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Debeka-Chef Uwe Laue verantwortete im fraglichen Zeitraum den Vertrieb.
Debeka-Chef Uwe Laue verantwortete im fraglichen Zeitraum den Vertrieb.(Foto: picture alliance / dpa)

Bestechungsskandel bei Versicherer: Debeka steckt in Datenkauf-Affäre

Deutschlands führender Privat-Krankenversicherer wirbt über Jahre mit unlauteren Mitteln um Kunden. Dazu kaufen Mitarbeiter offenbar bei Behörden Adressen. Das Augenmerk gilt den finanzstarken angehenden Beamten.

Die Debeka Versicherung hat sich über Jahre im Wettbewerb mit Konkurrenten einen unerlaubten Vorteil verschafft. Das Unternehmen räumte ein, dass "in den 1980er und 1990er Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden". Laut "Handelsblatt" ging es dabei vornehmlich um Anschriften angehender Beamter.

Vorstandschef Uwe Laue sprach von Verfehlungen. "Auch der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik. Und in diese Selbstkritik schließe ich mich ausdrücklich mit ein", sagte er. Laue, der sein 40-jähriges Berufsleben bei der Debeka verbracht hat, war seit 1994 in führender Funktion im Vertrieb tätig. Am heutigen Freitag trat mit Beginn des neuen Monats ein neuer Verhaltenskodex bei der Assekuranz in Kraft. Die neuen Regeln seien notwendig, hieß es. Durch sie könne mögliches Fehlverhalten in der Zukunft sanktionieren werden.

Zeitung: Behörden-Mitarbeiter bestochen

Ein Debeka-Sprecher verneinte auf Anfrage der Zeitung jedoch, dass Laue damit zugebe, die Bestechung von Beamten geduldet zu haben. Es habe bei der Versicherung keine Sanktionen gegen diejenigen gegeben, die mit Adressen handelten. "Ein solches Fehlverhalten war aber von der Debeka zu keinem Zeitpunkt gewünscht, gefordert oder angewiesen", sagte der Sprecher.

Anders als die meisten Versicherer arbeitet die Debeka mit festangestellten Vertriebsmitarbeitern. Nach den Enthüllungen habe sie die 2010 erlassenen Verhaltensrichtlinien für ihre 17.000 Beschäftigten verschärft, teilte das Koblenzer Unternehmen nun mit. "Eine direkte Weisung lautet: Die Debeka toleriert keinerlei Form der Bestechung und Korruption." Wie die Versicherungsvertreter an die Adressen gekommen sind, ließ die Debeka offen. Die Krankenkasse selbst habe nie Adressen gekauft.

Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf ehemalige Beschäftige zudem, hohe Vertriebsmanager hätten Behörden-Mitarbeiter bestochen, um an Adressen von Staatsdienern zu kommen, die kurz vor der Verbeamtung standen. Das habe ihnen beim Verkauf privater Krankenversicherungen einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Die Krankenkasse selbst sprach von Adressenhändlern als Quelle: "Die Debeka lehnt Geschäfte mit Adressenhändlern schon immer ab."

Von den 2,2 Millionen Kunden der Krankenkasse sind 1,87 Millionen Beamte und deren Angehörige. Sie hat einen Marktanteil von 25 Prozent in der privaten Krankenversicherung und gilt als Nummer ein der Branche. Die Adressen hätten die Erfolgsquote im Vertrieb deutlich erhöht, berichtete die Zeitung. Woher sie kamen, sei streng geheim gewesen. "Jedem bei der Debeka war klar, dass dieser Adressenkauf illegal war", zitierte sie einen Vertreter.

Adressen "waren für uns wie Gold"

Wie die Zeitung weiter berichtete, bezeichneten mehrere ehemalige Mitarbeiter den Adressenkauf als gängige und vertraute Praxis. Einer von ihnen habe eidesstattlich erklärt, elf Jahre lang Beamtenadressen von seinem Vorgesetzten gekauft zu haben. "Ob das legal war oder nicht, habe ich nicht gefragt. Die Adressen kamen ja von meinem Chef. Die waren für uns wie Gold", hieß es.

Bei der 1905 Debeka als Krankenunterstützungskasse für die Gemeindebeamten der Rheinprovinz gegründete Versicherung waren Ende des vergangenen Jahres rund 6,7 Millionen Menschen versichert. 2012 wurden 12,8 Milliarden Euro an Einnahmen verbucht. Die Kapitalanlagen beliefen sich auf 78,2 Milliarden Euro.

Laue leitet er den Vorstand der Debeka seit elf Jahren und feierte vor kurzem sein 40. Dienstjubiläum. Im Juli wurde er Chef des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV).

Quelle: n-tv.de

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