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Der US-Investor Kawa übernimmt Teile des Conergy-Geschäfts.
Der US-Investor Kawa übernimmt Teile des Conergy-Geschäfts.(Foto: picture alliance / dpa)

Solar-Aktie schießt nach oben: Conergy steht vor Teilrettung

Die überschuldete Solarfirma Conergy findet einen Käufer. Der US-Investor Kawa Capital eilt dem Unternehmen zu Hilfe und will Teile des Geschäfts übernehmen. Für die Tochterunternehmen von Conergy sucht der Insolvenzverwalter weiterhin nach einer Lösung.

Positive Nachrichten für den zahlungsunfähigen Solarhersteller Conergy: Zwei Wochen nach der Insolvenzanmeldung kann das Unternehmen einen Käufer vorstellen. Der US-Finanzinvestor Kawa Capital will den Angaben zufolge wesentliche Vertriebsaktivitäten übernehmen. Die US-Amerikaner wollen demnach die Vertriebs- und Servicegesellschaften und die Markenrechte von Conergy aufkaufen.

Eine Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet, heißt es. Der Kaufvertrag soll in der zweiten Augusthälfte unterschrieben werden. Über die Höhe des Kaufpreises vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen. Die Märkte reagierten zunächst positiv auf die Teilrettung. Die Conergy-Aktie schoss nach Bekanntwerden der Übernahme um bis zu 16,3 Prozent auf 0,11 Euro nach oben.

Seit Monaten der Wunschkandidat

Bereits vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens hatte die Solarfirma auf eine Rettung durch Kawa gesetzt. "Kawa ist unser Wunschpartner", sagte Conergy-Chef Philip Comberg. "Wir haben bereits seit Monaten intensive Verhandlungen zum Einstieg bei Conergy geführt und waren uns über die Zukunftsstrategie für Conergy schon lange einig."

Auch der US-Investor blickt positiv in die Conergy-Zukunft. Die US-Amerikaner rechnen mit einem überdurchschnittlichen Wachstum der weltweiten Solarmärkte. "Conergy verfügt als Downstream-Unternehmen über eine einzigartige Aufstellung, um weltweit von diesem Wachstum zu profitieren", erklärte Kawa-Geschäftsführer Daniel Ades. "Wir sehen großes Potenzial, länderübergreifend Solarkraftwerke zu finanzieren und zu realisieren und so stabile Kapitalrückflüsse für unsere Fonds zu erwirtschaften."

Produktionstöchter suchen weiter

Nicht Bestandteil des Geschäfts sind die ebenfalls zahlungsunfähigen Produktionstöchter von Conergy. Trotzdem sieht die Geschäftsleitung des Gestellproduzenten Mounting Systems gute Chancen für die Zukunft ihrer 220 Mitarbeiter. "Wir haben ein sehr gut gefülltes Auftragsbuch", betonte Geschäftsführer Stefan Spork. "Es gibt interessierte Investoren, die einsteigen wollen. Erste Gespräche hat es mit dem Insolvenzverwalter gegeben." Er sei überzeugt, dass sich für das Unternehmen schnell eine Lösung finden werde.

Zu Beginn kommender Woche soll im Conergy-Werk in Frankfurt/Oder die Produktion wieder aufgenommen werden. Dann würden auch die ersten Module wieder an Kunden ausgeliefert. "Wir freuen uns sehr, dass wir heute dieses positive Signal an Mitarbeiter und Kunden senden können", erklärte Sven K. Starke, Geschäftsführer der "Conergy Solarmodule", einer weiteren Conergy-Produktionstochter. "Die Unterbrechung war notwendig, um kurzfristig diverse Rechtsbeziehungen zu klären."

Solar-Schwergewicht hatte sich verspekuliert

Seit dem 5. Juli steht die Produktion bei Conergy still. Zuvor hatte die Firma beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz beantragt. Nach monatelangen Verhandlungen konnten sich mehrere Banken nicht auf ein Konzept für einen Investoreneinstieg in die Solarfirma einigen. Im Gegenzug hätten die Kreditgeber auf einen Teil der Schulden verzichten müssen. Hinzu kam die Zahlungsunfähigkeit zweier Tochtergesellschaften durch unerwartete Verzögerungen bei einem Großprojekt.

Conergy galt lange als Schwergewicht unter den deutschen Solarkonzernen. In ihren Glanzzeiten erreichte das Unternehmen einen Börsenwert von über 2 Mrd. Euro. Heute wird der Firmenwert nur noch auf einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Schuld daran war nach Ansicht von Experten der 2007 eingeleitete, waghalsige Expansionskurs in die eigene Wafer- und Zellproduktion. Seitdem schreibt das Unternehmen trotz Sparmaßnahmen nachhaltig Verluste. Im vergangenen Jahr lagen die Finanzschulden bei rund 136 Mio. Euro.

Schwierige Zukunft des Solarmarktes

Doch Börsianer zweifeln: Auch nach dem Einstieg von Kawa Capital wird es für Conergy in Zukunft schwer. Drohende Strafzölle auf Solarimporte in die EU machen den Kauf von Fertigungskapazitäten zwar attraktiv, andererseits schrumpft der Markt hierzulande. Die einstige deutsche Vormachtsstellung ist dahin: Mittlerweile hat sich der weltweite Solarmarkt auf 60 Fertigungsländer zersplittert.

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Quelle: n-tv.de

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