Wirtschaft
Die Käufer werden wohl auch in der nächsten Woche die Kurse treiben.
Die Käufer werden wohl auch in der nächsten Woche die Kurse treiben.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Rausch hält an: Dax hat noch nicht genug

Billiges Geld wird den Aktienmarkt auch in der kommenden Woche bei Laune halten. Dabei könnte der Leitindex mit einem Auge wieder auf sein bisheriges Jahreshoch schielen. Wie weit er sich vorwagt, entscheiden indes Konjunkturdaten aus China und den USA sowie der Auftritt des Fed-Chef Bernanke vor dem Kongress. Dies lässt sogar die Zahlenflut in den Hintergrund treten.

Am deutschen Aktienmarkt glauben die Börsianer auch nach dem besten Wochenergebnis seit eineinhalb Jahren nicht an ein Ende der Aufwärtstendenz. Grund ist das Bekenntnis von US-Notenbank und Europäischer Zentralbank (EZB) zu einer lockeren Geldpolitik. Einige Analysten sehen Dax und Dow Jones bereits in Richtung neuer Rekordhochs marschieren. Der deutsche Leitindex hatte auf Wochensicht 5,2 Prozent zugelegt. Mit zwischenzeitlich 8220 Punkten fehlen aber noch immer gut vier Prozent oder 350 Zähler zu einer neuen Bestmarke.

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Mit Spannung warten Anleger auf den halbjährlichen Auftritt des US- Notenbankchefs Ben Bernanke vor dem US-Kongress am Mittwoch und Donnerstag. "Dabei muss er einen verbalen Spagat wagen", sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. Auf der einen Seite wolle die Fed einen allzu starken Kursrückgang am Aktienmarkt verhindern, weil die Entwicklung an der Wall Street direkten Einfluss auf das US-Konsumverhalten habe. Die Notenbank habe aber auch kein Interesse, die Kurse weiter anzufeuern. "Er wird sicher auf die Euphorie-Bremse treten." Bernanke hatte Mittwochabend betont, dass die von einigen Anlegern bereits für September erwartete Straffung der geldpolitischen Zügel alles andere als ausgemacht sei.

Euro dürfte weiter nachgeben

Die durch diese Aussagen zugleich ausgelöste Talfahrt des Dollar ist nach Einschätzung der Analysten der Landesbank Berlin (LBB) jedoch nur vorübergehend. Sie prognostizieren einen Rückgang des Euro auf 1,26 Dollar von derzeit gut 1,30 Dollar. Und mit dieser Sicht sind sie nicht allein. Schließlich werde die Fed von einer Drosselung ihrer Wertpapierkäufe, mit denen sie aktuell monatlich etwa 85 Milliarden Dollar in die Finanzmärkte pumpt, nur dann längerfristig absehen, wenn die US-Konjunktur einbricht.

Danach sieht es aber nicht aus. "Die US-Wirtschaft profitiert von weiterhin recht soliden Zuwächsen des privaten Konsums und des Wohnungsbaus", sagte Commerzbank-Analyst Christoph Balz. "Dies dürfte die Hauptbotschaft der nächste Woche anstehenden US-Daten sein."

Den Anfang machen die Einzelhandelsumsätze am Montag. Hier rechnen Experten nach einem Plus von 0,6 Prozent im Vormonat nun mit einem Anstieg 0,8 Prozent. Bei den am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Zahlen zu den Baugenehmigungen und Wohnbaubeginnen wird ebenfalls mit einem Zuwachs gerechnet.

Alles blickt auf Chinas Wachstum

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Auf der anderen Seite jedoch trüben sich die Aussichten in China ein. Analysten sagen für das zweite Quartal eine Verlangsamung des Wachstums auf 7,5 Prozent im Jahresvergleich voraus, nach einem Plus 7,7 Prozent im ersten Quartal. Commerzbank-Experte Balz rechnet sogar nur mit 7,2 Prozent. "Eine steigende Verschuldung, zunehmende Sorgen wegen der extremen Luftverschmutzung und die wegen höherer Löhne sinkende Profitabilität der Industrie bremsen das Wachstum." Die Zahlen stehen am Montag auf der Agenda.

Die Regierung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft stimmt Anleger bereits darauf ein, dass sie ein geringeres Wachstum tolerieren wird und dämpft damit Hoffnungen auf neue Konjunkturprogramme. Allerdings ruderte sie später doch wieder zurück: Demnach werde die Wirtschaft wie geplant um 7,5 Prozent im Gesamtjahr wachsen, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Beobachter werten dies jedoch eher als Zeichen der Nervosität der Führung.

Konjunkturdaten bewegen die Kurse

Dem Euroraum hingegen stehe hinsichtlich neuer Konjunkturdaten eine ruhige Woche bevor, schreiben die Postbank-Analysten. Das größte Interesse dürfte noch der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland am Dienstag auf sich ziehen. Die Experten rechnen mit einem leichten Rückgang des Indikators.

In den USA gewinnt die Bilanzsaison an Fahrt. Nord-LB-Experte Basse betrachtet die Zahlen aber prinzipiell als eher zweitrangig. "Große Kursbewegungen werden derzeit von Konjunkturdaten und Geldpolitikern gemacht." Dann stehen unter anderem die Finanzbranche und der Technologiesektors im Rampenlicht. Am Donnerstag läutet SAP die deutsche Bilanzsaison ein.

Quelle: n-tv.de

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