Wirtschaft
Krumme Deals der Deutschen Bank gefährden ihre Stabilität und laden Spekulanten zur Attacke ein.
Krumme Deals der Deutschen Bank gefährden ihre Stabilität und laden Spekulanten zur Attacke ein.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 30. September 2016

"Markt preist Deutsche-Bank-Crash ein": Die Attacke der Angstmacher

Von Hannes Vogel

Die Deutsche Bank hat ein Riesenproblem: Kunden zweifeln an ihrer Stabilität. Eigentlich droht keine Pleite. Doch das ist egal: Gewinnen die Spekulanten die Oberhand, besteht die "reale Möglichkeit, dass die Deutsche Bank untergeht".

Unter normalen Umständen wäre es kaum eine Nachricht: Einige große und einflussreiche US-Hedgefonds haben Geld von der Deutschen Bank auf andere Finanzinstitute verlagert und ihre Handelsaktivitäten mit dem Geldhaus zurückgefahren. Es geht um ein paar von insgesamt hunderten Milliarden Dollar, die die Deutsche Bank verwaltet. "Peanuts" hätte die Bank das früher genannt.

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Doch die Zeiten sind nicht normal. Deutschlands größtes Geldhaus steckt in einer Existenzkrise. Der Aktienkurs ist auf den tiefsten Stand aller Zeiten gefallen. Wegen krummer Deals vor der Finanzkrise droht dem Geldhaus eine lebensgefährliche Strafe der US-Justiz. Die Deutsche Bank wird die Forderung von 14 Milliarden Dollar wohl noch herunterhandeln können. Aber niemand weiß, ob sie es schafft, die Buße aus eigener Kraft zu zahlen.

Uns so fragen sich Anleger und Beobachter: Stecken hinter dem Rückzug der Hedgefonds ganz normale Geldgeschäfte? Oder flüchten die ersten Kunden vor einer Pleite der Deutschen Bank? Der Aktienkurs brach nach der Nachricht aus den USA um rund sieben Prozent ein und notierte erstmals unter der Zehn-Euro-Marke.

Spekulanten greifen die Bank an

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Die Deutsche Bank stemmt sich mit aller Macht gegen den Abwärtssog. Ihr Chef John Cryan hat alle Mitarbeiter in einem Brief aufgerufen, Ruhe zu bewahren: "Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden". Mit Liquiditätsreserven von mehr als 215 Milliarden Dollar habe die Bank einen "überaus komfortablen Puffer". Auffällige Abflüsse von Kundengeldern gebe es nicht, beteuert auch der Chef der Vermögensverwaltung. Man müsse sich um ihre finanzielle Stabilität keine Sorgen machen, hatte ein Sprecher schon am Donnerstag betont. Das Problem ist nur: Einige US-Hedgefonds sehen das anders. Die Deutsche Bank schafft es nicht, die Unsicherheit auszuräumen. Sie ist der ideale Nährboden für Panikmacher und Spekulanten.

Anzeichen für einen unmittelbaren Zusammenbruch der Deutschen Bank gibt es zwar nicht. Aber einige Hedgefonds wetten darauf, um Geld zu verdienen. Sie setzen auf fallende Kurse und haben deswegen ein Interesse daran. Egal ob sie Recht mit ihrer Angst haben, oder sie bloß schüren wollen, um Geld zu machen: Wenn genug Anleger sich in die Herde der Pessimisten einreihen, fällt der Kurs. Es ist die brutale Logik von Angebot und Nachfrage, die selbsterfüllende Prophezeiung der Märkte.

"Untergang der Bank ist reale Möglichkeit"

Ein erstes Zittern ist längst spürbar. Die Risikoaufschläge für Kreditausfallversicherungen von Deutsche-Bank-Anleihen schießen nach oben. Die Prämien für fünfjährige Anleihen stiegen am Freitag auf das höchste Niveau seit fünf Jahren. Sie legen fast wieder so hoch wie auf dem Höhepunkt der Eurokrise. Bondanalystin Louise Cooper spricht angesichts der Marktreaktion von einer "realen Möglichkeit, dass die Deutsche Bank untergeht".

Bei nachrangig besicherten Anleihen rechneten Investoren mittlerweile mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 15 bis 20 Prozent. "Auch wenn der Untergang der Deutschen Bank keine Option sein darf, beginnt der Markt damit, diese einzupreisen", sagt Cooper. Für eine Bank, die auf Vertrauen angewiesen sei, seien das "schreckliche Nachrichten".

Es ist kaum zu glauben, dass sie zufällig an die Presse gelangten. Zu den Hedgefonds, die Geld von der Deutschen Bank abzogen und damit die Verkaufswelle auslösten, soll zum Beispiel Magnetar Capital gehören. Der Finanzinvestor ist als Spekulant berüchtigt. Vor der Finanzkrise 2008 setzte er massiv auf den Zusammenbruch der US-Hypothekenblase, indem er mithilfe großer Banken vermeintlich stabile Papiere auflegte und dann hinterrücks gegen sie wettete.

Die Deutsche Bank hat es also mit mächtigen und geübten Gegnern zu tun. Sie muss schleunigst ein Mittel finden, das den Schwelbrand in ihrer Bilanz löscht und die Unsicherheit über ihre Stabilität ausräumt. Ein einziges Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel oder EZB-Chef Mario Draghi würde schon reichen.

Quelle: n-tv.de

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