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Steuerlast drückt Gewinn: Deutsche Bank verdient netto weniger

Die Monate April, Mai und Juni laufen für die Deutsche Bank offenbar nicht ganz so schlecht wie am Markt befürchtet. Eifrig blättern Branchenkenner durch den Zwischenbericht. Hinweise auf neue Ermittlungen in den USA drücken den Aktienkurs ins Minus.

Die Talfahrt scheint gestoppt: Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal zumindest vor Steuern einen deutlichen Gewinnsprung verbucht. Das Ergebnis kletterte um 16 Prozent auf 917 Millionen Euro, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Morgen vor Börsenstart mitteilte. Damit lag das Institut am oberen Ende der weit auseinander reichenden Erwartungen.

Zum Plus beim Vorsteuergewinn trugen vor allem Kosteneinsparungen bei, heißt es im aktuellen Geschäftsbericht. Zudem hielt sich das schwankungsanfällige Investmentbanking besser als gedacht. Deutliche Zuwächse gab es auch in der Vermögensverwaltung. Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen zeigten sich mit der Zwischenbilanz zufrieden: "Diese Ergebnisse machen die Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie 2015+ deutlich", erklärten sie. Bei der Rendite und einer Reihe anderer Baustellen hat die Bank Experten zufolge aber noch einiges aufzuholen.

Am Markt kam die Zwischenbilanz vor dem Hintergrund der eher durchwachsenen Zahlen großer US-Rivalen zunächst sehr gut an. Die Deutsche-Bank-Aktie legte vorbörslich deutlich zu. Im Lauf des Vormittags rückten dann allerdings neue Risiken in den Vordergrund: Der Stapel mit den Rechtsstreitigkeiten scheint bei der Deutschen Bank weiter zu wachsen.

Wie aus dem Halbjahresbericht der Bank hervorgeht, haben US-Behörden nun auch Untersuchungen im Zusammenhang mit Hochfrequenzhandel gegen die Bank eingeleitet. Es gebe Auskunftsersuchen bestimmter Aufsichtsbehörden dazu, schreibt die Bank. Zudem sei die Bank von einer Sammelklage in diesem Rahmen betroffen, bei der es um Verstöße gegen das US-Wertpapiergesetz gehe. An der Börse reagierten Anleger verunsichert. Der Kurs der Deutschen Bank drehte ab und fiel ins Minus. Am späten Vormittag notiert die Aktie 0,5 Prozent schwächer bei 26,56 Euro.

Die übrigen Kennzahlen der Bank blieben weitgehend im Rahmen der Erwartungen: Unter dem Strich kommt die Deutsche Bank im zweiten Quartal jedoch auf einen deutlichen Gewinnrückgang von 29 Prozent auf 238 Millionen Euro. Eine gestiegene Steuerlast soll den Reingewinn belastet haben: Die Deutsche Bank führt das schwache Nettoergebnis maßgeblich darauf zurück, dass Kosten für Rechtsstreitigkeiten nicht von der Steuer absetzbar sind. Im Vergleichszeitraum aus dem Vorjahr hatte die Bank hier noch einen Nettogewinn von 334 Millionen Euro verbuchen können. Für Rechtsrisiken legte die Bank weitere 470 Millionen Euro zurück.

Von der Zinswende profitieren?

Operativ lief es für die Bank eher gemischt: Das Investmentbanking schnitt etwas besser ab als erwartet, während das Privatkundengeschäft stärker unter den niedrigen Zinsen litt als befürchtet. Allein die für das Institut zentrale Investmentsparte trug in den zurückliegenden drei Monaten 885 Millionen Euro zum Ergebnis bei, ein Plus von 17 Prozent. Erleichtert nahmen Analysten zudem auf, dass sich der Anleihehandel der Deutschen Bank stabil entwickelt - anders als bei vielen US-Konkurrenten.

