Wirtschaft
Kamele vor dem Khurais-Ölfeld in der saudichen Wüste zwischen der Hauptstadt Riad und dem Golf-Ölhafen Dammam. Die Wüstenölanbieter bleiben bei ihrem harten Kurs gegen Nicht-Opec-Produzenten.
Kamele vor dem Khurais-Ölfeld in der saudichen Wüste zwischen der Hauptstadt Riad und dem Golf-Ölhafen Dammam. Die Wüstenölanbieter bleiben bei ihrem harten Kurs gegen Nicht-Opec-Produzenten.(Foto: REUTERS)

Kein Krisengipfel zum Ölpreis: "Die Strategie der Opec funktioniert"

Von Diana Dittmer

Der Ölpreis-Absturz wird immer krasser. Für eine Krisensitzung sieht die Opec dennoch keinen Anlass. So absurd es klingt: Die Preispolitik des Kartells geht auf, sagt der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Rechnung beim Öl geht nicht auf, dafür aber die Strategie? Ein bisschen hört sich das an, wie: OP geglückt, Patient tot. Trotz Ölpreis-Crash mit verheerenden Folgen für die Energiefirmen und die Weltkonjunktur will das Kartell der staatlichen Ölförderer Opec an seiner Preispolitik festhalten. Die Botschaft ist unmissverständlich: "Marktanteile vor Preis". Das stellte der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Suhail Mohammed Al Mazroui, jetzt noch einmal klar. Unter dem Gebiet der VAE liegen die siebtgrößten Ölvorkommen der Welt. Die Emirate gelten als die am weitesten entwickelten Vokswirtschaften des Nahen Ostens.

Suhail Al Mazroui, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Suhail Al Mazroui, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).(Foto: REUTERS)

Der Ölpreisabsturz wird dabei immer krasser. Nicht nur Russland - das kein Opec-Mitglied ist - brechen die Einnahmen weg. Auch die Staatshaushalte der reichen Kartellmitglieder sind inzwischen gefährlich geschrumpft: Irak und Algerien macht der Preisverfall zu schaffen. Venezuela droht gar der Staatsbankrott. Und selbst die Einflussreichsten im Öl-Clan, die Saudis, müssen wegen des Absturzes sparen. Der Druck auf die Opec, die Förderquoten zurückzufahren, steigt.

Es sei die Stunde gekommen, "in der wir auf dem Ölmarkt die Zügel in die Hand nehmen und die Basis für Stabilität schaffen müssen", sagte der venezolanische Präsident Nicolás Maduro. Er wolle die Mitgliedstaaten der Opec und andere erdölfördernde Länder zusammenbringen, um eine neue Strategie zu entwerfen. Darüber habe er bereits mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani gesprochen, so Maduro weiter.

Seit Jahresbeginn ist der Preis für das Barrel um 25 Prozent gefallen. Am Montag rutschte die Nordseesorte Brent unter 28 Dollar das Fass. Das war der tiefste Stand seit 2003. Bei dieser Crash-Geschwindigkeit kommen die Ölexperten mit ihren Dumping-Prognosen nicht mehr hinterher. Die US-Investmentbank Goldman Sachs sagte zuletzt ein Absacken auf 20 Dollar in diesem Jahr voraus. Noch im Dezember war die EZB in ihren Konjunktur- und Inflationsprognosen für 2016 von 52,20 Dollar ausgegangen.

Ersäuft die Welt im Öl?

Die Internationale Energiebehörde IAE prognostiziert eine Ölschwemme gigantischen Ausmaßes. In ihrem jüngsten Bericht heißt es: "In einem Szenario, in dem der Iran täglich 600.000 Barrel exportiert und andere Förderländer ihre Produktion nicht drosseln, wird ein Überangebot von 1,5 Millionen Barrel pro Tag erwartet."

Obwohl der Preisverfall für Unternehmen und Staaten längst existenzbedrohend geworden ist, sind die Aussichten auf eine Kursänderung schlecht. "Aus meiner Sicht funktioniert die Strategie der Opec," stellte der Energieminister der Arabischen Emirate klar. Anlass für ein Krisentreffen gebe es nicht. Die erdölfördernden Staaten hatten sich im September 2014 gemeinsam darauf geeinigt, die Fördermengen hoch zu halten und nicht den Preis zu stützen.

Ein "künstlicher" Eingriff am Ölmarkt könne nicht nachhaltig sein, verteidigte Al Mazroui diese Strategie. Bei einem Problem dieses Ausmaßes sei es nicht fair, von der Opec zu verlangen, 2,7 Millionen Barrel vom Markt zu nehmen. Das Kartell sei zu klein, um global Einfluss zu nehmen.

Opec-Mitglieder - auch der Iran - hätten das Recht, so viel Öl zu fördern, wie sie wollten. Der Energieminister der Emirate unterscheidet dabei allerdings zwei Vorgehensweisen bei den Öl-Giganten: Die einen produzierten ohne Rücksicht auf Verluste, weil sie es sich leisten könnten - dies darf wohl als Anspielung auf Saudi-Arabien verstanden werden. Die anderen wollten Investoren ins Land holen. Diejenigen müssten jedoch realistisch sein - eine Spitze gegen den Iran, der nach dem Ende der Sanktionen seinen Platz am Ölmarkt zurückerobern möchte.

"Ende des Jahres ist es vorbei"

Eine Million Barrel in einem Schwung auf den Markt zu bringen, sei nicht realistisch. Der Ajatollah-Staat will bis Ende 2016 genau das schaffen. Den Preisdruck dürfte das weiter verschärfen, auch zum Nachteil des neuen alten Ölförderers selbst.

Aber Al Mazroui ist zuversichtlich. Die Strategie, auf die man sich vor zwei Jahren verständigt habe, werde schon bald aufgehen. Die kostenintensiven Anbieter auf dem Ölmarkt würden das Jahr nicht überleben. Gemeint sind damit vor allem die US-Firmen, die Öl mit der umstrittenen Fracking-Technik fördern und den etablierten Opec-Produzenten ihren Platz streitig machen wollen. Bis Ende 2016 werde der Markt bereinigt sein, sagt der Energieminister.

Laut einer Zwischenbilanz vom Dezember hat die Preispolitik der Opec die Förderung außerhalb des Kartells bereits um 88 Prozent gesenkt. Die ersten sechs Monate dürften nach seinen Worten noch schwierig werden. Danach aber werde sich der Preis stabilisieren. "Die Korrektur am Ölmarkt kommt", ist der Energieminister überzeugt. Mit "nennenswerten Sprüngen" beim Ölpreis sei aber auch in der zweiten Jahreshälfte nicht zu rechnen. Diese Zeiten seien vorbei.

Die Prognose der IEA für das Gesamtjahr ist nüchterner: Sollte sich fundamental nichts ändern, würden die Märkte im Öl ertrinken – der Preis könnte noch weiter fallen. Damit bleibt der Ölpreis die wohl heißeste Wette am Finanzmarkt. Eine Firma der berühmten Koch-Brüder, den Öl-Milliardären, in North Dakota bot kürzlich für ein Barrel minus 50 Cent. Das heißt, der Verkäufer hätte sogar noch draufzahlen müssen.

Quelle: n-tv.de

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