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Keine Dividende trotz Gewinnsprung: Commerzbank übertrifft alle Erwartungen

Der Umbau im Privatkundengeschäft macht sich bezahlt: 2014 steigert die Commerzbank erneut ihr Ergebnis und übertrifft alle Prognosen. Den Aktionären bringt der Gewinnsprung zunächst jedoch nichts: Statt einer Dividende hat das Institut andere Pläne.

Die Commerzbank hat das vergangene Jahr wie erwartet mit einem kräftigen Gewinnsprung abgeschlossen. Dennoch müssen die Aktionäre des teilverstaatlichen Dax-Konzerns weiter auf die erste Dividende seit der Finanzkrise warten. Es sei beabsichtigt, den Überschuss vollständig in die Gewinnrücklage einzustellen, teilte die Bank mit. Das soll die Kapitalpuffer angesichts schärferer Regeln weiter stärken.

Zuletzt gab es bei der Commerzbank für das Geschäftsjahr 2007 eine Gewinnausschüttung an die Aktionäre. 2014 kam Deutschlands Nummer zwei auf ihrem Weg in profitablere Zeiten gut voran. Dank einer deutlich niedrigen Vorsorge für mögliche Kreditausfälle stieg das operative Ergebnis auf Jahressicht um 40 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro. Der Überschuss kletterte von 81 Millionen auf 602 Millionen Euro. Damit schnitt die Bank etwas besser ab als von Analysten erwartet.

Die Kernkapitalquote gemessen an sämtlichen schärferen Vorgaben erhöhte sich auf 9,5 (9,0) Prozent. "In einem herausfordernden Umfeld sind wir weiter gewachsen, haben mehr Kredite vergeben und Marktanteile gewonnen", bilanzierte Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Starkes viertes Quartal

Im vierten Quartal steigerte die Bank das Konzernergebnis von 64 Millionen auf 77 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Analysten hatten hier nur 36 Millionen Euro erwartet. Die Bank profitierte dabei von einer Steuerrückzahlung in Höhe von 67 Millionen Euro. Sie glich somit die Umbaukosten in Höhe von 61 Millionen Euro ohne großen Aufwand aus.

Die Risikovorsorge ging im Quartalsvergleich deutlich zurück: Im Vorjahreszeitraum betrug sie 451 Millionen Euro, im letzten Quartal des abgelaufenen Jahres waren es 308 Millionen Euro. Allerdings belasteten die Nettozuführungen zu Rechtsrückstellungen das sonstige Ergebnis. Es fiel auf minus 239 Millionen Euro, nach minus 87 Millionen Euro im Vorjahr.

Boom im Privatkundengeschäft

Besonders gut lief es in den Segmenten Privatkunden und Mittelstandsbank. Im Privatkundenbereich stieg das operative Ergebnis im Gesamtjahr um 87,5 Prozent auf 420 Millionen Euro. Dazu trugen 288.000 Nettoneukunden bei und ein Wachstum beim Zinsüberschuss.

In der Mittelstandsbank legte das operative Ergebnis um 9,6 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Hier profitierte die Bank von einer um 27,2 Prozent niedrigeren Risikovorsorge für Kreditausfälle. Das Kreditvolumen stieg um 8 Prozent.

Die Verwaltungsaufwendungen lagen in der Kernbank bei 6,6 Milliarden Euro und damit um 2,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Gesamtkonzern lagen sie bei 6,9 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 6,8 Milliarden Euro gewesen. Damit erreichte die Bank konzernweit ihr einziges quantitatives Ziel, das sie für 2014 ausgegeben hatte: Die Kosten nicht über 6,9 Milliarden Euro steigen zu lassen.

Ambitionierte Zielsetzungen

Auf der anderen Seite baute die Commerzbank weitere Altlasten ab. Die Bestände in der konzerneigenen "Bad Bank" konnten 2014 um weitere 32 Milliarden Euro beziehungsweise rund 28 Prozent verringert werden. In dem Abbauportfolio NCA (Non-Core Assets) sind Staatsanleihen, Schiffsfinanzierungen und gewerbliche Immobilienkredite gebündelt, die die Bank loswerden will.

Blessing stimmte auf ein anhaltend schwieriges Umfeld ein: "Die Finanzbranche wird auch 2015 vor großen Herausforderungen stehen." Die Ziele des Instituts bezeichnete er als "weiter ambitioniert". Die Bank wolle daher am Markt "noch stärker angreifen" und in der Kernbank - also ausgenommen dem Abbauportfolio - profitabel wachsen. Bis Ende 2016 will sie eine Million zusätzliche Kunden gewinnen und mit Privatkunden operativ mehr als 500 Millionen Euro verdienen. Die Verwaltungsaufwendungen sollen zudem stabil bei rund sieben Milliarden Euro gehalten werden.

Quelle: n-tv.de

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