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UBS muss im Libor-Skandal zahlen. Aber wie geht es weiter?
UBS muss im Libor-Skandal zahlen. Aber wie geht es weiter?(Foto: picture alliance / dpa)

Manipulative Großbanken: Der Libor-Skandal: eine Chronik

Der Libor-Zins wird einmal täglich ermittelt und soll anzeigen, zu welchen Sätzen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf von außen kaum nachprüfbaren Angaben der Banken und ist Grundlage für billionenschwere Finanztransaktionen rund um den Globus - und auch für Manipulationen in großem Stil.

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Die Verstrickung in den Libor-Skandal kommt auch die Schweizer Großbank UBS teuer zu stehen. Das Geldhaus muss an amerikanische, britische und Schweizer Behörden insgesamt rund 1,2 Mrd. Euro zahlen. Der Libor (London Interbank Offered Rate) wird einmal täglich erm ittelt und soll anzeigen, zu welchen Sätzen sich Banken untereinander Geld leihen. Er fußt auf von außen kaum nachprüfbaren Angaben der Banken und ist Grundlage für billionenschwere Finanztransaktionen rund um den Globus. Insgesamt sollen ihn mehr als ein Dutzend Großbanken über Jahre manipuliert haben. Die Banken sollen vor allem auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 zu niedrige Angaben gemacht haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Es folgt eine Chronik:

1986

Die Britische Bankenverband BBA veröffentlicht erstmals offizielle Libor-Daten in Dollar, Pfund Sterling und Yen und kommt damit der immer lauter werdenden Forderung der Finanzmärkte nach globalen Referenz-Zinssätzen nach.

2007

Die britische Bank Barclays alarmiert die US-Behörden. Sie gibt an, zu vermuten, dass andere Geldhäuser bewusst zu niedrige Libor-Sätze übermitteln.

2010

Die britische Finanzaufsicht FSA nimmt Untersuchungen gegen Barclays auf. Diese sind Teil von weltweiten Ermittlungen gegen die Finanzbranche wegen des Verdachts der Zinsmanipulation.

2011

Der US-Online-Broker Schwab reicht Klagen gegen elf Großbanken ein.

Juni 2012

Barclays muss an die Behörden in den USA und Großbritannien 455 Millionen Dollar Strafe zahlen.

Die britischen Behörden kündigen an, die Ermittlung des Libor-Satzes zu reformieren.

Juli 2012

Barclays-Chef Bob Diamond tritt wegen des Skandals zurück. Investoren reichen Sammelklagen gegen Barclays und andere Banken ein. Ein Ex-Manager des britischen Geldhauses sagt später vor dem Parlament, er habe Mitarbeiter zur Nennung von unter dem tatsächlichen Wert liegenden Zinssätzen angewiesen. Dabei habe er auf Anweisung Diamonds gehandelt.

August 2012

Die US-Behörden weiten die Untersuchungen gegen die Deutsche Bank und andere Großbanken aus. Die Ermittler interessierten sich vor allem für die Kommunikation zwischen Managern, um herauszufinden, ob es geheime Absprachen zur Libor-Manipulation gab. Neben der Deutschen Bank betrifft dies auch JP Morgan, Barclays, Royal Bank of Scotland , HSBC, UBS und Citigroup. Die Royal Bank of Scotland entlässt mehrere Mitarbeiter wegen Fehlverhaltens.

September 2012

Die britische Aufsicht BBA gibt einen Zehn-Punkte-Plan zur Libor-Änderung bekannt. Die USA drängen die EU zu einer umfassenden Libor-Reform und fordern, die Sätze müssten möglichst von einer unabhängigen Institution ermittelt werden.

Oktober 2012

Ein britisches Gericht lässt eine erste Klage gegen Barclays zu. Ein Pflegeheim-Betreiber fordert wegen der Manipulationen Schadenersatz. In den USA reichen Hausbesitzer eine Sammelklage gegen zwölf der weltgrößten Banken ein. Sie argumentieren, durch die Unregelmäßigkeiten bei der Festlegung des Zinses hätten sich ihre Immobilienkredite verteuert.

Oktober 2012

Auch französische Strafverfolger werden aktiv. Die Staatsanwaltschaft in Paris gibt Vorermittlungen bekannt und will prüfen, ob heimische Banken involviert sind.

November 2012

Der Bundestag in Berlin hat Spitzenmanager der Deutschen Bank zum Kreuzverhör vorgeladen. Das Geldhaus gibt sich dabei wortkarg. Auch die Bankenaufsicht Bafin muss sich kritischen Fragen stellen, ob sie frühe Anzeichen für Betrug nicht erkannt habe. Die Bafin prüft seit dem Sommer mögliche Verwicklungen deutscher Banken. Im Gegensatz zu den Behörden in Großbritannien oder den USA könnte sie im Fall der Fälle aber keine Geldstrafen verhängen.

Dezember 2012

Erste Festnahmen: Die für schwere Betrugsfälle zuständige Abteilung der britischen Kriminalpolizei setzt drei Männer im Alter von 33, 41 und 47 Jahren fest. Details dazu bleiben zunächst offen.

Quelle: n-tv.de

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