Wirtschaft
"Die deutsche Konjunktur zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
"Die deutsche Konjunktur zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 26. Oktober 2015

Ifo-Index stärker als gedacht: Deutsche Konjunktur trotzt Krisen

Turbulenzen in China, schwächelnde Schwellenländer und zuletzt der VW-Skandal - das alles scheint der deutschen Wirtschaft nicht Bange zu machen. Der Ifo-Index sinkt weniger deutlich als erwartet. Ökonomen bemühen sich um plausible Erklärungen.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober weniger stark verschlechtert als angenommen. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel von 108,5 Zählern im Vormonat auf 108,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Ökonomen hatten mit einem stärkeren Rückgang auf 107,8 Zähler gerechnet.

"Die deutsche Konjunktur zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig gegenüber den vielfältigen Herausforderungen des Herbstes", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zur Entwicklung des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers. "So ist die Automobilindustrie vom VW-Skandal unbeeindruckt." Die Firmenchefs beurteilten die Lage etwas schlechter, die Geschäftsaussichten dagegen optimistischer als im Vormonat.

"Es bleiben Rätsel"

Die jüngsten Turbulenzen in China haben Sorgen vor einem Dämpfer für die exportabhängige deutsche Wirtschaft geschürt, zumal auch andere große Schwellenländer wie Brasilien und Russland in Schwierigkeiten stecken. Auch der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte sorgt für Verunsicherung. "Es bleiben Rätsel, warum der Index seit Juli kaum zur Schwäche neigt", sagte Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

Die Negativnachrichten aus der Weltwirtschaft perlen weitgehend an den deutschen Unternehmern ab, stellte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KFW, fest. Das zeige, wie robust die Binnenkonjunktur hierzulande sei. "Und der Flüchtlingszustrom lässt nun noch zusätzliche Nachfrage entstehen. 2015 dürfte damit aus konjunktureller Sicht relativ versöhnlich enden. Für 2016 rechnen wir weiterhin mit einem Wachstum von zwei Prozent."

Industrie nimmt Einschätzungen zur Lage erneut zurück

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der befragten Unternehmen sank im Oktober auf 112,6 von 114,0 Punkten im Vormonat. Die Analysten hatten hier 113,5 Punkte erwartet. Der Index für die Geschäftserwartungen nahm um 0,5 Punkte auf 103,8 Zähler zu. Die befragten Ökonomen hatten hingegen einen Rückgang auf 102,3 vorhergesagt.

Im verarbeitenden Gewerbe insgesamt sank das Geschäftsklima jedoch das dritte Mal in Folge. Die Industriefirmen nahmen die sehr guten Einschätzungen zur aktuellen Lage erneut zurück, gingen aber von künftig besseren Geschäften aus.

Im Großhandel blieb das Geschäftsklima unverändert. Während die Großhändler ihre sehr guten Urteile zur aktuellen Lage leicht zurücknahmen, blickten sie optimistischer auf die kommenden Monate. Im Einzelhandel sank der Index. Das Urteil über die Lage fiel deutlich, und auch die Erwartungen gaben etwas nach. Im Bauhauptgewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima hingegen zum dritten Mal in Folge.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zum Ifo-Index finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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