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Von Rezession bis Aufschwung: So stehen die Euro-Sorgenkinder da

Deutschlands Wirtschaft wächst. Die größte Ökonomie der Eurozone ist damit aber die Ausnahme. Andere Schwergewichte wie Frankreich und Italien haben noch immer große Probleme. Anderen Krisenstaaten geht es noch schlechter.

Spanien ist knapp aus der Rezession, Frankreich an der Schwelle und Italien steckt immer noch mittendrin: Die Problemländer der Eurozone haben sich im dritten Quartal unterschiedlich entwickelt. Nachfolgend ein Überblick über die konjunkturelle Lage und die Aussichten:

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland.

"Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück.

Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft.

2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft steckt weiter tief in der Rezession - auch wenn sich die Talfahrt verlangsamt. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Juli und September um 3,0 Prozent zum Vorjahresquartal. Das war der geringste Rückgang seit drei Jahren und entspricht weitgehend der Erwartung von Volkswirten. Im Frühjahr hatte es ein Minus von 3,7 Prozent gegeben.

Griechenland steckt im sechsten Jahr der Rezession und leidet wegen des harten Sparkurses unter hoher Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote verharrte im August mit 27,3 Prozent auf dem Niveau von Juli und liegt damit mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt im gesamten Euroraum.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass die griechische Wirtschaft in diesem Jahr um vier Prozent schrumpft und erst 2014 mit 0,6 Prozent wieder wächst: "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsproukt in diesem Jahr zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken.

Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

Zum Vergleich: Deutschland

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal mehr als halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Juli bis September nur noch um 0,3 Prozent im Vergleich zum Frühjahr. Ökonomen hatten mit diesem Ergebnis gerechnet. Im zweiten Quartal gab es wegen Nachholeffekten nach dem langen Winter noch ein Plus von 0,7 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte Europas größte Volkswirtschaft stagniert.

Für das laufende vierte Quartal rechnet das Bundeswirtschaftsministerium wieder mit einem höheren Tempo. Trotzdem wird es den Wirtschaftsweisen zufolge im Gesamtjahr nur zu einem Plus von 0,4 Prozent reichen. 2014 sollen es dann 1,6 Prozent sein.

Eurozone

Die Wirtschaft in der Eurozone ist im dritten Quartal um 0,1 Prozent gewachsen. Damit legte die Wirtschaft des Euroraums in den Monaten Juli bis September deutlich weniger zu als noch im Vorquartal, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Von April bis Juni hatten die Staaten der Währungsunion noch ein gemeinsames Wachstum von 0,3 Prozent erwirtschaftet. Alle 28 EU-Staaten verzeichneten demnach im dritten Quartal ein Wachstum von 0,2 Prozent. Auch hier hatte der Wert im Vorquartal noch bei 0,3 Prozent gelegen.

Quelle: n-tv.de

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