Wirtschaft
Bewährte Kampfmaschine aus US-Produktion: Mehrzweckkampfflugzeuge wie etwa vom Typ F/A-18 kosten den Steuerzahler schnell mehrere Dutzend Millionen Dollar.
Bewährte Kampfmaschine aus US-Produktion: Mehrzweckkampfflugzeuge wie etwa vom Typ F/A-18 kosten den Steuerzahler schnell mehrere Dutzend Millionen Dollar.(Foto: REUTERS)

Politisch inkorrekt, aber profitabel: Der unheimliche Boom der Waffenbranche

Von Diana Dittmer

Das Jahrtausend beginnt gut für die Rüstungsbranche: 9/11, die Ukraine-Krise, der Terror des Islamischen Staates. Die weltweiten Kriege sind ein lukratives Geschäft. Anleger von Waffenherstellern profitieren.

Die zahlreichen Auseinandersetzungen in den Konfliktregionen rund um den Globus und der grassierende Terror des Islamischen Staates lassen die Aktienkurse der Rüstungsunternehmen boomen. Geopolitisch könnte es für die Firmen nicht besser laufen. Die Bundesregierung will die Ausgaben für Verteidigung laut einem Zeitungsbericht erhöhen. Sie reagiere damit auch auf den wachsenden Druck der USA, meldete die "Bild"-Zeitung diese Woche. "Wir müssen einen vernünftigen, qualitativen Beitrag leisten, damit andere - jenseits des Atlantiks - bereit sind, sich zu engagieren", sagte Merkel der Zeitung zufolge.

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Die Welt wird nicht friedlicher. Alleine der amerikanische Verteidigungshaushalt hat sich seit den Anschlägen vom 11. September 2001 mehr als verdoppelt. Weltweit stiegen die Rüstungs- bzw. Verteidigungsausgaben, wie es heute heißt, von 800 Milliarden Dollar zur Jahrtausendwende auf mehr als das Doppelte in 2014.

Die Welt rüstet hoch

Wegen des IS-Terrors könnten auch noch Frankreich und andere Länder ihre Rüstungsausgaben anheben. Beim Islamischen Staat handelt es sich um die reichste Terrororganisation der Welt. Anbetracht der finanziellen Ressourcen könnte die Auseinandersetzung länger dauern. Die Börsenkurse spiegeln das wieder.

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Die Nachfrage nach den Titeln der großen Unternehmen, die Armeen ausrüsten - wie Lockheed Martin oder BEA Systems - boomt, ebenso die nach den Munitionsherstellern Raytheon, Lockheed Martin, General Dynamics oder Orbital ATK. Jeder Schuss, jeder Militäreinsatz macht ein Investment für Anleger lukrativer. Der breite US-Index S&P 500 gewann in den vergangenen 15 Jahren gut 40 Prozent. Der "Nasdaq Arca Defense Index", der die Wertentwicklung der reinen Rüstungsfirmen in den USA ermittelt, konnte seinen Wert in derselben Zeit verdreizehnfachen.

Auch russische Unternehmen "reiten auf einer Welle von ansteigenden nationalen Rüstungsausgaben und Exporten", wie Siemon Wezeman von dem Friedensforschungsinstitut Sipri im Dezember erklärte. Die russischen Waffenverkäufe stiegen 2015 um gut 48 Prozent an, das sind zehn Prozent des globalen Waffenhandels. Unter den 100 größten Waffenschmieden weltweit waren 2014 elf Firmen aus Russland, drei mehr als im Jahr zuvor.

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Investmentbanker, die in Rüstung investieren, registrieren das genauestens. Die zählen angeblich auch jeden Angriff auf IS-Stellungen. Anfang der Woche dürfte der eine oder andere einen Strich auf seiner Liste gemacht haben. US-Kampfflugzeuge bombardierten am Montagmorgen eine Halle in der irakischen Stadt Mossul, in der die Terrorgruppe Islamischer Staat Bargeld gelagert hatte. Zwei 900-Kilogramm-Bomben trafen ins Herz des Finanzsystems der Terrororganisation. Dass bis zu sieben Zivilisten bei dem Bombardement ums Leben kamen, wie das US-Militär zugab, sind dabei "Kollateralschäden". Die zählen andere, nicht Börsianer.

"Defense"-Aktien boomen

Amerikaner decken sich mit Waffen ein.
Amerikaner decken sich mit Waffen ein.(Foto: picture alliance / dpa)

Auch die Kurse von Waffenherstellern wie Smith & Wesson registrieren eine kräftige Nachfrage. Die Aktie des größten Schmiedes von Handfeuerwaffen in den USA stieg zuletzt so hoch wie seit 1999 nicht mehr. Die Dividendenpapiere des Konkurrenten Sturm Ruger sprangen ebenfalls kräftig an.

Experten mutmaßen, dass die unsichere Weltlage bei Menschen ein mangelndes Sicherheitsempfinden im Alltag auslöst. Konkret sorgt jedoch ein schärferes Waffengesetz, dass paradoxerweise Verkäufe der Feuerwaffen reduzieren soll, für Kursgewinne. Waffennarren sehen sich nämlich gezwungen, geplante Käufe vorzuziehen, bevor es die Rechtslage erschwert. Wegen des neuen Gesetzes rechnet Smith & Wesson mit einem Absatzanstieg von 16 Prozent für das im Januar endende Quartal. Es mag harmlose Wild-West-Romantik sein, die manchen Menschen dazu treibt, eine Waffe zu kaufen. Dass der Besitz von Feuerwaffen auch Gefahren birgt, lässt sich unschwer an der Zahl der Amokläufe in den USA mit vielen Toten ablesen.

Auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Investoren schließen solche Anlagen deshalb oft aus ihrem Portfolio aus. Selbst Analysten, die sich mit Waffenfirmen beschäftigen, sind inzwischen rar. Waffenhersteller gelten eben als "nicht pc" - also politisch nicht korrekt. Die Investoren hält das aber offenbar nicht zurück, wie man an den Kursen sieht. Das Muster an den Börsen nach Schießereien in den Vereinigten Staaten ist deutlich zu erkennen. Auch die Anleger, die nach den Anschlägen im kalifornischen San Bernardino auf Waffenaktien setzten, fuhren wieder kräftige Kurzfristgewinne ein. US-Präsident Barack Obama dürfte das Tränen in die Augen treiben.

Quelle: n-tv.de

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