion mit der Dresdner Bank

besondere Aufgaben zu bewältigen hatten. Mit Zustimmung der Regierung und des Bankenrettungsfonds

SoFFin hatte sie Ende 2009 bereits ein neues Vergütungssystem entworfen, um den

neuen internationalen Vorgaben Rechnung zu tragen, mit denen falsche Anreize für

kurzfristig erfolgreiche, aber riskante Geschäfte verhindert werden sollen.

Die Commerzbank-Vorstände sollen so lange nur 500.000 Euro im Jahr verdienen dürfen,

wie die Bank Verluste schreibt und die Zinsen für die Stille Einlage des Staates

nicht zahlt. Ob sie in diesem Jahr schon - nach dem in Deutschland maßgeblichen HGB-Standard -

in die schwarzen Zahlen zurückkehrt, ist ungewiss. Danach wären auch wieder Millionengehälter

möglich. Bei der Abstimmung darüber in der Hauptversammlung hatten sich die Vertreter

des Bundes, der mit 25 Prozent an der Bank beteiligt ist, demonstrativ der Stimme enthalten.

Quelle: rts