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Deutsche-Bank-Chef warnt die EZB: Cryan kritisiert Draghi-Kurs

An den Aktienmärkten klettern die Kurse, die Anleger rechnen mit weiteren geld- und zinspolitischen Maßnahmen der Noten- und Zentralbanken. Jüngste Aussagen von EZB-Chef Draghi stützen die Hoffnungen. Der Deutschen Bank stößt das sauer auf.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan warnt die Europäische Zentralbank (EZB) vor einer weiteren Senkung ihres Zinses auf Bankeinlagen. "Wenn die Zinsen negativer werden, dann werden die Verluste auf der rechten Seite der Bilanz größer", sagt Cryan in Frankfurt. Das bedeute, dass Banken höhere Zinsen für Kredite fordern müssten und dann werde die Kreditvergabe sinken. Das aber wäre das Gegenteil von dem, was die Zentralbank eigentlich erreichen wolle. Banken könnten nicht länger die Kosten absorbieren, die durch die Hereinnahme von Einlagen entstünden. "Wir hoffen, dass das klar ist."

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Der Deutsche-Bank-Chef sagte außerdem, die größte Angst an den Finanzmärkten sei gegenwärtig die, dass die Geldpolitik entweder nicht mehr stark genug sei, die seit acht Jahren verfolgte Politik fortzuführen, oder dass diese Politik gescheitert sei.

Draghi steht Gewehr bei Fuß

EZB-Chef Mario Draghi kündigte indes an, dass die Zentralbank ihre Stimulierungsmaßnahmen für die Eurozone in der kommenden Woche vor dem Hintergrund erhöhter wirtschaftlicher Risiken und einer schwächer als erwarteten Inflation überprüfen werde. Das schrieb Draghi in einem Brief an europäische Abgeordnete und unterstrich damit die Bereitschaft der Zentralbank, wenn nötig all ihre Instrumente zu nutzen, damit die Preise in der Eurozone wieder steigen.

Der auf den 1. März datierte Brief wurde vor der nächsten Sitzung des EZB-Rates am 9. und 10. März verschickt, bei dem die EZB ihr 1,5 Billionen Euro schweres Maßnahmenpaket neu bewerten will.

Diese Überprüfung müsse "vor dem Hintergrund erhöhter Abwärtsrisiken für den früheren Ausblick gesehen werden, angesichts erhöhter Unsicherheit über die Wachstumsaussichten der Volkswirtschaften in den Schwellenmärkten, Volatilität in den Finanz- und Rohstoffmärkten und geopolitischen Risiken", schrieb Draghi.  "In diesem Umfeld bleibt die Inflationsdynamiken der Eurozone schwächer als erwartet", hieß es weiter.

Inflationsziel weit entfernt

Wenn sich die EZB entscheidet, zu handeln, habe sie "eine Vielzahl an Instrumenten zur Verfügung", sagte Draghi. Es gebe "keine Begrenzung dafür, wie weit wir bereit sind, unsere Instrumenten innerhalb unseres Mandats einzusetzen, um unser Ziel zu erreichen".

Die Eurozone rutschte im Februar zurück in die Deflation, wie aus von der EU-Statistikbehörde am Montag veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Damit ist die EZB noch weiter von ihrem Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent entfernt.

Quelle: n-tv.de

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