Wirtschaft
Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain: "Wir erwarten die Bildung weiterer Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten".
Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain: "Wir erwarten die Bildung weiterer Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten".(Foto: picture alliance / dpa)

Prozesslawine belastet Quartalszahlen : Deutscher Bank droht Gewinn-Gau

Von Hannes Vogel

Die Deutsche Bank steht vor einem dramatischen Gewinneinbruch: Wie stark werden die Milliardenkosten für fragwürdige Geschäfte der Vergangenheit Deutschlands größtes Geldhaus belasten? Bankchef Jain rechnet mit dem Schlimmsten. Und Anzeichen aus den USA lassen nichts Gutes erwarten.

Die Botschaft, die die Deutsche Bank am Dienstag mit ihren Quartalszahlen bekannt geben wird, steht eigentlich schon fest: Deutschlands größtes Geldhaus erwartet einen dramatischen Gewinneinbruch. Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank, hat sie selbst verkündet. Im Handel mit Anleihen herrscht Flaute, das Investmentbank schwächelt. Der Gewinn dürfte unterm Strich im dritten Quartal um die Hälfte schrumpfen, erwarten Analysten. Denn weltweit fordern Anleger und Aufseher von der Deutschen Bank Milliarden zurück für die fragwürdigen Geschäfte, die ihre Investmentbanker jahrelang ungestört gemacht haben.

Jains Kommunikationsstrategie zeigt, wie groß die Angst vor dem Absturz ist: Bereits vor mehr als einem Monat bemühte sich der Bankchef, der Hiobsbotschaft ihre Wucht zu nehmen. Schlechte Neuigkeiten verkündet man eben am besten kurz und schmerzlos: "Wir gehen davon aus, dass die Einnahmen im Anleihegeschäft deutlich geringer ausfallen als im Vorjahr", dämpfte Jain damals auf einer Analystenkonferenz die Erwartungen. Das Außergewöhnliche: Die Bank verbreitete die pessimistischen Äußerungen ihres Co-Chefs anschließend sogar per Pressemitteilung. Niemand soll die Warnung schließlich überhören. Mit langer Vorlaufzeit lässt sich der Investoren-Schock abfedern. Und die schlechten Zahlen besser verkaufen, wenn die niedrigen Vorgaben erfüllt oder sogar leicht übertroffen werden.

Investoren-Schock dank Prozess-Lawine

Hängengeblieben sein dürfte bei den Anlegern dagegen noch eine weitere Nachricht: Man rechne mit weiteren Belastungen für Rechtsstreitigkeiten, fügte Jain am Ende fast beiläufig hinzu. Selbst der Bankchef persönlich kommt längst nicht mehr umhin, die dunkle Vergangenheit zu erwähnen, die die Deutsche Bank einfach nicht los wird. Die juristischen Spätfolgen ihrer Zocker-Geschäfte fressen ihre Gewinne auf und drohen sie zu erdrücken. Systematische Zinsmanipulation, Betrug mit faulen Hypothekenpapieren, Umsatzsteuerhinterziehung: Die Vorwürfe von Investoren und Strafverfolgern in der ganzen Welt haben inzwischen auch erhebliches finanzielles Gewicht.

Drei Milliarden Euro hat die Deutsche Bank inzwischen für Prozesse, Rechtsstreitigkeiten und Strafen infolge der fragwürdigen Geschäfte im Investmentbanking zurückgestellt. Beim Amtsantritt der neuen Bankchefs Jain und Fitschen im vergangenen Jahr war es nur eine Milliarde Euro. Analysten rechnen nun im dritten Quartal im Schnitt mit neuen Belastungen von 400 bis 500 Mio. Euro. Dabei hatte die Deutsche Bank schon im zweiten Quartal weitere 630 Mio. Euro für Prozesse zurückstellen müssen, der Gewinn schrumpfte um die Hälfte auf gerade noch 335 Mio. Euro. Die Ratingagentur Standard & Poor's warnte schon im Sommer, dass die Prozesskosten und die Marktflaute längst zum bedrohlichen Problem geworden sind.

Schmutzige Geschäfte am Immobilienmarkt

Bereits ein flüchtiger Blick auf einen kleinen Ausschnitt der Klageflut zeigt das Ausmaß des Prozess-Problems. Der US-Immobilienmarkt war die Goldgrube der Deutschen Bank vor dem großen Crash - und wurde zum Epizentrum der Finanzkrise. Das Frankfurter Institut verdiente wie alle Investmentbanken Milliarden damit, Kredite von US-Häuslebauern zu neuen Papieren zu verpacken und an Investoren weiterzuverkaufen – auch an die staatlich garantierten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.

Die kollabierten schließlich unter der Last fauler Kredite, die in den Hypothekenpapieren steckten, und mussten vom US-amerikanischen Staat gerettet werden. 2011 verklagte daher die US-Immobilienbehörde FHFA, die Fannie und Freddie seitdem treuhänderisch verwaltet, 18 internationale Großbanken wegen Betrug – darunter auch die Deutsche Bank.

Die Prozesse entwickeln sich überaus schlecht für die Geldhäuser. Bislang hatten sich in dem Streit eher die kleinen Fische mit der FHFA geeinigt, die nur in geringem Umfang Papiere an Fannie und Freddie verkauft hatten: UBS (4,5 Mrd. US-Dollar), Citigroup (3,5 Mrd. US-Dollar) und General Electric (0,55 Mrd. US-Dollar). Doch nun müssen auch die Schwergewichte JP Morgan und Bank of America für den Milliardenbetrug büßen. JP Morgan einigte sich mit der FHFA auf eine Strafe von 5,1 Mrd. US-Dollar, insgesamt muss die größte US-Bank wohl 13 Mrd. US-Dollar berappen. Auf Bank of America soll eine Strafe von sechs Mrd. US-Dollar zukommen.

Die Rekordbußen lassen nichts Gutes für die Deutsche Bank hoffen. Denn das Geldhaus war ebenfalls einer der größten Spieler im Geschäft mit schmutzigen US-Hypotheken. Nach JP Morgan (33 Mrd. US-Dollar), Bank of America (rund 32 Mrd. US-Dollar), Royal Bank of Scotland (30,4 Mrd. US-Dollar) und Merrill Lynch (24,8 Mrd. US-Dollar) ist die Deutsche Bank (14,2 Mrd. US-Dollar) die Nummer 5 auf der Hit-Liste der FHFA. Auf die Deutsche Bank dürfte angesichts der Schadenssumme eine hohe Strafe zukommen. Doch sie erwähnte die FHFA-Klage in ihrem letzten Quartalsbericht explizit mit keinem Wort. Das dürfte sich bald ändern.

Quelle: n-tv.de

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