Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Immun gegen politische Krisen?: Deutsche Unternehmen melden sich zurück

Falls es eine Krise gab, scheint sie vorbei. Zum dritten Mal in Folge klettert das Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft. Billiges Öl und gute Aussichten für den Export erhöhen die Erwartungen. Erste Experten sprechen schon von rosigen Aussichten.

Getrieben von niedrigen Ölpreisen und einem weiter fallenden Euro hat sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen zu Jahresbeginn einmal mehr verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Januar bereits zum dritten Mal in Folge und legte von 105,5 auf 106,7 Punkte zu, wie das Ifo-Institut mitteilte. Dabei traf das Barometer beinahe exakt die Erwartungen. Allerdings spielten die Entscheidung der EZB für den umstrittenen Ankauf von Staatsanleihen oder die Wahl in Griechenland für diese Befragung noch keine Rolle.

"Die Unternehmen waren merklich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Zudem blicken sie wieder mehrheitlich optimistisch auf die kommende Entwicklung. Die deutsche Wirtschaft startet gut ins neue Jahr", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Unternehmen immun gegen politische Krisen

Nach Ansicht der Forscher erweist sich die Wirtschaft derzeit weitgehend immun gegen politische Turbulenzen in Europa. So habe etwa der Ukraine-Konflikt seinen Schrecken für die Firmen verloren. "Die Unternehmen haben sich daran gewöhnt", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Die Exporte nach Russland seien zwar deutlich zurückgegangen, es gebe allerdings keine neuen Unsicherheiten.

Auch der anstehende Regierungswechsel in Griechenland mache den heimischen Unternehmen bislang nichts aus. "Das kann man als bremsenden Faktor ausschließen", sagte Wohlrabe weiter. Es bleibe abzuwarten, ob die neue Links-Regierung in Athen ihre Ankündigungen aus dem Wahlkampf auch umsetze und tatsächlich vom Spar- sowie Reformkurs abweiche.

"Keine dunklen Wolken in Sicht"

"Die Investitionsgüterindustrie ist wieder deutlich auf dem aufsteigenden Ast", sagte Wohlrabe. Insgesamt stünden den Unternehmen rosige Zeiten ins Haus. "Im Moment gibt es keine dunklen Wolken für die deutsche Wirtschaft, die sich abzeichnen."

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit Geld flute, berühre die heimischen Unternehmen praktisch nicht. "Die EZB-Politik hat keinen direkten Liquiditätseffekt für die deutsche Wirtschaft." Der großangelegte Anleihenkauf der Währungshüter war von vielen ohnehin vorausgesehen worden. Die Aufwertung des Schweizer Franken spiele der deutschen Wirtschaft mittelfristig vor allem in der Grenzregion im Südwesten in die Karten.

Die Firmen bewerteten im ersten Monat des Jahres nicht nur ihre aktuelle Lage deutlich besser. Sie sind auch für die nächsten Monate zuversichtlicher als noch im Dezember. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

Dax springt auf Rekordhoch

An den Märkten trieb die neuerliche Zunahme den Dax auf ein neues Rekordhoch. "Der dritte Ifo-Anstieg in Folge ist erfreulich und ein Zeichen für eine konjunkturelle Wende zum Besseren", sagt Ulrich Wortberg von der Helaba. Sinkende Rohstoffkosten und der Rückgang des Euro-Außenwerts sorgten für eine bessere Stimmung in den Unternehmen. Der Markteinfluss sei diesmal aber begrenzt, nachdem die EZB in der vergangenen Woche bereits "QE-Fakten" geschaffen habe und nun zunächst politische Risiken nach der Griechenlandwahl im Fokus stünden.

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, sagte: "Die Exportwirtschaft baut auf die USA und freut sich über den deutlich günstigeren Eurokurs. Das Ende der Abwertung ist nach der jüngsten EZB-Entscheidung noch nicht erreicht." Mit dem billigen Öl im Rücken könnte 2015 "besser werden als noch vor kurzem gedacht. Ein Selbstläufer ist das aber noch nicht."

Holger Sandte von der Nordea Bank verwies darauf, dass angesichts der Entwicklungen Öl und Euro alles andere als eine Konjunkturbeschleunigung "auch ein echtes Rätsel" wären. Für ihn allerdings könnte die unklare Situation in Griechenland das Klima in den nächsten Monaten belasten. "Ein Unfall ist da nicht auszuschließen." Durch einen Kompromiss allerdings "dürfte die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter steigen".

Für Andreas Scheuerle  von der Dekabank haben die deutschen Unternehmen den Abwärtstrend ihrer Stimmung überwunden. "Das entschiedene Handeln der EZB dürfte Befürchtungen zerstreuen, dass die Unternehmen ihre Absatzpreise nicht durchsetzen können."

Quelle: n-tv.de

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