Wirtschaft
Ist das Abenteuer Wirtschaft damit für Roland Koch beendet?
Ist das Abenteuer Wirtschaft damit für Roland Koch beendet?(Foto: picture alliance / dpa)

Bilfinger will alten Führungsstil: Das böse Erwachen von Roland Koch

Von Diana Dittmer

Was bleibt vom Manager Roland Koch? Vor allem, dass er beim Baukonzern Bilfinger Berger den Zweitnamen "Berger" über Bord geworfen hat - jetzt geht er selbst. Ausgerechnet sein Vorgänger wird sein Nachfolger. Anlass zur Häme gibt es nicht.

Roland Koch hat viel Kritik geerntet, als er vor gut drei Jahren aus der Politik in die Wirtschaft wechselte. Aber auch viele Vorschusslorbeeren bekommen. Warum sollte ein Mann, der ein Land wie Hessen regiert hat, nicht auch an der Spitze eines Unternehmens eine gute Figur machen? Offenbar hat der Seiteneinsteiger die Erwartungen aber nicht erfüllen können.

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Nach gut drei Jahren und zwei Gewinnwarnungen innerhalb weniger Wochen beendet er seine Managerkarriere bei Bilfinger. Die Idee, Koch in die Wirtschaft zu holen, mag gut gewesen sein. Nach Ansicht vieler Beobachter brachte er die richtigen Voraussetzungen mit: Der CDU-Mann gilt als durchsetzungsstark, flexibel und intelligent. Aber die Umsetzung seiner ambitionierten Vorhaben ließ zu wünschen übrig.

Nicht alles daran ist ihm anzulasten. Tatsache ist, er trat vor drei Jahren ein schweres Erbe an. Die Integration des Unternehmens unter ein Dach sei eine große Herausforderung gewesen, sagt Marc Gabriel, Analyst vom Bankhaus Lampe: "Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn er nicht mit zu hohen Zielen angetreten wäre." Zuletzt habe es dafür viel Gegenwind gegeben. Koch habe viele unpopuläre Entscheidungen treffen müssen, die zum Teil auch zulasten der Mitarbeiter gingen.

Sein Nachfolger - zumindest interimsmäßig - wird Herbert Bodner, der auch sein Vorgänger war. Deutlicher könnte Bilfinger nicht ausdrücken, dass der Konzern den Anschluss an alte, ruhigere Zeiten sucht. Was Koch jedoch in seiner Amtszeit gemacht hat, war nicht seine Erfindung. Der studierte Wirtschaftsjurist setzte mehr oder weniger nur das energisch fort, was Bodner begonnen hatte: den Umbau vom klassischen Baukonzern zum Industriedienstleister.

Der fatale Doppelfehler

Zuletzt sorgte Bilfinger allerdings mit gravierenden Fehleinschätzungen für Schlagzeilen. Früher hatte sich das Traditionsunternehmen mit verlässlichen Prognosen hervorgetan. Koch tappte gleich zweimal, kurz hintereinander, in die Falle, in die bereits viele Konzernlenker vor ihm getappt sind. Er deckte Probleme - in seinem Fall im Geschäftsfeld Power, also im Kraftwerksservice - viel zu spät auf. Noch auf der Hauptversammlung hatte Koch die Aktionäre mit einer gleichbleibenden Dividende beruhigt. Wenig später kassierte er jedoch die Gewinnziele. Die Schuld schob er auf alles, was mit Energie zu tun hat. Als seien die Umwälzungen der Energiewende über Nacht gekommen.

Welchen Vertrauensvorschuss er genoss, ließ sich daran ablesen, dass die Gewinnwarnung die meisten Investoren völlig unvorbereitet traf. Die Folge: Der Kurs brach mehr als 16 Prozent ein, der Wert des Unternehmens büßte über Nacht rund 600 Millionen Euro ein. Kochs Reaktion: "Wir sind nicht im freien Fall. Niemand muss sich Sorgen machen, dass die Dividende ausfällt oder wir unserer Akquisitionspläne nicht durchführen." Rückblickend ein fataler Fehler und Augenwischerei. Selbst die Gewerkschaften, die den Unternehmenskurs lange Zeit mitgetragen hatten, waren zu dem Zeitpunkt hellhörig geworden.

Die zweite Gewinnwarnung ließ die Aktie noch einmal 14 Prozent ins Minus rauschen. Der Unternehmenswert schrumpfte erneut um mehrere hundert Millionen Euro. Auch mit dieser zweiten Gewinnwarnung hatte offenbar niemand gerechnet. Die Schuld lastete Koch einem "erst jetzt" bekanntgewordenen Projektverlust in Südafrika an. Die Formulierung ist unmissverständlich - auch diese Baustelle wurde schlicht und einfach viel zu spät offengelegt.

Koch erkannte aber im Unterschied zu vielen anderen, was für einen einen schweren Vertrauensbruch er zu verantworten hatte. In seiner Konzernmitteilung räumte er ein: "Für ein unverändert erfolgreiches Unternehmen wie Bilfinger ist Berechenbarkeit am Kapitalmarkt ein wichtiges Gut. Durch zwei kurz aufeinanderfolgende Gewinnwarnungen, für die ich als Vorstandsvorsitzender einstehe, ist dieses Vertrauen erschüttert."

Kochs vielleicht größte Leistung ist am Ende die Umbenennung des Konzerns in Bilfinger. Der Zusatz Berger wurde als Zeichen der inneren Integration eingespart. Häme ist deshalb nicht angebracht. Denn Kochs Rücktritt ist immerhin konsequent. Andere Vorstandsvorsitzende kleben mehr an ihren Stühlen. Offenbar überwog im Fall Koch die Vernunft die Eitelkeit. Mit seinem Rücktritt übernimmt er - kurz und bündig - die Verantwortung. "Es gibt zahlreiche andere Beispiele für Politiker und Manager, die nicht so konsequent sind", sagt Analyst Gabriel.

Zurück zum alten Führungsstil

Bodner wird sich nun in Schadensbegrenzung üben. Der Konzern müsse das Jahr 2014 abhaken, sich wieder neu formieren und den alten Stil ins Unternehmen reinbringen, sagt Analyst Gabriel. Außerdem müsse die Verlässlichkeit gegenüber dem Kapitalmarkt wieder hergestellt werden. Der alte und neue Vorstandschef genieße den Vorteil, dass er bei den Mitarbeitern als der Vater der Transformation vom Baukonzern zum Dienstleister hoch angesehen sei. Dementsprechend werde er auch mehr Unterstützung aus dem Konzern bekommen als Koch es am Ende gehabt habe.

Und Koch? Er hat einen entscheidenden Vorteil, denn er hat damals politisch unbeschadet die Seiten gewechselt. Der Weg zurück steht ihm damit zumindest offen. Die CDU soll sich nach ihm bereits die Finger lecken - und das nicht nur aus Mangel an Wirtschaftsexperten.   

Die Rolle rückwärts dürfte Koch nichts ausmachen, auch wenn er die Rückkehr in die Politik 2011 kategorisch ausgeschlossen hat. Denn er räumte damals auch ein, dass er keinen Unterschied zwischen Politik und Wirtschaft kenne - "entscheidend sind die Führungsqualitäten". Eins dürfte aber feststehen. Einen vergleichbaren Wechsel von der Regierungsbank an die Spitze eines großen deutschen Konzerns wird es so schnell nicht wieder geben.

Quelle: n-tv.de

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