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Auch einige Mitarbeiter der Deutschen Bank müssen gehen.
Auch einige Mitarbeiter der Deutschen Bank müssen gehen.(Foto: imago/Westend61)

Libor-Skandal: Deutsche Bank zahlt Milliarden-Strafe

Die Deutsche Bank einigt sich im Skandal um Zinsmanipulationen auf einen Vergleich mit Regulierern in Großbritannien und den USA. Sie zahlt eine Rekordstrafe, um den Streit beizulegen. Die Kritik der Behörden ist überdeutlich.

Die Deutsche Bank  muss im Skandal um Zinsmanipulationen abermals tief in die Tasche greifen. 2,5 Milliarden Dollar zahlt Deutschlands größtes Geldhaus in einem Vergleich mit den Regulierern in Großbritannien und den USA, wie die Behörden mitteilten.

Damit können die Frankfurter ihre größte Altlast unter den zahllosen Rechtsstreitigkeiten nun zu den Akten legen. Mit am Tisch saßen das US-Justizministerium, die US-Derivate-Aufsicht CFTC, die New Yorker Finanzaufsicht DFS von "Bankenschreck" Benjamin Lawsky sowie die britische Aufsichtsbehörde FCA.

Die Kritik der Behörden fiel deutlich aus: "Über Jahre haben Mitarbeiter der Deutschen Bank rund um den Globus illegal Zinssätze manipuliert", erklärte das US-Justizministerium. Die britische Finanzaufsicht FCA monierte zudem, die Bank habe die Ermittler in die Irre geführt und sei unkooperativ gewesen. So brauchte das Institut, das sich einen "Kulturwandel" verordnet hat, offenbar zwei Jahre, um Tonbänder auszuhändigen, auf denen fragwürdige Absprachen einzelner Händler dokumentiert sind.

Auch Mitarbeiter müssen gehen

Die britische Finanzdienstleistungsaufsicht FCA hat dem größten deutschen Geldhaus eine Strafe von 227 Millionen Britischen Pfund aufgebrummt. Laut FCA ist es die höchste bisher für Fehlverhalten bei der Festlegung der Referenzzinssätze Libor und Euribor verhängte Strafe. Die FCA wirft der Bank mangelnde Kontrolle vor. Diese sei im System "tief verwurzelt".

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In den USA einigte sich die Bank mit der CFTC und den New Yorker Aufsehern. Sie bekannte sich zudem der Manipulation schuldig. An die New Yorker Aufseher muss die Bank 600 Millionen Dollar und an die CFTC 800 Millionen Dollar zahlen.

Auch Lawsky fand deutliche Worte: "Wir müssen uns immer in Erinnerung rufen, dass sich Märkte nicht von selbst manipulieren. Dazu erfordert es ein vorsätzliches Fehlverhalten einzelner Leute." Die Bank hatte im Zuge einer internen Untersuchung zwar schon einige Mitarbeiter suspendiert. Die Behörden setzten aber durch, dass sieben weitere Angestellte gehen müssen. Die obersten Führungsebenen des Konzerns sind offenbar aber nicht betroffen.

Deutsche Bank gelobt Besserung

Die Deutsche Bank  gelobt nach dem milliardenschweren Vergleich mit den angelsächsischen Behörden im Zinsskandal Besserung. "Der Vergleich ist ein weiterer Schritt auf unserem Weg, die Vergangenheit aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass die Bank das Vertrauen der Kunden, Aktionäre und der gesamten Gesellschaft wieder zurückerlangt", erklärten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Die Bank habe verantwortliche Mitarbeiter im Handelsbereich bestraft oder entlassen und ihre internen Kontrollen verstärkt. Das Führungsduo betonte allerdings auch, dass kein gegenwärtiges oder ehemaliges Vorstandsmitglied von den Tricksereien wusste.

Der Skandal um die Manipulation internationaler Zinssätze war im Sommer 2012 bekannt geworden. Von Seiten mehrerer Banken aus verschiedenen Ländern hatte es Unregelmäßigkeiten bei der Festsetzung der Referenzsätze Libor und Euribor gegeben. Der Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken am Finanzplatz London untereinander Geld leihen. Der Euribor ist ein Zinssatz für Geldgeschäfte in der Währung Euro. Diese Sätze werden täglich von Banken festgelegt, von ihrer Höhe sind etwa Haus- und Verbraucherkredite sowie andere Finanzprodukte abhängig.

Mehrere Großbanken haben in Zusammenhang mit der Libor-Affäre bereits Strafzahlungen geleistet. Die Strafe für die Deutsche Bank in Großbritannien sei eine "Rekordstrafe", teilte die Finanzaufsicht mit. Grund dafür sei, dass die Bank die Behörden getäuscht habe und so die Ermittlungen hätte behindern können.

Quelle: n-tv.de

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