Wirtschaft

"Schlangengrube voller Gier": Deutsche Bank am Pranger

Auch fast drei Jahre nach dem Hochkochen der Finanzkrise geht die Vergangenheitsbewältigung weiter. Ein US-Senatsausschuss trägt seine Erkenntnisse zusammen. Dabei kommen einige Finanzfirmen ganz schlecht weg – auch die Deutsche Bank.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutsche Bank muss sich in den USA heftige Kritik an ihren Hypothekengeschäften gefallen lassen. Ein Ausschuss des Senats wirft dem Frankfurter Geldhaus vor, mit seinem Verhalten die Finanzkrise befeuert zu haben. Konkret soll die Deutsche Bank wissentlich dabei mitgemacht haben, problematische Hauskredite zu Wertpapieren gebündelt und an Investoren verkauft zu haben. Derlei Schrottpapiere brachten die gesamte Finanzwelt ab dem Jahr 2007 ins Wanken.

Der Ausschuss legte in Washington seinen Abschlussbericht aus zwei Jahren Arbeit vor. Neben der Deutschen Bank gerieten auch andere Institute und die Rating-Agenturen in die Schusslinie, allen voran die US-Investmentbank Goldman Sachs. "Bei unseren Untersuchungen sind wir auf eine Schlangengrube voller Gier, Interessenkonflikten und Missetaten gestoßen", sagte der Ausschussvorsitzende Carl Levin. Gleichzeitig warf er den Aufsichtsbehörden und einzelnen Politikern Versagen vor.

"Unterschiedliche Ansichten"

Im Falle der Deutschen Bank verweist der 639 Seiten lange Bericht auf Äußerungen eines hochrangigen Händlers, der bankintern schon früh vor den Risiken auf dem Hypothekenmarkt gewarnt habe. Der Mann sprach demnach von "Mist", der auf dem Markt sei, und von einem "Schneeballsystem". Allerdings, das räumt der Bericht ein, habe es unterschiedliche Auffassungen innerhalb des Hauses gegeben und die Deutsche Bank habe letztlich selbst fast 4,5 Mrd. Dollar verloren.

"Wie der Report richtig feststellt, gab es innerhalb der Bank unterschiedliche Ansichten zum US-Immobilienmarkt", erklärte die Deutsche Bank. "Diese Ansichten wurden jedoch vollständig gegenüber dem Markt kommuniziert." Die Bank wies daraufhin, dass sie bei ihrem Engagement letztlich "signifikante Verluste" erlitten habe.

Goldman profitiert

Dagegen gilt Goldman Sachs als Nutznießer der Finanzkrise. "Als Goldman Sachs erkannte, dass der Hypothekenmarkt am Kippen war, haben sie Anstrengungen unternommen, um von dem Einbruch auf Kosten ihrer Klienten zu profitieren", erklärte der Ausschuss. Senator Levin hatte sich bereits im April vergangenen Jahres bei einer Anhörung mit Bankchef Lloyd Blankfein angelegt. Levin hatte Blankfeins Haus wiederholt "dreckige Geschäfte" unterstellt.

"Obwohl wir beim Großteil des Berichts anderer Meinung sind, nehmen wir die Themen, die der Ausschuss aufgegriffen hat, sehr ernst", sagte ein Banksprecher. Goldman Sachs hatte im vergangenen Jahr 550 Mio. Dollar gezahlt, um Vorwürfe aus der Welt zu schaffen, die Bank habe Investoren bei einem Geschäft mit Hypothekenpapieren übers Ohr gehauen. Die Bank räumte ein, die Investoren unzureichend informiert zu haben, und verordnete sich ein neues Regelwerk.

Quelle: n-tv.de

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