Wirtschaft
Jim und Alice Walton, Kinder des Wal-Mart-Gründers Sam Walton.
Jim und Alice Walton, Kinder des Wal-Mart-Gründers Sam Walton.(Foto: REUTERS)

Reichste Familie der Welt zahlt Mini-Löhne: Der Aldi-Clan aus Arkansas

Von Hannes Vogel

Wal-Mart ist der größte Arbeitgeber der Welt. Und wie die Aldi-Kette ein Familienbetrieb: Hinter dem Handelsriesen stehen die Waltons, die reichste Familie der Erde. Sie zahlt ihren Mitarbeitern Billiglöhne. Und spendet Milliarden.

Alles hat mit diesem kleinen Laden angefangen. 1962 war das, in Rogers, Arkansas, einem verschlafenen 5000-Seelen-Nest im mittleren Westen der USA, wo zwischen Farmen und Feldern das Herz der USA schlägt. Sam Walton und sein Bruder Bud sind zwei typische amerikanische Jungs aus dem Heartland. Sam ist Quarterback im Football-Team auf der Highschool und jagt gerne. Bud geht auf die Militärakademie. Sie wachsen in der Armut der großen Depression auf, melken auf der Ranch der Eltern Kühe, gehen freiwillig zur Armee.

Als der Zweite Weltkrieg vorbei ist, eröffnen Sam und Bud ein Haushaltswarengeschäft. Und haben eine revolutionäre Idee: Der Kunde soll König sein und sich selbst bedienen. Die Preise drücken die Walton-Brüder, indem sie direkt bei den Herstellern einkaufen. Als ihr Lizenzgeber dabei nicht mitziehen will, leihen sich Sam und Bud Geld und machen in Rogers ihren ersten eigenen Laden auf: Wal-Mart. Ihr Motto: "Wir verkaufen billiger".

Aus der kleinen Kette in Arkansas wurde die größte Firma in den USA, fast 500 Milliarden Dollar Umsatz, 17 Milliarden Dollar Gewinn. Am Donnerstag legt Wal-Mart seine neusten Zahlen vor. Inzwischen verkauft der Konzern alles, vom Steak bis zum Smartphone, vom Aktenordner bis zum Autoreifen, in riesigen Supercentern. Wal-Mart ist Made in America, die typisch US-amerikanische Firma. Und steht wie keine zweite für ein US-amerikanisches Problem: Die Kluft zwischen Arm und Reich.

Minilöhne in Sams Welt

Sam Waltons erstes Geschäft in Bentonville, Arkansas.
Sam Waltons erstes Geschäft in Bentonville, Arkansas.(Foto: REUTERS)

Der Shopping-Gigant ist längst zum größten Arbeitgeber der Welt geworden. Rund um den Globus beschäftigt der Konzern 2,2 Millionen Menschen in über 11.000 Läden. Allein 1,3 Millionen US-Amerikaner arbeiten für Wal-Mart in den USA, wo der Konzern mehr als 60 Prozent seines Umsatzes macht. In vielen Teilen des Landes setzt der Handelsriese die Löhne faktisch nahezu allein fest, weil kaum eine Firma mit seiner Marktmacht mithalten kann. Wal-Marts neuen Slogan - "Spare Geld. Lebe besser" - bekommen deshalb vor allem die Mitarbeiter zu spüren.

Mehr als die Hälfte der Angestellten in den USA verdient weniger als 25.000 Dollar im Jahr, hat der Chef des US-Geschäfts Bill Simon im September selbst zugegeben. Die offizielle Armutsgrenze liegt bei 23.500 Dollar. Der durchschnittliche Stundenlohn der Vollzeitangestellten beträgt 12,81 Dollar, sagt Wal-Mart. Darin sind laut "Forbes" aber auch die Millionengehälter des Managements eingerechnet. Und ein Großteil der Wal-Mart-Angestellten arbeitet in Teilzeit und auf kurzfristigen Zuruf.

Viele von ihnen haben sich zu der kritischen Organisation OUR Walmart zusammengeschlossen. Im November streikten laut OUR Walmart Zehntausende Angestellte in fast 1500 Läden im ganzen Land, um gegen die Arbeitsbedingungen zu protestieren. Ausgerechnet am Black Friday, dem Tag, an dem in den USA das wichtige Weihnachtsgeschäft beginnt.

Und noch etwas erregte die Öffentlichkeit: Zeitgleich mit den Protesten tauchte ein Foto aus einer Wal-Mart-Filiale in Ohio auf: Die Angestellten dort hatten offenbar für bedürftige Mitarbeiter gesammelt: "Bitte spenden Sie hier Lebensmittel, damit bedürftige Mitarbeiter ein Thanksgiving-Essen genießen können", ist auf einem Schild zu lesen. Das Bild geriet über OUR Walmart in Umlauf.

