Wirtschaft
Mario Draghi.
Mario Draghi.(Foto: REUTERS)

Inflation in der Eurozone bleibt schwach: Deflationssorgen wachsen

Der Preisauftrieb in der Eurozone geht überraschend stark zurück. Das dürfte die Furcht vor einer Deflationsspirale schüren und den Druck auf die Europäische Zentralbank erhöhen, ihre Geldpolitik weiter zu lockern.

Die Preise in der Eurozone steigen nur noch minimal und schüren damit Ängste vor einer Deflation. Die Inflationsrate in den 18 Staaten des Währungsraums fiel im März auf 0,5 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Wert von 0,6 Prozent gerechnet.

Die Inflation ist damit so niedrig wie zuletzt im November 2009, als die Weltwirtschaft in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg steckte. Insbesondere die zum Vorjahr um 2,1 Prozent gesunkenen Energiekosten dämpfen den Preisauftrieb. Dennoch dürfte die niedrige Inflation bei der Europäischen Zentralbank (EZB) vor der am Donnerstag anstehenden Zinssitzung die Sorgen verstärken. Im März kletterten die Preise hierzulande im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 1 Prozent und damit so gering wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. In Spanien fielen die Preise sogar.

Japan als abschreckendes Beispiel

Die Zentralbank strebt eine Jahresteuerung von knapp unter zwei Prozent an. An dieser Marke sieht sie Preisstabilität gewährleistet - auch um einen ausreichenden Sicherheitsabstand zur Deflation einzuhalten. Eine unmittelbare Gefahr sehen die Notenbanker nach eigener Aussage zwar nicht, doch sie wollen deflationäre Tendenzen gar nicht erst entstehen lassen.

Aus gutem Grund: In Japan kam Mitte der 1990er Jahre die Spirale in Gang, vor der man sich in Europa nun zunehmend fürchtet. Das Zutrauen der Japaner in mittelfristig stabile Preise wurde damals nachhaltig erschüttert. "Der Verbraucher hält sein Geld zusammen, gibt es nicht aus und wartet auf das nächste Jahr. Das wirkt auf Dauer nachfragemindernd und verstärkt die Deflationsspirale", sagt Ifo-Chef Hans Werner Sinn.

Für Firmen bedeuten fallende Preise, dass ihre Einnahmen sinken. Entlassungen oder gar Pleiten sind die Folge. Dazu kommt, dass Verbraucher und Unternehmen sich in einem deflationären Umfeld scheuen, Kredite aufzunehmen. Denn durch die Deflation werden Schulden real immer größer.

Deshalb achtet die EZB derzeit besonders auf den Preisauftrieb. Sollte sich der Inflationsausblick weiter verschlechtern, hält EZB-Präsident Mario Draghi eine weitere Lockerung der Geldpolitik für möglich. Beim Leitzins hat die Zentralbank allerdings kaum noch Spielraum, da dieser bereits auf einem Rekordtief von 0,25 Prozent liegt. Doch die Notenbank hat noch Pfeile im Köcher. Sie könnte mit dem Ankauf von Wertpapieren im großen Stil deflationären Gefahren begegnen.

Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass entsprechende Schritte bereits jetzt eingeleitet werden. Denn die konjunkturelle Erholung scheine sich zu verstärken, sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Die EZB muss nun abwägen zwischen der Stärke der Erholung und den Ängsten vor zu niedriger Inflation. Wir glauben, dass sie sich für die starke Erholung entscheidet und am Donnerstag still halten wird."

Doch ausgeschlossen ist eine weitere Lockerung der Geldpolitik nicht. "Die Währungshüter dürften wohl den Rückgang weiterhin als temporär erachten. Allerdings ist hierbei das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte Thomas Gitzel von der VP Bank. "Die schuldengeplagten Länder überraschen mit Preisrückgängen. Im Frankfurter Euro-Tower wird man wohl über kurz oder lang auf die deflationären Tendenzen in den Peripheriestaaten reagieren müssen."

Quelle: n-tv.de

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