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Damit dürfte sich Deutsche-Bank-Co-Chef Jain in seiner Strategie bestätigt fühlen: Er setzt nach der unlängst abgeschlossenen gut 8 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung mehr denn je auf das Kapitalmarktgeschäft. Jain hofft, dass die Flaute im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, die die Branche in den vergangenen Quartalen gesehen hat, nur vorübergehend und den Niedrigzinsen geschuldet ist.

"Die Volkswirtschaften wachsen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit", stellten die beiden Vorstandschefs nun fest. "Dies könnte dazu führen, dass sich die Zinssätze mit unterschiedlicher Geschwindigkeit normalisieren, was neue Möglichkeiten eröffnet."

Schwächen im Privatkundengeschäft

Auch die Vermögensverwaltung, in den vergangenen beiden Jahren die größte Baustelle im Konzern, macht der Bank wieder Freude. Die Sparte lieferte im Quartal einen Vorsteuergewinn von 204 (Vorjahr: 80) Millionen Euro ab und konnte unter dem Strich neue Kundengelder in Höhe von 11 Milliarden Euro einsammeln. Die Deutsche Bank will hier vor allem im Geschäft mit den Superreichen angreifen und den Schweizer Häusern Konkurrenz machen. Dagegen war das klassische Privatkundengeschäft im zurückliegenden Quartal rückläufig - das Ergebnis schrumpfte um 21 Prozent auf 403 Millionen Euro.

Bei den Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und andere juristische Risiken musste die Bank - trotz der aktuellen Ermittlungen im Bereich des Hochfrequenzhandel - nur vergleichsweise kleine Aufstockungen vornehmen. In ersten Reaktionen hieß es, Anleger dürften dies nach der Serie an schwebenden Verfahren und juristischen Auseinandersetzung insgesamt als positives Signal werten. Der Posten 'Rückstellungen' bleibt allerdings nach wie vor einer der größten Unbekannten in der Bankbilanz.

"Nur" 470 Millionen Euro

Die zusätzlichen Rückstellungen für den Bereich Prozesse lagen bei 470 Millionen Euro, während sie im Vorjahresquartal noch 630 Millionen Euro betragen hatten. Insgesamt steigen die Rückstellungen für sämtliche erkannten Rechtsrisiken damit auf 2,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr, als die Bank gewichtige Vergleiche abschließen musste, waren es noch rund 3 Milliarden Euro.

Die Veränderungen bei den Rückstellungen halten Beobachter auch für den wesentlichen Grund für einen negativen Steuereffekt. Die Rücklagen sind Belastungen, die die Bank nicht von der Steuer absetzen kann. Im abgelaufenen Quartal habe die Deutsche Bank daher unter dem Strich weniger Gewinn verbuchen können.

Die Rücklagen sind nach Ansicht von Experten auch dafür verantwortlich, dass die vorab veröffentlichten Analystenschätzungen zum Zwischenergebnis in einer so großen Bandbreite ausgefallen waren. Die Prognosen reichten von einem Vorsteuerverlust von fast 700 Millionen Euro bis zu einem Gewinn von gut einer Milliarde Euro. Nicht alle Experten berücksichtigen allerdings die milliardenschweren Rückstellungen in ihren Prognosen.

Solides Kernkapital

Fortschritte kann die Deutsche Bank bei der Kapitalausstattung verzeichnen. Die Kapitalquote (hier das sogenannte "Common Equity Tier 1", CET1) betrug 11,5 Prozent; die Verschuldungsquote lag bei 3,4 Prozent. Damit hat die Deutsche Bank im Vergleich zu anderen europäischen Banken wieder etwas aufgeholt, gehört aber immer noch zu den Schlusslichtern.

Die Deutsche Bank hatte Ende Juni 8,5 Milliarden Euro von Investoren eingesammelt, um für Prozesse und schärfere regulatorischen Anforderungen gewappnet zu sein. Angesichts der Fülle von Klagen zweifeln Beobachter aber an, ob diese Summe tatsächlich ausreicht.

Quelle: n-tv.de

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