Wirtschaft
So oder ähnlich mag sich der Laie das Millionärsleben vorstellen: In Wirklichkeit besteht es oft nur aus Arbeit, Arbeit, Arbeit.
So oder ähnlich mag sich der Laie das Millionärsleben vorstellen: In Wirklichkeit besteht es oft nur aus Arbeit, Arbeit, Arbeit.(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschland, Heimat der Superreichen: Der Klub der Millionäre wächst

Wenn die Zahl reicher Menschen als Maßstab dienen kann, dann ist die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahrzehnten längst Geschichte: Einer Studie zufolge tummeln sich mittlerweile wieder mehr Reiche auf der Erde als vor der Lehman-Pleite. Allein in Deutschland soll es mehr als 900.000 Dollar-Millionäre geben.

Europas Geldadel muss sich wegen der globalen Konkurrenz ernsthaft Sorgen machen: Die Superreichen der Boom-Region Asien-Pazifik jagten der europäischen Finanzelite im vergangenen Jahr erstmals den zweiten Platz hinter Nordamerika ab.

"Onkel Dagobert" in Öl: Wertvolle Gemälde wie "The Expert" von Carl Barks zählen in den Capgemini-Berechnungen nicht mit.
"Onkel Dagobert" in Öl: Wertvolle Gemälde wie "The Expert" von Carl Barks zählen in den Capgemini-Berechnungen nicht mit.(Foto: picture alliance / dpa)

Zu diesem Ergebnis kommt zumindest das Beratungsunternehmen Capgemini in dem in Zusammenarbeit mit der US-Bank Merrill Lynch zusammengestellten jährlichen Wohlstandsbericht. Darin heißt es, Deutschland habe als Heimat wohlhabender Menschen überdurchschnittliche Zuwächse verbucht. In der Rangfolge der einzelnen Länder führt die Studie die Bundesrepublik auf Platz drei - wie gewohnt hinter Japan und dem Anführer USA. Die meisten Superreichen gibt es laut Studie nach wie vor in Nordamerika, nämlich 3,4 Millionen. Die Wachstumsregion Asien-Pazifik folgt mit 3,3 Millionen Millionären auf Platz zwei.

Herbert Hensle von Capgemini erklärte dazu, dass die drei Länder USA, Japan und Deutschland zusammen mehr als die Hälfte der Menschen in der Statistik stellten - gut jeder Vierte (28,6 Prozent) stamme allein aus den USA. Jedoch seien die drei Länder auf lange Sicht auf dem absteigenden Ast und verlören ihre Anteile zunehmend an die Konkurrenz, vor allem aus Fernost.

Die Studie berücksichtigt Menschen, die mehr als eine Million US-Dollar Finanzvermögen haben. Umgerechnet entspricht das derzeit einem Vermögen von rund 700.000 Euro. Teure Status-Symbole und Sachwerte wie etwa Immobilien, Luxusautos oder Kunstschätze bleiben dabei außen vor. Auf dieser Basis gab es im vergangenen Jahr weltweit 10,9 Millionen Superreiche - ein Plus von 8,3 Prozent im Vergleich zu 2009. Damit gab es 2010 mehr Millionäre als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Frauen holen auf

Superreich sind laut der Studie immer mehr Frauen und junge Menschen. Der Anteil der Frauen an den Dollar-Millionären nahm von 2008 bis 2010 von 24 auf 27 Prozent zu. In Nordamerika sind demnach schon 37 Prozent der Superreichen weiblich. Auch die Jungen im Alter von 31 bis 45 Jahren holen auf: Ihr Anteil stieg von 11 auf 15 Prozent. Insgesamt allerdings überflügeln die Millionäre aus Fernost die Europäer inzwischen sowohl bei der Anzahl als auch beim Gesamtvermögen.

Die Zahl der Lotto-Millionäre fällt kaum ins Gewicht.
Die Zahl der Lotto-Millionäre fällt kaum ins Gewicht.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Mit 3,3 Millionen Superreichen liegt die Region Asien-Pazifik erstmals vor Europa, wo nur 3,1 Millionen Extrem-Wohlhabende leben. Fernost brachte 2010 ein rechnerisches Gesamtvermögen von rund 10,8 Billionen Dollar in die Statistik ein. Europa lag mit seinen 10,2 Billionen Dollar klar dahinter. Gemeinsam für alle Regionen gelte der Trend, dass 2010 ein gutes Jahr für die Superreichen war - wenn auch ohne Rekorde. "Im Jahr 2010 gingen die Wachstumsraten zurück. Noch 2009 hatten diese im oberen zweistelligen Bereich gelegen, da sich viele Märkte sehr rasch von ihren beträchtlichen Krisenverlusten erholen konnten", sagte Peter Schmid von der US-Bank Merrill Lynch.

Gut betuchte Steuerzahler

In Deutschland kamen die Experten im vergangenen Jahr auf 924.000 Geld-Millionäre, ein Plus von 7,2 Prozent. Damit wuchs das Land mit der größten Wirtschaftskraft in der EU stärker als Europas Geldmillionärsclub mit seinen durchschnittlich 6,3 Prozent Zuwachs. Das weltweite Plus von 8,3 Prozent lag aber noch ein Stück entfernt. In absoluten Zahlen gab es hierzulande 62.000 Reiche mehr als 2009 - ob sie erstmals oder erneut in den Club aufstiegen, geht aus der Analyse nicht hervor.

Nicht nur die Zahl der Millionäre, auch ihr Vermögen wuchs seit 2007 ordentlich. Durchschnittlich hatten die Millionäre 2010 rund 3,9 Mio. Dollar auf der hohen Kante. Hauptquelle für ihr Geldpolster ist laut Studie das Wirtschaftswachstum: "Unternehmen entstehen, und die Führer dieser Firmen schaffen Vermögen." Damit dürfte ein guter Teil der deutschen Millionärsriege aus dem viel beschworenen Mittelstand stammen.

Griechenland-Rettung ein Klacks?

Schwindelerregend hoch ist die Gesamtsumme an flüssigen Mitteln, über die die Welt-Finanzelite laut Statistik verfügt: 42,7 Billionen Dollar - etwa 30 Billionen Euro und damit etwa zwölfmal so viel wie die gesamte Wirtschaftskraft Deutschlands im vergangenen Jahr.

Alle deutschen Privatanleger zusammen - vom Multimillionär bis zum Hartz-IV-Empfänger - hatten nach Berechnungen der Berater von Boston Consulting zuletzt ein Vermögen von 5,2 Billionen Euro angehäuft. Die Bundesbank ging Deutsche reich wie nie zuletzt von einem Gesamtvermögen von 4,933 Billionen Euro aus. Genauere Angaben zur Verteilung der Vermögen der Bestbetuchten in Deutschland machen die Statistiken in der Regel nicht. Anderen Berechnungen zufolge liegen hierzulande Aldi-Mitgründer Karl Albrecht und der Versandhauskönig Michael Otto weit vorne.

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Quelle: n-tv.de

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