Wirtschaft

Zweiter Rettungsversuch: Dexia-Bank wird verstaatlicht

Die Tage der Dexia-Bank sind gezählt. Belgien und Frankreich beschließen, das Institut aufzuspalten und die Teile zu verstaatlichen. Die Finanzmärkte schauen mit Argusaugen auf den Fall: Er gilt vielen Investoren als Test dafür, ob es Europa gelingt, den Zusammenbruch von Banken zu verhindern.

(Foto: REUTERS)

Der durch die Schuldenkrise ins Straucheln geratene belgisch-französische Finanzkonzern Dexia wird zerschlagen. Wie der belgische Premierminister Yves Leterme nach einer nächtlichen Krisensitzung bestätigte, übernimmt Brüssel den belgischen Arm des Geldhauses, der vor allem das Filialgeschäft betreibt. Für die Übernahme zahlt der Staat vier Mrd. Euro, dazu kommen Garantien in Milliardenhöhe für risikoreiche Wertpapiere.

Der Preis sei "angemessen", sagte Finanzminister Didier Reynders. Die belgische Regierung wolle die Bank nicht für immer behalten, sich aber auch nicht "schnell" wieder zurückziehen. Es gehe darum, den "Fortbestand" der Bank zu sichern. Das Geld der Bankkunden sei auf ihren Konten "in Sicherheit", betonte Leterme.

Milliardengarantien

Die Bank, die in Belgien 850 Niederlassungen und in Frankreich keine einzige Filiale hat, ist der größte Kreditgeber der Gemeinden, Städte und Regionen in Frankreich. Auf französischer Seite sollen die beiden staatlichen Banken Caisse des Dépôts und Banque Postale die Kredite von mehr als 70 Mrd. Euro übernehmen, die Dexia den französischen Kommunen gewährte.

In Luxemburg betreibt Dexia eine Privatbank für vermögende Kunden. Der Zweig werde von einem internationalen Investor übernommen, hieß es.

Zugleich kündigte Leterme an, dass Risikopapiere im Wert von 90 Mrd. Euro in eine sogenannte "Bad Bank" ausgelagert werden sollen, für die Regierungen von Belgien, Frankreich und Luxemburg garantieren. Auf Belgien entfalle ein Anteil von 60,5 Prozent oder 54 Mrd. Euro. Frankreich trage 36,5 Prozent, Luxemburg 3 Prozent. Im Gegenzug für die Staatsgarantien wird Dexia insgesamt 450 Mio. Euro zahlen, davon 270 Mio. an Belgien.

Liquiditätsprobleme

Dexia ist stark in Griechenland engagiert und war in den vergangenen Tagen durch Liquiditätsprobleme erneut ins Schlingern geraten. Die Bank braucht dringend Mittel, um die vergebenen langfristigen Darlehen zu refinanzieren. Die Zwangslage ähnelt der der deutschen Hypo Real Estate (HRE), die - ebenfalls ein Staatsfinanzierer - in der Finanzkrise verstaatlicht werden musste.

Dexia steckte bereits vor drei Jahren zu Beginn der Finanzkrise in ernsten Schwierigkeiten. Damals hatten Frankreich, Belgien und Luxemburg das Institut mit 6,4 Mrd. Euro gestützt und ihm öffentliche Garantien in Höhe von 150 Mrd. Euro gegeben. Seitdem halten Frankreich und Belgien Anteile an der Bank.

Am Schicksal des französischen Arms hängt auch die Deutschland-Tochter Dexia Kommunalbank in Berlin. "Wir gehen davon aus, dass die Rettungsbemühungen um den Dexia-Konzern die deutsche Tochter stabilisieren werden", sagte ein Sprecher der Finanzaufsicht BaFin. Die Muttergesellschaft hat auf Druck der BaFin eine "harte Patronatserklärung" für die deutsche Gesellschaft abgegeben, muss also für deren Liquidität und mögliche Verluste geradestehen.

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Quelle: n-tv.de

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