Eine Wal-Mart-Sprecherin nannte die Aktion "Teil der Firmenkultur, sich um Mitarbeiter in extremen Nöten zu kümmern". Sogar Ashton Kutcher prangerte das Bild auf Twitter an: "Wal-Mart, sind deine Profite so wichtig, dass du deinen Angestellten nicht genug zahlen kannst, damit sie über der Armutsgrenze liegen?"

Der reichste Clan der Erde

Rob Walton leitet seit dem Tod seines Vaters Sam den Wal-Mart-Verwaltungsrat.
Rob Walton leitet seit dem Tod seines Vaters Sam den Wal-Mart-Verwaltungsrat.(Foto: REUTERS)

Die Frage beschäftigt die USA. Denn Wal-Mart hat die Walton-Familie zu Milliardären gemacht. Ihre Vermögensstrategie ist der Wal-Mart-Discount, den die Mitarbeiter womöglich mit Hungerlöhnen erarbeiten müssen. Ihr Vermögen schwankt mit der Wal-Mart-Aktie, die 1970 an die Börse ging und in den vergangenen fünf Jahren rund 50 Prozent zugelegt hat. Allein seit dem Tod von Sam und Bud in den 90er Jahren hat sich der Wert der Firma sogar mehr als versechsfacht.

Der größte Konzern der Welt ist ein Familienbetrieb, wie die Aldi-Kette in Deutschland. Deren Gründer Theo und Karl Albrecht fingen nicht in Arkansas, sondern in Essen an, mit dem Tante-Emma-Laden ihrer Mutter. Auch der Walton-Dynastie gehört immer noch mehr als die Hälfte der Riesen-Firma, die Sam und Bud vor über 50 Jahren gründeten. Die Waltons sind heute laut dem US-Magazin Forbes der reichste Clan der Welt: Er besitzt unglaubliche 145 Milliarden Dollar - annähernd so viel wie die gesamte Wirtschaftsleistung Vietnams. Der Dynastie gehört laut OUR Walmart mehr Nettovermögen als den untersten 42 Prozent aller US-Haushalte zusammen. Die Koch-Brüder, Besitzer eines großen US-Industriekonglomerats, bringen es auf 76 Milliarden Dollar. Das Vermögen der Aldi-Brüder liegt bei 45 Milliarden. Die Quandt-Familie ist 37 Milliarden Dollar schwer.

Als Sam Walton 1992 starb, vermachte er seinen Anteil an der Kette seiner Frau Helen und den vier Kindern Rob, John, Jim und Alice. Sams erstgeborener Sohn Rob übernahm nach dem Tod seines Vaters das Steuer und dient Wal-Mart seitdem treu als Verwaltungsratschef. Schon 1969, sieben Jahre nach der Gründung, war er in die Firma eingetreten. John, der zweitälteste Wal-Mart-Erbe, arbeitete zwischenzeitlich als Pilot für die Firma und starb 2005 beim Absturz seines selbst gebauten Flugzeugs. Seine Frau Christy erbte seinen Anteil. Mit mehr als 35 Milliarden Dollar ist sie heute die reichste Frau der Welt.

Selbst Sams Freund machte Wal-Mart reich

Auch Jim Walton lässt die Firma nicht los: Der jüngste Sohn von Sam Walton ist Chef der familieneigenen Arvest Bank, die alleine rund 1,8 Milliarden Dollar wert ist. Auch er sitzt seit 2005 im Verwaltungsrat von Wal-Mart. Nur Alice, Sams einzige Tochter, hält sich dagegen ganz bei Wal-Mart raus. Sie sammelt Kunst und hat in Arkansas ein Museum gegründet. Auch Ann und Nancy, die Kinder des zweiten Wal-Mart-Gründers Bud, haben außer ihrem Reichtum keine Verbindung mehr mit Wal-Mart. Bud starb 1995 nur drei Jahre nach seinem Bruder Sam.

Die Waltons haben aber nicht nur ihr eigenes Wohl im Blick: Sie haben ihrer Familienstiftung mehr als zwei Milliarden Dollar gespendet. Die Walton Family Foundation setzt sich für Umweltschutz, Bildung und die Förderung der Region Arkansas ein. Auch Wal-Mart selbst engagiert sich sozial und hat allein 2012 mehr als eine Milliarde Dollar gespendet.

Doch nicht nur die Armen, sogar die Freunde der Wal-Mart-Brüder hat die Firma reich gemacht: Drayton McLane verkaufte 1991 seine eigene Firma an seinen Tennispartner - Sam Walton. Er bekam 50 Millionen Dollar und mehr als 10 Millionen Wal-Mart-Aktien. Inzwischen besitzt er ein Vermögen von 1,9 Milliarden Dollar.

Quelle: n-tv.de

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