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Glatte Fassade, holprige Zahlen.
Glatte Fassade, holprige Zahlen.(Foto: dpa)

Aktie bricht ein: Deutsche Bank patzt bei den Zahlen

Schock für die Börse: Die Deutsche Bank wird den hohen Erwartungen nicht mal ansatzweise gerecht. Die teuren Rechtsstreitigkeiten verhageln das Ergebnis gründlich, der Vorsteuergewinn bleibt deutlich unter den erhofften 1,4 Milliarden Euro. Da tröstet auch das gute Investmentbanking nicht.

Die Deutsche Bank hat wegen hoher Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im zweiten Quartal überraschend wenig verdient. Der Vorsteuergewinn schrumpfte auf 792 Millionen Euro, wie der Branchenprimus mitteilte. Im Vorjahr standen hier noch 967 Millionen Euro zu Buche. Unter dem Strich blieben 335 Millionen Euro übrig, nach 666 Millionen Euro im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt damit gerechnet, dass der Vorsteuergewinn im Vorjahresvergleich um gut 50 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro zulegt, den Überschuss sahen sie bei mehr als 740 Millionen Euro.

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Zwar lief das Investmentbanking in den Frühjahrsmonaten auf den ersten Blick recht ordentlich. Doch das konnte dem Konzernergebnis nicht helfen. Für Rechtsstreitigkeiten legte die Deutsche Bank weitere 630 Millionen Euro zurück. Damit liegen die Rückstellungen jetzt bei insgesamt drei Milliarden Euro. Der Konzern hat an zahlreichen juristischen Fronten zu kämpfen: Es geht um den Kirch-Prozess, den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze und Klagen wegen Hypothekengeschäften in den USA aus der Zeit vor der Finanzkrise.

Trotz der mauen Zahlen bemühten sich die beiden Co-Vorstandschef Anshu Jain und Jürgen Fitschen darum, Optimismus zu versprühen. Die Bank sei mit ihrem Umbau, der Kapitalausstattung und dem Tagesgeschäft auf Kurs: "Im zweiten Quartal haben unsere Kerngeschäftsfelder gute Ergebnisse geliefert", erklärten sie.

Kein Verständnis an der Börse

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Die Enttäuschung an der Börse ist trotz der warmen Worte groß, denn die Messlatte lag angesichts der schwachen Vorjahreszahlen und vor allem der prächtigen Bilanzen der amerikanischen Konkurrenz hoch. Die Aktie verliert zeitweise mehr als vier Prozent. Die Zahlen sind ein klarer "Miss", sagten Händler.

Doch nicht nur die Erwartungen beim Gewinn seien verfehlt worden, heißt es auf dem Parkett. Vor allem im Bereich des Handels festverzinslicher Papiere und beim Zinsüberschuss sehe es nicht gut aus. Das Aktiengeschäft sei dagegen leicht besser als erwartet. "Auch der Verweis auf Strafzahlungen und weitere Rückstellungen dafür reicht nicht als Erklärung, das hatten andere Banken auch", so ein Händler. Enttäuschend sei daneben der Vergleich mit anderen Instituten: "Mit Blick auf die US-Banken und die Credit Suisse sieht das nicht gut aus."

Konkurrenz läuft davon

Die US-Rivalen hatten für das abgelaufene Quartal durch die Reihe üppige Milliardengewinne ausgewiesen, weil gerade das Investmentbanking - und hier der Handel - im Frühjahr rund lief. Bei der Deutschen Bank zeigte sich aber bei genauerem Hinsehen ein gemischtes Bild: Zwar verdiente das Institut im Kapitalmarktgeschäft vor Steuern 785 Millionen Euro und damit mehr als im Vorjahreszeitraum, was auch Kosteneinsparungen zu verdanken ist. Doch der Anleihehandel, eigentlich die Domäne der Deutschen Bank, schwächelte. Stattdessen legten der Aktienhandel und das Beratungsgeschäft zu.

Im Privatkundengeschäft rund um die Postbank konnte die Deutsche Bank den Vorsteuergewinn um 38 Prozent auf 507 Millionen Euro steigern. In der Vermögensverwaltung schrumpfte das Ergebnis dagegen um 17 Prozent auf 82 Millionen Euro, weil der Umbau der Sparte noch immer viel Geld verschlingt. Die konzerneigene "Bad Bank" weitete ihren Verlust auf knapp 700 Millionen Euro aus.

Beim Abbau ihrer Altlasten gibt die Deutsche Bank Gas, weil sie auf Druck der Regulierer weiter schrumpfen muss. Zwar ist sie nach der milliardenschweren Kapitalerhöhung im Frühjahr mit einer Kernkapitalquote nach Basel III von zehn Prozent inzwischen auf der sicheren Seite. Doch Schwachpunkt bleibt die absolute Verschuldungsquote (Leverage Ratio): Ende Juni kam die Deutsche Bank hier nach Basel III auf eine Quote von drei Prozent und erfüllt damit die von 2018 an geltenden Vorgaben nur knapp. Für den weiteren Bilanzabbau hat der Konzern nach eigener Einschätzung noch bis zu 250 Milliarden Euro Spielraum, das sind 16 Prozent der bereinigten Bilanzsumme von 1,6 Billionen Euro. "Wir werden unsere Bilanzsumme weiter verringern", erklärten Jain und Fitschen.

Quelle: n-tv.de

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