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Die Deutsche Bank und andere Banken wollen der US-Notenbank Giftpapiere aus der Finanzkrise abkaufen.
Die Deutsche Bank und andere Banken wollen der US-Notenbank Giftpapiere aus der Finanzkrise abkaufen.(Foto: picture alliance / dpa)

Giftmüll kommt wieder in Mode: Deutsche Bank will Schrott zurück

Die Deutsche Bank und mindestens fünf weitere Großbanken wollen von der US-Notenbank verbriefte US-Hypotheken kaufen, die die Notenbanker 2008 von AIG übernahmen, um den Skandalversicherer vor dem Kollaps zu retten. Einst stürzten die Papiere die Welt in die Finanzkrise - doch inzwischen lässt sich mit dem Giftmüll wieder ordentlich Geld verdienen.

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Die US-Regierung will sich von weiteren Altlasten aus der Rettung des Versicherers American International Group (AIG) trennen. Mindestens sechs Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank, bereiten informierten Investoren zufolge derzeit Gebote für ein Portfolio aus verbrieften gewerblichen Hypotheken (CDO) vor, von dem sich die US-Notenbank trennen will. Der Nennwert des Portfolios liege bei mehr als 7 Mrd. US-Dollar. Unter den Interessenten seien auch die Bank of America, Morgan Stanley, Credit Suisse, Goldman Sachs und Barclays, hieß es.

Die einstigen Giftpapiere seien Teil des Rettungsfonds Maiden Lane III, in dem Papiere mit einem Nennwert von insgesamt 47 Mrd. US-Dollar gebündelt seien. Die zu komplexen Paketen geschnürten Papiere sollten zunächst wieder entpackt werden, da die zugrunde liegenden Hypotheken einzeln mehr wert seien, sagten die Investoren.

Sprecher der Deutschen Bank, Bank of America, Morgan Stanley, Credit Suisse, Barclays, Goldman Sachs und die Notenbank Federal Reserve lehnten eine Stellungnahme ab. Die Deutsche Bank dürfte die einstigen Giftpapiere gut kennen: Sie hat die Gewerbehypotheken, die in den CDOs gebündelt sind, vor der Finanzkrise selbst vergeben.

Nach dem Zwischenstopp beim Staat wollen die Banken die Papiere nun wieder mit Gewinn weiterverkaufen. Das dürfte allerdings zu Kontroversen führen. "Das macht schon einen ziemlich schlechten Eindruck", sagt Ann Rutledge von R&R Consulting, eine auf strukturierte Finanzprodukte spezialisierte Beratungsfirma. "Die Banken konnten in einer Zeit extremer Unsicherheit ihre Risiken auf die Öffentlichkeit abwälzen, und nun wollen sie die CDOs zu einem niedrigeren Preis kaufen, wobei das Verlustrisiko auch noch begrenzt ist."

Schrott kommt wieder in Mode

Die Fed versucht seit Längerem, die Altlasten, die sie Finanzinstituten in der Krise abgenommen hatte, wieder zu Geld zu machen. Ein Teil hatte die Notenbank zuletzt an Credit Suisse und Goldman Sachs verkauft und dabei einen Gewinn von 2,9 Mrd. US-Dollar gemacht. Anfang April hatte die Notenbank angekündigt, den Verkauf von Papieren aus dem Rettungsfonds Maiden Lane III zu prüfen. Durch den Verkauf und die jüngste Entscheidung der Regierung, weitere AIG-Aktien zu veräußern stehen die Chancen nicht schlecht, dass die USA das meiste Geld aus der millierdenschweren Rettung des Versicherers bis zu den Präsidentschaftswahlen im November wieder hereingeholt haben.

Die sogenannten CDOs (Collateralized Debt Obligation) sind komplexe Finanzprodukte, die im Zentrum der Finanzkrise standen. Zahlreiche Finanzunternehmen mussten seinerzeit Rekordverluste verbuchen. AIG stand wegen des Zusammenbruchs der CDOs am Rande des Untergangs, der Konzern hatte viele der riskanten Finanzprodukte versichert. Die Banken fluteten AIG damals mit Forderungen, was ein riesiges Loch in die Bilanz des Konzerns riss. US-Regierung und Notenbank sprangen ein und pumpten über 180 Mrd. US-Dollar in den Konzern. Mit einem Teil kauften sie AIG Giftmüll wie CDOs ab, ein Großteil floss direkt an die Großbanken wie die Deutsche Bank, die die riskanten Papiere bei AIG versichert hatten. So profitierten auch sie von den Steuergeldern, was damals heftige Kritik nach sich zog.

Quelle: n-tv.de

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