Wirtschaft
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Kühlerer Wind im Frühjahr/Sommer: Deutsche Konjunktur erhält einen Dämpfer

Wegen des schwächelnden Außenhandels und sinkender Investitionen fällt das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni etwas stärker als von Analysten vorhergesagt. Ein Wirtschaftsweiser gibt sich dennoch gelassen.

Europas Wachstumsmotor Deutschland ist im Frühjahr ins Stottern geraten. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Summe aller in Deutschland produzierten Waren und Dienstleistungen, schrumpfte im zweiten Quartal dieses Jahres um 0,2 Prozent, gab das Statistische Bundesamt bekannt. "Die deutsche Wirtschaft verliert an Schwung", so die Statistiker.

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Volkswirte hatten eine Abschwächung erwartet, nachdem das erste Vierteljahr wegen des sehr milden Winters ein sehr kräftiges Wachstum der Wirtschaftsleistung gezeigt hatte und inzwischen durch die internationalen Krisen neue Belastungsfaktoren aufgekommen waren. Sie allerdings im Durchschnitt nur mit einem Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gerechnet; allerdings hatten einige von ihnen sogar ein deutlicheres Minus von bis zu 0,3 Prozent erwartet.

Der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, warnte aber davor, einem Rückgang des BIP zu viel Bedeutung beizumessen. "Man darf das nicht überbewerten", sagte er in der ARD kurz vor der Veröffentlichung der Daten. Die Konjunkturentwicklung fuße momentan "auf einem breiten Fundament", betonte er. "Das ist insbesondere die Stabilität des Arbeitsmarktes."

Außenhandel und Investitionen verantwortlich

Der extrem milde Winter hatte im ersten Quartal zu einem preis-, saison- und kalenderbereinigten Zuwachs des deutschen BIP um revidiert 0,7 Prozent geführt, teilte Destatis mit. Ursprünglich hatte das Statistikamt ein Plus von 0,8 Prozent vermeldet. Die ungewöhnliche Witterung bescherte vor allem der deutschen Bauindustrie von Januar bis März unterbrechungsfreie Aktivitäten.

Für den BIP-Rückgang im zweiten Quartal waren nach den vorläufigen Berechnungen der Statistiker der Außenhandel und die Investitionen verantwortlich: Die Exporte seien im Vorquartalsvergleich weniger stark gestiegen als die Importe, so dass sich der Außenbeitrag aus Exporten minus Importen negativ auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung ausgewirkt habe. Daneben gingen laut Destatis die Investitionen insbesondere in Bauten deutlich zurück, "was nicht zuletzt an Vorzieheffekten aufgrund des ungewöhnlich milden Winters liegen dürfte". Sowohl von den privaten als auch von den öffentlichen Haushalten wurde aber etwas mehr konsumiert als im Vorquartal.

Im Vergleich zum Vorjahr hat die deutsche Wirtschaft zwar an Dynamik verloren, sie konnte aber dennoch weiter zulegen: Das preisbereinigte BIP war im zweiten Quartal 2014 um 0,8 Prozent höher als im zweiten Quartal 2013; kalenderbereinigt betrug die Steigerung 1,2 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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