Wirtschaft
Kupfger hat sich in den vergangenen Wochen kräftig verbilligt.
Kupfger hat sich in den vergangenen Wochen kräftig verbilligt.(Foto: REUTERS)

Dramatische Rohstoffbaisse: Das kupferfarbene Warnsignal leuchtet

Von Egmond Haidt

Der Kupferpreis ist auf ein Sechsjahrestief eingebrochen. Da der Rohstoffkurs als Indikator für die Weltwirtschaft gilt, steigen die Sorgen um die Konjunktur. Geht die Talfahrt des Kupferpreises weiter?

Die Terroranschläge in Paris konnten den Aktienmärkten in Europa und den USA nur wenig anhaben. Genauso robust zeigt sich der Dax noch gegenüber dem sinkenden Kupferpreis: Da die Konjunktur in China schwächelt, sinkt die Nachfrage nach dem Industriemetall massiv -  fast die Hälfte des Kupfers weltweit ging vorher nach China. Der Preis von "Dr. Copper" wie das Metall auch genannt wird, ist auf Talfahrt.

Das könnte anhalten, wie Codelco, der weltgrößte Kupferproduzent, zeigt. Gerüchten zufolge hat der Konzern seinen üblichen Preisaufschlag für Verkäufe nach China für das nächste Jahr um 26 Prozent gesenkt. Das ist die stärkste Kürzung seit der 2008er-Schuldenkrise. Die Lieferanten berechnen ihren Kunden in China für eine termingerechte Lieferung einen Aufschlag gegenüber den Preisen an der London Metal Exchange, an der Industriemetalle gehandelt werden.

Stephen Huang, Vorstandschef des chinesischen Rohstoffhändlers Arc Resources prognostiziert, dass die Kupferimporte Chinas gemessen am Volumen im nächsten Jahr um zehn Prozent einbrechen werden. Dabei waren die Kupfereinfuhren bereits in den ersten drei Quartalen 2015 um knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Neben der schwachen Nachfrage sei dafür auch der Anstieg der Lagervorräte verantwortlich. Zudem werde das Metall weniger als Sicherheit bei der Vergabe von Krediten zum Einsatz kommen.

So wird mit Kupfer spekuliert

Ebenso wie etliche andere Industriemetalle ist Kupfer in den vergangenen Jahren immer mehr "finanzialisiert" worden, gerade in China. Das funktioniert mit dem sogenannten Carry Trade: Chinesische Investoren nehmen Kredite auf Dollar-Basis auf und investieren das Geld in Anlagen, die eine höhere Rendite versprechen, etwa chinesische Aktien oder Anleihen. Als Sicherheit bei der Kreditvergabe diente Kupfer. Das führte dazu, dass die Nachfrage nach Kupfer viel größer gewesen ist als der Rohstoff in der Realwirtschaft tatsächlich gebraucht wurde.

Das Spiel ging solange gut, wie der Renminbi gegenüber dem Dollar stieg. Da er nun allmählich gegenüber dem Dollar abwertet, läuft der Carry Trade in die andere Richtung und beschert den Spekulanten Währungsverluste. Laut den Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich dürfte sich der weltweite Carry Trade, bei dem nicht nur Kupfer, sondern Metalle insgesamt als Sicherheiten verwendet werden, auf bis zu zwei Billionen Dollar belaufen. Wenn die Spekulanten wegen der Währungsverluste den Carry Trade auflösen, werden die Kupferbestände verkauft. Das sorgt für zusätzlichen Druck auf den Kupferpreis.

Aktienmarkt hoffen auf Draghi

Die Talfahrt des Kupferpreises könnte in diesem Umfeld weitergehen. Hinzu kommt, dass keinerlei Belebung der chinesischen Konjunktur in Sicht ist, um die Nachfrage wieder anzukurbeln. So hat sich das Wachstum der dortigen Industrieproduktion im Oktober auf nur mehr 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verlangsamt. Das ist das niedrigste Plus seit der 2008er-Schuldenkrise. Diese Schwäche der chinesischen Wirtschaft belastet aber zusehends andere Länder aus den Emerging Markets sowie exportstarke Volkswirtschaften wie etwa Deutschland, deren Exporte nach China kräftig im Rückwärtsgang sind. Entsprechend schwächt sich das Wachstum der Weltwirtschaft immer weiter ab. Das rötliche Metall sendet damit dunkelrote Warnsignale über den Zustand der Weltwirtschaft aus. Bleibt die Frage, wie lange sich die Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks von den schwachen Konjunkturdaten abkoppeln können. Gerade der Aktienmarkt in Europa hängt immer mehr von der Aussicht ab, dass die EZB bei der Sitzung am 3. Dezember die ohnehin sehr lockere Geldpolitik noch weiter lockert.

Quelle: n-tv.de

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