Wirtschaft
Der "kleine Grieche": Manche kennen bei Steuerfragen "Tricks und Wege".
Der "kleine Grieche": Manche kennen bei Steuerfragen "Tricks und Wege".(Foto: picture alliance / dpa)

"Arme" Griechen überweisen Millionen: Die Tricks der Steuersünder

Mit immer neuen Sparprogrammen will sich Griechenland fit für neue Milliardenhilfen machen. Der Unmut der Bürger ob der immer härteren Einschnitte wächst. Unter ihnen sind aber auch einige, die ihre Schäfchen bereits im Trockenen haben. Ein neuer Steuersünder-Bericht fördert Unglaubliches ans Licht.

Video

Während Griechenland im September bereits das Geld ausgehen könnte und deshalb ein neues Sparpaket geplant ist, sorgt ein Steuersünder-Bericht für Wirbel. Angeblich arme Griechen haben danach Riesensummen auf ausländischen Konten in Sicherheit gebracht. Der krasseste Fall ist laut Athener Zeitung "Ta Nea" ein Mann, der beim Finanzamt null Einkommen angegeben hatte, aber gut 25 Mio. Euro ins Ausland überwies. Das Blatt veröffentlichte eine Kopie der Liste der vermeintlichen Sünder, die bei der griechischen Zentralbank (Bank of Greece) vorliegt. Aus Kreisen des Finanzministeriums wurde der Bericht bestätigt.

Demnach haben 731 Griechen allein 2010 knapp 1 Mrd. Euro ins Ausland überwiesen, unter anderem nach Großbritannien, in die Schweiz und nach Zypern. 403 von ihnen sollen ihrer Steuererklärung zufolge arm sein. Die Liste enthält weitere extreme Fälle. Darunter ist ein Mann, der 2010 ein Einkommen von 25.099 Euro gemeldet hatte und 25,9 Mio. Euro ins Ausland überwies.

Video

Wie Steuerfahnder sagten, ist die Verfolgung der Steuerhinterziehung in Zusammenhang mit diesen Fällen schwierig. Viele Bürger kennen "Tricks und Wege", das überwiesene Geld als Zahlungen ins Ausland wegen Kaufs von Waren zu deklarieren.

Neues Sparprogramm, weitere Milliarden

Der Bericht über die Steuersünder kommt zu einer Unzeit. Die Regierung versucht, ein weiteres Sparprogramm auf die Beine zu stellen. Allein in den kommenden zwei Jahren sollen damit 11,5 Mrd. Euro gespart werden. Von diesem Sparprogramm und weiteren Reformen hängt ab, wie der Bericht der sogenannten Troika der internationalen Geldgeber ausfällt. Die Experten der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen nach eigenen Angaben im September ihre Einschätzung zur Lage in Griechenland vorlegen. Von ihrer Bewertung hängen weitere Geldspritzen für das pleitebedrohte Land ab.

Seit Tagen sickern immer wieder Eckpunkte des geplanten neuen Sparpaketes an die Presse durch. Unter anderem soll demnach das Rentenalter von 65 auf 67 Jahre stufenweise angehoben werden. Die Sozialisten sollen aber nur für eine Erhöhung auf 66 Jahre sein. Auch weitere umfangreichere Rentenkürzungen sind vorgesehen. Außerdem sollen Löhne der Angestellten staatlicher Unternehmen, wie der Elektrizitätsgesellschaft, an die Beamtenlöhne angeglichen werden. Für viele würde dies nach Berechnungen der griechischen Presse einen Lohnverlust von 30 bis 50 Prozent bedeuten.

Renten sollen bei 2200 Euro gedeckelt werden. Die kleine Rente, die Bauern erhalten, soll von 360 Euro auf 330 Euro gekürzt werden, weil die Landwirtschaftsversicherungskasse (OGA) schwer defizitär ist. Auch andere Renten sollen, soweit sie 1000 Euro übersteigen, um fünf bis 15 Prozent gekürzt werden. Diese beiden Sparmaßnahmen sind bislang der größte Streitpunkt und sollten am Montagabend ausführlich besprochen werden.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen