Wirtschaft
Zwar stiegen die deutschen Exporte um 0,9 Prozent, die Importe legten mit 1,6 Prozent aber wesentlich stärker zu.
Zwar stiegen die deutschen Exporte um 0,9 Prozent, die Importe legten mit 1,6 Prozent aber wesentlich stärker zu.(Foto: picture alliance / dpa)

Drogenhandel mitgerechnet: Deutsche Wirtschaft verliert an Schwung

Erst starker Jahresauftakt, dann internationale Krisen: Die Wirtschaft in Deutschland schrumpft im zweiten Quartal leicht. Die Kauflaune der Bürger ändert daran nichts. Auch nicht, dass die Statistiker erstmals neue, eher kuriose Faktoren berücksichtigen.

Die deutsche Wirtschaft ist erstmals seit gut einem Jahr geschrumpft. Wegen des schwächelnden Außenhandels und sinkender Investitionen ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Statistiker bestätigten damit ihre erste Schnellschätzung.

Volkswirte hatten diese Abschwächung erwartet, nachdem das erste Quartal wegen des sehr milden Winters ein sehr kräftiges Wachstum gezeigt hatte. Zudem waren internationale Krisen, etwa in der Ukraine und im Nordirak, als neue Belastungsfaktoren hinzugekommen.

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In das BIP fließt der Wert aller Waren und Dienstleistungen ein, die innerhalb eines Landes hergestellt werden. Zuletzt war die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2013 geschrumpft, damals um 0,4 Prozent.

Bundesbürger kauften mehr ein

Das Statistische Bundesamt wendet nun die neuen europäischen Regeln zur Berechnung des BIP an. Damit steigern zum Beispiel auch Drogenhandel, Prostitution und der Kauf von Kriegsgerät die Wirtschaftsleistung. Zudem werden ab sofort auch Forschung und Entwicklung als eigenständige Wertschöpfung angesehen.

Positive Impulse kamen im Frühjahr vom Konsum: Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben legten um 0,1 Prozent zu. Die Unternehmen zeigten sich hingegen vorsichtig und kürzten ihre Investitionen: In Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge flossen 0,4 Prozent weniger als im Vorquartal.

Der Außenbeitrag - die Differenz aus Exporten und Importen - konnte das BIP ebenfalls nicht stützen: Zwar stiegen die Exporte um 0,9 Prozent, die Importe legten mit 1,6 Prozent aber wesentlich stärker zu. Im Saldo bremste der Außenhandel somit das BIP-Wachstum um 0,2 Prozentpunkte.

Ökonomen: Deutschland weiter auf Wachstumskurs

Auf Jahressicht lag das BIP im ersten Quartal kalenderbereinigt um 1,2 Prozent höher. Auch damit bestätigten die Statistiker ihre erste Datenveröffentlichung. Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die Wirtschaft um 0,8 Prozent gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2013. Im Juni hatte die Bundesbank für Deutschland ein Wachstum von 1,9 Prozent für dieses Jahr in Aussicht gestellt.

Ende Juli hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann allerdings schon eingeräumt, dass der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts etwas hinter dieser Prognose zurückbleiben könnte. Viele Ökonomen glauben nicht, dass die deutsche Wirtschaft dauerhaft den Wachstumskurs verlassen wird. Der Konsum in Deutschland sei immer noch erfreulich stark. Hinter der jetzigen Delle stünden vor allem die weltweiten Krisen und die Schwäche großer Euro-Staaten, sagten diese Experten.

Maschinenbauer spüren schlechteres Geschäftsklima

Unterdessen stagniert es in der Branche der Maschinenbauer: Die Auftragseingänge blieben im Juli unverändert, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. Während die Bestellungen aus Deutschland um sechs Prozent zurückgingen, stiegen die Orders aus dem Ausland um vier Prozent. "Die zunehmenden Ausfälle im Russlandgeschäft konnten durch ein Plus in außereuropäischen Staaten und durch ein in diesem Monat starkes Großanlagengeschäft überkompensiert werden", erklärte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann.

Dagegen sei die Nachfrage im Inland wohl durch das verschlechterte Geschäftsklima gedämpft worden. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Mai bis Juli legten die Auftragseingänge um zwei Prozent zu. Das Inlandsgeschäft schrumpfte um zwei Prozent, die Auslandsaufträge kletterten um vier Prozent. Der Maschinenbau als Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft ist in den vergangenen Monaten infolge der politischen und wirtschaftlichen Krisen in der Welt ins Stottern geraten.

Quelle: n-tv.de

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