Wirtschaft

"Das Schlimmste ist überstanden"Davos betet Eurozone gesund

29.01.2011, 15:11 Uhr

In der europäischen Schuldenkrise stehen die Zeichen auf Entspannung. Führende Politiker und Banker erklären auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die schlimmste Phase der Eurozone für beendet. Derweil geht das Ringen um die künftige Gestaltung des Euro-Rettungsfonds munter weiter.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will Gläubiger klammer Euro-Staaten durch eine verlängerte Laufzeit von Anleihen mit ins Boot holen. (Foto: dpa)

Bundesfinanzminister Wolfgang

Schäuble erwartet derzeit keine neuen Schocks für den Euro. "Der Euro wird

stabil sein. Wir sind bereit und können die Stabilität des Euro verteidigen",

sagte Schäuble auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. "Das ist schwierig, und

wir haben viel zu diskutieren", fügte er hinzu.

Grundsätzlich stehe die

Eurozone im Weltvergleich nicht schlecht dar. Um die Wettbewerbsfähigkeit in dieser

Zone zu verbessern, seien aber auch Harmonisierungen der Wirtschafts- und Sozialpolitiken

notwendig: "Bei der Wettbewerbsfähigkeit liegen wir etwas zurück", räumte

der Minister ein.

Auch führende Vertreter der Finanzindustrie sehen den Euro in einer vergleichsweise stabilen Lage. Die Frage, ob der Euro Bestand

haben werde, stelle sich nicht mehr, erklärte etwa der Chef der britischen Bank

Barclays, Bob Diamond. Zuvor hatten schon Frankreichs

Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre volle Unterstützung

für den Fortbestand der europäischen Gemeinschaftswährung bekundet.

Scheitern nicht gestattet

In Davos, wo

am Sonntag das Treffen von 2500 Spitzenvertretern aus Politik und Wirtschaft zu

Ende geht, zeichne sich ein gewisser Wandel in der Eurofrage ab, hieß es unter Teilnehmern:

Es gebe jetzt ein "auffälliges Vertrauen", dass die politischen Willensbekundungen

gewährleisten können, dass das Euro-System überleben werde, sagte etwa der Chefkommentator

der "Financial Times", Martin Wolf in Davos. "Der Euro hat eine politische

Struktur - nun gibt es den Willen der politischen Führung", fügte Wolf hinzu.

In diese Zusammenhang wies

die französische Finanzministerin Christine Lagarde Vermutungen zurück, die schlechte

Lage um den Euro habe sich von "akut in chronisch" gewandelt. "Wir

haben die Wende geschafft", hielt die Ministerin dagegen. Nach der Krise im

vergangenen Jahr seien die Rettungspakete sowie der Stabilitäts- und Wachstumspakt

geschnürt worden. "Jetzt verfestigt sich die Lage", sagte Lagarde. Nach

dem Entschluss, den Euro einzuführen, müsse man nun etwas weiter gehen, wie etwa

wirksame Sanktionen einführen und "wirklich Disziplin" ausüben. "Wir

haben aus unseren Fehlern gelernt, wir haben von der Krise gelernt", betonte

die Ministerin.

Laut dem britischen Finanzminister

George Osborne hat Großbritannien "ein riesiges Interesse daran, dass die Eurozone

gut arbeitet". Deswegen müssten die Stabilitätsmechanismen ausgebaut werden.

Die Staaten der Eurozone müssten ihre Hausaufgaben machen, sie hätten aber unterschiedliche

Probleme, die mit unterschiedlichen Mitteln gelöst werden müssten. "Insgesamt

müssen wir mehr für die Wettbewerbsfähigkeit Europas tun", fügte er hinzu.

"Der gemeinsame Markt muss endlich verwirklicht werden."

Koalitionäre gegen Aufstockung

Abseits grundsätzlicher Bekundungen geht auch das Ringen um die konkrete Ausgestaltung etwa des Euro-Rettungsfonds weiter. So warnen Schäuble und die FDP-Fraktionsvorsitzende Burgit Homburger unisono davor, in der Debatte um den Euro-Rettungsschirm

nach immer neuem Geld zu rufen. "Wer die Debatte auf diese Frage konzentriert,

verhindert, dass wir zu einer tragfähigen Gesamtlösung kommen", sagte Schäuble

der "Wirtschaftswoche". Die EU-Kommission und einige EU-Partner

hatten eine Aufstockung des Schirms verlangt, der bislang 750 Mrd. Euro zur

Rettung von überschuldeten Euro-Staaten wie Irland enthält. Damit soll sichergestellt

werden, dass im Notfall auch weiteren Staaten wie Portugal oder Spanien unter die

Arme gegriffen werden kann. "Wir wollen das Zukleistern der Probleme in

Europa mit dem schlichten Ruf nach Geld und noch mehr Geld verhindern", äußerte

sich Homburger.

Schäuble bestätigte

derweil Pläne, Gläubiger des hochverschuldeten Griechenlands an einer Entlastung des Euro-Staates

zu beteiligen. "Wir denken derzeit darüber nach, ob wir die Laufzeiten der

Kredite verlängern sollten", sagte er. Eine Umschuldung lehnte der CDU-Politiker

ab. Griechenland sei auf einem guten Weg und könne seinen Schuldendienst schaffen,

betonte er.

Quelle: nne/dpa/rts