Wirtschaft
Irans Präsident Hassan Ruhani will nach dem Ende der Sanktionen mehr Öl produzieren. Das verschärft den Preiscrash.
Irans Präsident Hassan Ruhani will nach dem Ende der Sanktionen mehr Öl produzieren. Das verschärft den Preiscrash.(Foto: picture alliance / dpa)

"Ertrinken im Überangebot": Versetzt der Iran dem Ölpreis den Todesstoß?

Von Hannes Vogel

Der Ölpreis liegt schon auf dem niedrigsten Stand seit 13 Jahren, mit dem Ende der Iran-Sanktionen grassiert die Angst vor dem Zusammenbruch. Denn Teherans Pläne bedeuten nichts Gutes für den Ölmarkt.

Als am Wochenende die Iran-Sanktionen fielen, war das für die Börsen kein Friedenszeichen, sondern ein Alarmsignal. In Saudi-Arabien fiel der Leitindex um mehr als fünf Prozent. Die Börse von Katar brach um über sieben Prozent ein. Auch in Frankfurt bebten die Kurse. Die Kriegsgefahr ist gebannt, doch für die Märkte ist das kein Grund zum Feiern. Noch mehr als vor einer Atombombe in der Hand der Mullahs zittern die Börsianer inzwischen vor ihrem Öl.

Chart

Denn die Welt schwimmt bereits im schwarzen Gold. Der Ölpreis ist unter 30 Dollar gefallen, liegt auf dem niedrigsten Stand seit 13 Jahren. Ein Liter kostet inzwischen nur noch soviel wie eine Flasche Wasser beim Discounter. Eine spezielle US-Sorte wird sogar schon für fast null Dollar verkauft. Öl umsonst - das gab es noch nie in der modernen Geschichte.

Es tobt ein Preiskampf zwischen Saudi-Arabien, Russland und den USA. Alle drei Länder pumpen um die Wette, um den anderen Marktanteile abzujagen, und drücken dabei den Preis. Weitet nach dem Ende der Sanktionen nun auch noch der Iran seine Produktion aus, könnte das die Preise vollends ruinieren, fürchtet die Internationale Energieagentur (IEA). Der Ölmarkt drohe "in einem Überangebot zu ertrinken", schreibt die IEA in ihrem jüngsten Monatsbericht.

Angst vor der Überproduktion

Video

Schon jetzt pumpen die Staaten des Ölkartells Opec unter Saudi-Arabiens Führung jeden Tag eine Million Barrel mehr als gebraucht wird. Auch Russland fördert soviel Öl wie nie zuvor. Unterm Strich erwartet die IEA im ersten Halbjahr ein Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt von 1,5 Millionen Barrel pro Tag.

Das Angebot der Opec ist im Dezember zwar insgesamt leicht gefallen. Irans Produktion ist dabei aber auf den höchsten Stand seit Juni 2012 gestiegen. Die Ajatollahs brauchen dringend Devisen für den Wiederaufbau ihrer Wirtschaft und wollen die Förderung daher deutlich ausweiten. 500.000 Barrel wollen sie ab sofort zusätzlich pumpen.

Die Ankündigung ist womöglich ein Stück zu optimistisch. Aber selbst die IEA schätzt, dass der Iran bis zum Ende des ersten Quartals seine Förderung um 300.000 Barrel pro Tag erhöhen könnte. Das zusätzliche iranische Öl auf dem Weltmarkt dürfte den Rückgang um 600.000 Barrel, der von Ländern außerhalb der Opec erwartet wird, zum Großteil kompensieren.

Ein mächtiger Spieler kehrt zurück

Die Preise könnten noch weiter abrutschen, warnt die IEA. Teherans Produktionspotential ist gewaltig. Bevor die Sanktionen Irans Wirtschaft lahmlegten, war das Land der zweitwichtigste Ölproduzent der Opec und der viertgrößte Förderer der Welt. Es hat die viertgrößten Reserven.

Durch das Handelsembargo ist die Produktion stetig geschrumpft. Inzwischen pumpt Iran laut IEA täglich nur noch weniger als drei Millionen Barrel, Saudi-Arabien dagegen mehr als zehn Millionen Barrel. Iran ist nach den USA, Russland, Saudi-Arabien, Kanada, Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf den siebten Rang abgerutscht.

Wie schnell der Iran wieder auf die Beine kommt, hängt davon ab, wie zügig er seine Ölindustrie modernisieren kann. Dafür braucht es vor allem milliardenschwere Investitionen. Auch Irans Präsident Hassan Ruhani betont, dass ein kurzfristiger Boom sei unrealistisch. Mittelfristig sieht es dagegen anders aus.

Wie stark Irans Rückkehr an die Märkte den Preis drückt, hängt auch von den anderen Mitspielern im großen Ölpoker ab. In den USA neigt sich der Fracking-Boom dem Ende entgegen. Daten zeigen, dass die Förderung bald zurückgehen dürfte, weil bei den niedrigen Preisen erste Firmen die Waffen strecken. Und auch in den Staatskassen von Saudi-Arabien und Russland tun sich immer größere Löcher auf.  

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen