Wirtschaft
Den meisten Deutschen in der Lebensmitte geht es gut. Doch ein Teil der Bevölkerung bleibt auf der Strecke.
Den meisten Deutschen in der Lebensmitte geht es gut. Doch ein Teil der Bevölkerung bleibt auf der Strecke.(Foto: picture alliance / dpa)

Säulen der Gesellschaft ohne Halt?: Die Generation Mitte ist gespalten

Von Hannes Vogel

Laut einer neuen Studie sind die meisten Deutschen zwischen 30 und 59 vor allem eins: satt und zufrieden. Doch ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung fühlt sich abgehängt. Und vor allem eines fürchten viele.

Sie sind zwischen 30 und 59, berufstätig und erwirtschaften mehr als 80 Prozent der Steuereinnahmen. Sie finanzieren die Sozialsysteme und ziehen die kommende Generation groß. 35 Millionen Menschen sind das in Deutschland. Es lohnt sich also, danach zu fragen, wie die Träger der deutschen Wohlstandsgesellschaft ticken.

Das Allensbach-Institut untersucht deshalb seit 2013 im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), wie es dieser "Generation Mitte" geht und welche Wünsche und Ängste sie hat. Dafür haben die Forscher 1020 Männer und Frauen im entsprechenden Alter zwischen 30 und 59 befragt.

Eine satte Generation

Die Studie zeichnet das Bild einer reichen Generation, die grundsätzlich sehr zufrieden mit den Verhältnissen in Deutschland ist. 91 Prozent schätzen die allgemeine Lebensqualität als gut oder sehr gut ein. Auch ihre persönliche Lage bewerten mehr als drei Viertel als sehr gut oder gut. Froh sind mehr als 70 Prozent vor allem über die politische Stabilität und die wirtschaftliche Lage. Rund 70 Prozent loben auch das System der sozialen Sicherung.

Ein gutes Fünftel der 30- bis 59-Jährigen fühlt sich dagegen abgehängt. Vor allem Menschen mit geringerem Einkommen und Bildung sehen für ihre Zukunft eher schwarz. Nur rund die Hälfte von ihnen (48 Prozent) findet ihre persönliche Situation gut oder sehr gut. Zudem sagen rund 40 Prozent der Geringverdiener, dass sich ihre Lage in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Zufrieden sind dagegen ganz überwiegend diejenigen, die am reichsten sind: 94 Prozent der Deutschen mit hohem Einkommen und Bildung beurteilen ihre Lage positiv.

Defizite sehen die meisten vor allem im sozialen Bereich: Nur 30 Prozent meinen, dass die Bürger gut verdienen. Nur 26 Prozent finden, dass sich Familie und Beruf in Deutschland gut vereinbaren lassen. Und nur 15 Prozent halten die Kluft zwischen Arm und Reich für nicht zu groß. 68 Prozent wünschen sich deshalb, dass der Staat für weniger Unterschiede zwischen den Einkommensschichten sorgt. Bezahlen wollen sie dafür aber nicht. Denn der wichtigste Wunsch zur Verbesserung der Lebensqualität lautet: weniger Steuern. 71 Prozent sind dafür.

Mehr Gerechtigkeit und Altersangst       

Grund für den Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit gibt es genug. Denn die Mitte der Gesellschaft zerfällt immer mehr in zwei Hälften: die eine hat bereits geerbt oder erwartet eine Erbschaft (41 Prozent), die andere kann damit nicht rechnen (59 Prozent). Das trägt dazu bei, dass sich die soziale Kluft verfestigt: Von ihren Eltern beglückt zu werden, können vor allem die erwarten, die ohnehin schon viel verdienen (57 Prozent), Geringverdiener dagegen kaum (25 Prozent).

Einig ist sich die Mitte auch darin, dass der deutsche Wohlstand viel zu stark am Wirtschaftswachstum gemessen wird: 84 Prozent sprechen sich dafür aus, den Wohlstand eines Landes nicht ausschließlich am Bruttosozialprodukt festzumachen. Die Höhe der Arbeitslosigkeit (70 Prozent), die Qualität des Bildungssystems (71 Prozent), und der Lebensstandard im Alter (71 Prozent) sind Kriterien, die aus Sicht der Generation Mitte ebenfalls berücksichtigt werden sollten.

Umso schwerer wiegt es, dass sich fast die Hälfte (48 Prozent) Sorgen macht, dass ihre Altersvorsorge nicht ausreicht. Besonders Geringverdiener halten sich für gefährdet: Von ihnen fürchten sich sogar 67 Prozent vor der Rente. Große Angst haben auch Frauen: Nur 26 Prozent glauben, dass ihre Altersvorsorge reicht, falls ihre feste Beziehung in die Brüche gehen sollte. Verantwortlich für die Altersangst der "Generation Mitte" ist wohl auch sie selbst: Rund drei Viertel geben an, ihre finanzielle Zukunft gar nicht zu planen oder nur eine grobe Vorstellung von ihr zu haben.

Quelle: n-tv.de

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