Wirtschaft
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Gespräch mit Finanzinvestoren: Dell vor dem Rückzug

Dell leidet stark unter dem schwächelnden PC-Markt und der wachsenden Konkurrenz durch Smartphones und Tablets. An der Börse ist der einstige Weltmarktführer noch knapp 19 Milliarden Dollar wert. Nun will der Konzern offenbar die Reißleine ziehen - und sich selbst verkaufen.

Der schwächelnde PC-Hersteller Dell führt Kreisen zufolge mit Finanzinvestoren Gespräche über einen möglichen Unternehmensaufkauf. Die Beratungen würden mit Milliardär und Firmengründer Michael Dell geführt, der etwa 14 Prozent am Unternehmen besitzt, hieß aus Unternehmenskreisen.

Das "Wall Street Journal" meldete, dass sich TPG und Silver Lake für eine Offerte zusammentun könnten. JP Morgan sei ebenfalls an den Verhandlungen beteiligt. An der New Yorker Börse kamen die Nachrichten gut an. Die zuletzt arg gebeutelte Dell-Aktie schloss mit einem Plus von 13 Prozent und damit in der Nähe eines Acht-Monatshochs.

Nach Angaben des "Wall Street Journal" dauern die Gespräche seit zwei bis drei Monaten an. Eine Einigung sei in etwa sechs Wochen möglich. Dell wollte keine Stellung nehmen, nannte die Berichte Spekulation und Gerüchte. Ein Buyout der Firma, die einen Wert von rund 19 Milliarden Dollar hat, wäre eines der größten Geschäfte seit langem. Analyst Angelo Zino von S&P Capital IQ hält es deswegen für unwahrscheinlich, wenn man "die schiere Größe von Dell betrachtet und wo die Aktie derzeit gehandelt wird". Der Käufer würde enorme finanzielle Ressourcen benötigen.

Gewinn und Umsatz brechen ein

Die Probleme bei Dell haben sich eingestellt, nachdem Michael Dell 2004 die Geschäfte an Kevin Rollins abgab. Zwar kehrte er im Januar 2007 wieder an die Spitze der Firma zurück, konnte das Ruder aber auch nicht schnell umdrehen. Kontinuierlich verliert das 1984 gegründete Unternehmen Marktanteile an Hewlett Packard und Lenovo.

Vor allem die Verkäufe an Privatkunden hinken, da diese klassische PCs zunehmend mit Smartphones und Tablet-Computern ersetzen. Deswegen versucht sich Dell seit einiger Zeit neu zu erfinden - als Anbieter von hochmargigen Dienstleistungen und Computern für Unternehmenskunden. Dieser Wandel benötigt jedoch Zeit.

Dells Nettogewinn brach im dritten Quartal um fast die Hälfte auf 475 Millionen Dollar ein. Der Umsatz sackte um elf Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar ab, es hat sich ein Schuldenberg von rund 4,5 Milliarden Dollar angehäuft. Laut den Marktforschern von Gartner verlor die Firma zuletzt weitere zwei Prozentpunkte Marktanteil und kommt damit nur noch auf 10,2 Prozent. Nach Zahlen des Marktbeobachters IDC ist der PC-Absatz über Weihnachten erstmals seit mehr als fünf Jahren rückläufig gewesen - kein gutes Zeichen für die Branche und damit für Dell.

Quelle: n-tv.de

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