Wirtschaft
Europäische Realität: "Positive Wachstumsimpulse dürften nur aus dem Inland kommen."
Europäische Realität: "Positive Wachstumsimpulse dürften nur aus dem Inland kommen."(Foto: picture alliance / dpa)

Wirtschaftsweise erkennen Probleme: Deutschland verliert Schwung

Die Erschütterungen der Schuldenkrise treffen Deutschland an empfindlicher Stelle: Die Fastpleite Zyperns verunsichert den gesamten Euroraum. Unternehmen treten bei den Ausgaben zunehmend auf die Bremse. Die Berater der Bundesregierung reagieren - und kappen ihre Wachstumsprognose.

Die Experten aus dem Sachverständigenrat, der die Bundesregierung in Fragen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berät, haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland kräftig nach unten korrigiert.

2013 werde nur noch ein Mini-Plus von 0,3 Prozent erwartet, teilten die fünf Wirtschaftsweisen mit. Im Herbst hatte das Expertengremium noch 0,8 Prozent vorhergesagt. Mit ihrer neuen Schätzung nähern sich die Ökonomen den Prognosen von Bundesbank und Regierung an, die beide mit einem Wachstum von 0,4 Prozent rechnen.

Grund für die entschlossene Absenkung sei der unerwartete Einbruch im vierten Quartal 2012, als das Bruttoinlandsprodukt mit 0,6 Prozent so stark schrumpfte wie seit Anfang 2009 nicht mehr, erklärten die Wirtschaftsweisen. Dadurch sei die deutsche Wirtschaft mit einer Hypothek ins laufende Jahr gestartet.

"Positive Wachstumsimpulse dürften nur aus dem Inland kommen - vor allem von den privaten Konsumausgaben, die sich angesichts der anhaltend guten Situation auf dem Arbeitsmarkt weiterhin robust entwickeln dürften", schrieben die Experten. Dagegen dürften die Unternehmen wie schon 2012 weniger investieren - vor allem wegen der Verunsicherung durch die anhaltende Schuldenkrise in Europa.

Die Investitionen bleiben nach der Prognose hingegen zumindest in der ersten Jahreshälfte schwach, die Wirtschaftsweisen rechnen im Gesamtjahr mit einem Rückgang um 3,0 Prozent. "Wir sehen den Aufwärtstrend bei den Geschäftserwartungen, aber in den harten Fakten wie beim Auftragseingang ist noch keine Belebung erkennbar", sagte ein Mitarbeiter des Sachverständigenrats.

Gerade auf Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen habe sich die gute Stimmung noch nicht durchgeschlagen. Schon 2012 hatten viele Unternehmer ihre Investitionen auf Eis gelegt, weil sie durch die europäischen Schuldenkrise verunsichert waren. Die Unsicherheit sei zuletzt wieder gestiegen.

Auch der Außenhandel wird nach Einschätzung der Sachverständigen im Jahresdurchschnitt keinen Wachstumsbeitrag liefern. Insgesamt dürften die Importe demnach stärker zunehmen als die Exporte.

Kommt 2014 der Aufschwung?

Die Zahl der Arbeitslosen wird dem Expertengremium um den Essener Wirtschaftsprofessor Christoph Schmidt zufolge 2013 auf 2,949 Millionen steigen. Das wären rund 50.000 mehr als im abgelaufenen Jahr. Die Zahl der Erwerbstätigen soll dagegen um 0,3 Prozent auf 41,7 Millionen zulegen.

Für das kommende Jahr erwarten viele Experten einen kräftigen Aufschwung. Das von Schmidt geleitete Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet dann ein Wachstum von 2,1 Prozent. "Mit der weiteren Erholung der Weltwirtschaft dürften dann die Exporte rascher steigen, was sich positiv auf die Investitionen auswirken würde", hieß es.

Außer Schmidt gehören dem Sachverständigenrat noch Peter Bofinger, Claudia Buch, Lars Feld und Volker Wieland an. Das Gremium wurde 1963 ins Leben gerufen, um die Regierung wirtschaftspolitisch zu beraten.

Quelle: n-tv.de

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