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Transportintensives Geschäftsmodell: Mit Frachtfliegern, Lkw und Fahrrädern transportieren Postboten Briefsendungen von Aachen bis zur Zugspitze.
Transportintensives Geschäftsmodell: Mit Frachtfliegern, Lkw und Fahrrädern transportieren Postboten Briefsendungen von Aachen bis zur Zugspitze.(Foto: REUTERS)

60 Cent für jeden Brief: Die Post darf aufrunden

Briefeschreiber und Postmarkensammler müssen sich zum Jahreswechsel auf eine Porto-Erhöhung einstellen: Die Aufsichtsbehörde winkt den Antrag des wichtigsten deutschen Briefdienstleisters anstandslos durch.

Haben bald ausgedient: Die 58-Cent-Marken wandern ins Album - oder werden mit Zusatzmarken hochfrankiert.
Haben bald ausgedient: Die 58-Cent-Marken wandern ins Album - oder werden mit Zusatzmarken hochfrankiert.(Foto: dpa)

Über die Zungenspitzen vieler Bundesbürger werden ab dem kommenden Jahr etwas wertvollere Marken gleiten: Die Bundesnetzagentur gibt der Deutschen Post grünes Licht für die Pläne, das Porto für den Standardbrief von derzeit 58 Cent zum 1. Januar 2014 auf 60 Cent zu erhöhen.

Die Cent-Beträge der Verbraucher summieren sich im deutschen Briefverkehr zu bemerkenswerten Beträgen: Analysten erwarten, dass die Porterhöhung um zwei Cent rund 50 Millionen Euro mehr Gewinn in die Kassen der Deutschen Post spülen wird. Und das ist noch nicht alles. Bei den Zusatzleistungen rund um das Einschreiben darf der Bonner Konzern nun ebenfalls erneut an der Preisschraube drehen. Bei internationalen Briefsendungen steigt der Preis für den sogenannten Maxibrief (über 1000 bis 2000 Gramm Gewicht) zum Beispiel um zehn Cent von jetzt 16,90 auf 17 Euro. Der Versand von Paketen im Inland wird künftig neun Cent mehr kosten. Der Preis für Päckchen bleibt konstant.

Das reguläre Briefporto für Standardbriefe hatte die Post erst zu Jahresbeginn angehoben - zum ersten Mal seit 15 Jahren. Seitdem werden Postkunden beim klassischen Briefporto stärker zur Kasse gebeten. Den Preis für den Standardbrief bis 20 Gramm hatte der Konzern damals von 55 Cent auf 58 Cent erhöht.

Die Mail verdrängt den Brief

Die Deutsche Post ist hierzulande das einzige Unternehmen, das eine flächendeckende Versorgung der Verbraucher mit Briefen sicherstellt. Wettbewerber wie TNT Post konzentrieren sich auf die Verteilung von lukrativen Massensendungen in Ballungsräumen. Abgesehen von der wachsenden Konkurrenz durch die neuen Rivalen machen dem früheren Staatskonzern längst auch das sinkende Briefaufkommen und das geänderte Kommunikationsverhalten der Deutschen zu schaffen. Immer mehr Schriftverkehr wird über das Internet abgewickelt. Auch steigen nach Angaben des Konzerns Personalausgaben und andere Kosten wie etwa für Strom und Kraftstoffe.

Die Portoerhöhung ist für das Unternehmen daher eine wichtige Veränderung auf der Einnahmenseite. Der amtliche Durchbruch verbarg sich dabei hinter dürren Worten der Aufsichtsbehörde. "Die von der Antragstellerin mit Antrag vom 15.11.2013 zur Genehmigung vorgelegten Entgelte werden (..) genehmigt", teilte die für Postdienstleistungen zuständige Beschlusskammer der Bundesnetzagentur kurz und knapp mit. Als Regulierer des Postmarktes muss die Netzagentur grundsätzlich alle Preisanpassungen der Post prüfen. Einwände oder Bedenken gab es diesmal offenbar nicht.

Flächendeckende Grundversorgung

Die Kunden der Post erhielten eine "weiterhin qualitativ hochwertige Leistung an sechs Zustelltagen pro Woche", betonte Netzagentur-Präsident Jochen Homann. Die Post hatte Mitte November den entsprechenden Antrag auf Portoerhöhung bei der Aufsichtsbehörde eingereicht. Diesen Antrag genehmigte die Behörde nun. Sie prüfte dabei nach Angaben Homanns insbesondere, ob die Post den Preiserhöhungsspielraum von jährlich 0,2 Prozent unterhalb der Inflationsrate korrekt anwandte.

Schon im Oktober hatten die Aufseher die Weichen für weitere Portoerhöhungen gestellt und dabei einen Vorschlag zur Preisregulierung vorgelegt, der dem Dax-Konzern für die kommenden fünf Jahre deutlich mehr Spielraum für Preiserhöhungen gibt. Im Sommer hatte das Unternehmen angekündigt, die Portopreise künftig im Einklang mit der Inflationsrate anheben zu wollen.

An der Börse reagieren Anleger erfreut: Die Aktien des im Börsenleitindex Dax notierten Konzerns ziehen in einem wenig veränderten Gesamtmarkt um knapp 1 Prozent auf 26,26 Euro an.

Quelle: n-tv.de

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