Wirtschaft

Demonstranten stören Versammlung: Deutsche Bank erhöht Festgehälter

Die Deutsche Bank reagiert auf die verschärften EU-Bonusregeln. Für einen bestimmten Teil der Mitarbeiter sollen die Festvergütungen erhöht werden. Die Hauptversammlung wird durch Globalisierungsgegner gestört.

Die Deutsche Bank sieht sich angesichts schärferer Regeln der Aufseher zum Sparen gezwungen. "Um unsere Strategie verstärkt voranzutreiben, werden wir ein Maßnahmenpaket umsetzen, mit dem wir auf den neuen Kostendruck in unserem Umfeld reagieren", sagte Co-Chef Jürgen Fitschen auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in Frankfurt. "Die Kosten, die anfallen, um neue Regulierungsvorschriften zu erfüllen, sind beträchtlich."

Konkrete Schritte nannte Fitschen nicht. Um Zweifel an ihren Puffern gegen neue Krisen zu beseitigen, hatte die Deutsche eine weitere Kapitalerhöhung angekündigt. Sie soll 8 Milliarden Euro in die Kassen bringen und beschert dem deutschen Branchenprimus einen neuen Großaktionär in Person eines Scheichs aus Katar.

Den Weg der Deutschen Bank hin zu einer neuen Unternehmenskultur sieht Fitschen noch nicht abgeschlossen. "Ein umfassender Kulturwandel benötigt Jahre, nicht Monate. Aber wir haben das Fundament dafür gelegt." Fitschens Kollege Anshu Jain, der den Konzern gemeinsam mit Fitschen führt, verwies auf die zahlreichen Altlasten, mit denen sich Deutschlands größte Bank herumschlagen muss. "An dieser Stelle sagen wir ganz offen: Einige der Herausforderungen waren größer als wir erwartet hatten."

Ringen um Flexibilität

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Auf die verschärften EU-Bonusregeln will das Geldinstitut mit höheren Festgehältern reagieren. "Es geht nicht darum, hierdurch das Gesamtvergütungsniveau zu erhöhen oder die Boni zu verdoppeln", betonte Fitschen. Vorgesehen sei für einen bestimmten Teil der Mitarbeiter "eine angemessene Erhöhung der Festvergütung und eine Reduzierung der variablen Vergütung". Das erhalte der Bank die Flexibilität.

Bisher können Banken Boni in theoretisch unbegrenzter Höhe ausschütten. Im Investmentbanking liegen die Boni derzeit international teilweise beim Vier- oder Fünffachen des festen Gehalts. Von fast 70.000 Mitarbeitern der Deutschen Bank, für die die Deckelung gilt, bekamen im vergangenen Jahr gut 1700 Boni, die ihr Jahresgehalt um das Doppelte überstiegen, bei 4500 weiteren lag der Boni über dem Grundgehalt.

Nach den neuen gesetzlichen Regeln dürfen Boni für Banker ab diesem Jahr nur noch maximal so hoch sein wie das Grundgehalt eines Mitarbeiters. Stimmt aber die Hauptversammlung zu, darf die Bonusgrenze verdoppelt werden.

Wettbewerbsfähig oder gierig?

Vorsorglich lässt die Deutsche Bank ihre Aktionäre über diese 2:1-Regelung abstimmen. Die Zustimmung dazu gilt als Formsache, weil viele Großaktionäre mitziehen. "Im Investmentbanking müssen auch wettbewerbsfähige Gehälter gezahlt werden", sagte etwa Fondsmanager Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. "Aus Aktionärssicht begrüßen wir Regelungen, die genügend Spielraum für leistungsbezogene Gehaltsanpassungen bieten und damit der langfristigen Steigerung des Unternehmenswertes dienen."

Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW rechnete dagegen vor, dass die Investmentbanker der Deutschen Bank im vergangenen Jahr 4,5 Milliarden Euro verdient hätten, davon 2,1 Milliarden Euro als Bonus. Er sprach sich gegen die Erhöhung der Obergrenze aus. "Und wenn es immer noch Investmentbanker gibt, die den Hals nicht voll kriegen, lassen Sie sie ziehen", sagte Nieding unter lautem Beifall der Aktionäre. Denn diese Banker seien vermutlich "die Problemverursacher von morgen". Fitschen antwortete: "Wir lassen gute Leute gehen, wenn sie Erwartungen haben, die wir nicht erfüllen können."

Die Alternative wäre, die Fixgehälter noch deutlicher zu erhöhen, damit Führungskräfte unter dem Strich nicht weniger verdienen. Dann hätte die Bank in schlechten Zeiten aber weniger Spielräume, Personalkosten zu senken.

Die Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Fitschen bekommen bisher je 2,3 Millionen Euro pro Jahr unabhängig von ihrer Leistung und vom Gewinn der Bank. Nach den neuen Regeln sollen es je 3,8 Millionen sein. Dürften die Boni nur so hoch sein wie das Grundgehalt, müssten Fitschen und Jain fix jeweils 5,9 Millionen Euro erhalten, rechnete die Deutsche Bank vor. Für 2013 habe das Duo 77 Prozent des maximal erzielbaren Bonus gewährt bekommen, sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Inklusive kurz- und langfristiger Boni strichen sie je 7,5 Millionen Euro ein.

"Blockupy"-Demonstranten stören

Jain wurde bei seiner Rede von Globalisierungskritikern unterbrochen. Jain hatte nur einen Satz zu den Aktionären gesprochen, als rund ein Dutzend Demonstranten in der Frankfurter Festhalle laut Protestrufe gegen die Deutsche Bank skandierten. "Bei jeder Schweinerei - ist die Deutsche Bank dabei", riefen sie. Auf einem Transparent war zu lesen: "Deutsche Bank - Profite durch Landraub und Rüstung".

Aufsichtsratschef Paul Achleitner ließ die Protestierer, die der "Blockupy"-Bewegung angehören, nach wenigen Minuten unter dem Beifall vieler anderer Hauptversammlungs-Teilnehmer vom Sicherheitspersonal aus dem Saal führen. Sie störten den Ablauf der Veranstaltung, sagte er. "Ich glaube, dass sie ihren Mitaktionären schon ein großes Maß an Geduld abverlangt haben."

Quelle: n-tv.de

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