Wirtschaft
Die Zentrale des Autozulieferers Kiekert, in Heiligenhaus. Der nordrhein-westfälische Autozulieferer und Weltmarktführer von Pkw-Schließsystemen wurde im März 2012 vom börsennotierten chinesischen Automobilzulieferer Lingyun (Peking) übernommen.
Die Zentrale des Autozulieferers Kiekert, in Heiligenhaus. Der nordrhein-westfälische Autozulieferer und Weltmarktführer von Pkw-Schließsystemen wurde im März 2012 vom börsennotierten chinesischen Automobilzulieferer Lingyun (Peking) übernommen.(Foto: picture alliance / dpa)

Keine Angst vor Investoren aus China: Deutsche Unternehmen profitieren

Deutsche Firmen mit ihrem technologischen Know-how sind ein beliebtes Übernahmeziel für chinesische Unternehmen. Das schürt Ängste vor einem Ausverkauf deutscher Hochtechnologie. Eine Studie zeigt jetzt, die Sorge ist unbegründet. Die Investoren aus Fernost kommen, um zu bleiben und zu investieren.

Viele chinesische Firmen sind entgegen landläufigen Vorurteilen langfristig orientierte Investoren. Sie kaufen einer Studie zufolge nicht nur deutsche Unternehmen, sondern sie investieren danach auch weiter in die Forschung und Entwicklung hierzulande. Anders als vielfach befürchtet ziehen die Käufer aus dem Reich der Mitte Hochtechnologie also nicht einfach ab, sondern setzen auf eine enge Zusammenarbeit mit den übernommenen Unternehmen. Das  geht aus einer Untersuchung der Technischen Universität München (TUM) und der Beratungsfirma Munich Innovation Group hervor. Für die Studie untersuchten die Forscher die Einkaufspolitik von 50 chinesischen Unternehmen.

"Die Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen ist nicht per se eine Gefahr", sagte Professorin Isabell Welpe. "In vielen Fällen war es für das übernommene deutsche Unternehmen eine echte Chance, mit dem starken finanziellen Hintergrund der Investoren Arbeitsplätze und Produktionskapazitäten zu retten, Technologien weiter zu entwickeln sowie den asiatischen Markt zu erschließen." Zwar suchten die Käufer gezielt nach Firmen mit wertvollen Patenten, würden dieses Wissen aber nicht einfach mitnehmen.

"Stattdessen stärkten mehr als 75 Prozent die deutschen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. In vielen Fällen bleibt das deutsche Management im Unternehmen", heißt es in der Studie. Auf der Wunschliste der Chinesen stehen mittelständische Industriebetriebe, darunter prominente Namen. So wurde etwa der Betonpumpenhersteller Putzmeister vom Baumaschinenriesen Sany gekauft, der Industriekonzern Weichai Power stieg beim Gabelstaplerbauer Kion ein. Auch Autozulieferer wie Preh, Sellner, Saargummi oder der Weltmarktführer für Autoschließsysteme, Kiekert, sind mittlerweile chinesisch.

Wettbewerbsvorteil in China

Einer Studie von Ernst & Young zufolge ist Deutschland nach China und den USA für Manager aus dem Reich der Mitte das attraktivste Investitionsziel der Welt, vor allem im Maschinenbau und der Automobilindustrie. Die Hälfte der von der TUM untersuchten Zukäufe diente den chinesischen Unternehmen dazu, die eigene Produktpalette um neue Technologien zu erweitern. Der Zugang zu Hochtechnologie sei ein wichtiger Treiber bei der Suche nach Übernahmekandidaten.

"Mit dem verbesserten Produktportfolio wollen die Unternehmen ihre Stellung auf dem heimischen Markt verbessern", heißt es weiter. Zugleich wollen sich die Firmen aber eine gute Startposition für die Märkte in Europa und Deutschland selbst sichern. Doch es gehen nicht nur um den Erwerb neuer Technik: "Vielmehr wollen sie die Möglichkeit nutzen, den europäischen und auch den US-amerikanischen Markt zu beobachten und zu verstehen", schreiben die Autoren der Studie.

Quelle: n-tv.de

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