Wirtschaft
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Italien rutscht wieder in Rezession: Die großen Drei lähmen die Eurozone

Die Industrie der Eurozone kommt nicht voran: Aus Deutschland, Frankreich und Italien werden Rückgänge vermeldet. Damit gerät die Erholung bei den Sorgenkindern des Währungsraums in Gefahr. Immerhin heben die deutschen Maschinenbauer den Daumen.

Die schwächelnden Industrien in Deutschland, Frankreich und Italien bremsen die konjunkturelle Erholung der Eurozone. Der Einkaufsmanagerindex fiel im November um 0,5 auf 50,1 Punkte, wie das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter 3000 Unternehmen mitteilte. Damit hielt sich das Barometer nur minimal über der Marke von 50 Zählern, ab der es ein Wachstum signalisiert. Positives vermelden dagegen die deutschen Maschinenbauer: Nach dem Auf und Ab der vergangenen Monate ist die Nachfrage nach Maschinen "Made in Germany" angezogen.

Für die Eurozone sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson: "Die Industrie befindet sich seit August weitgehend in einer Stagnation, doch jetzt ist erstmals seit fast eineinhalb Jahren zu beobachten, dass die drei größten Industrienationen allesamt Einbußen erleiden." Zudem gehe "eine erneute Ansteckungsgefahr von den Kernländern aus". Sein Fazit: "Der deutsche Exportmotor läuft nicht mehr. Auch in Frankreich und Italien nahm das Neugeschäft ab."

Für das dritte Quartal meldete Italien einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auf Jahressicht um 0,5 Prozent. Auf Quartalssicht betrug das Minus 0,1 Prozent. Damit rutschte die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wieder in die Rezession. Zwar zogen die Exporte an, doch stagnierten die Konsumausgaben und die Unternehmen investierten weniger.

Lichtblicke aus Spanien, Irland und den Niederlanden

Dagegen machen laut Markit einige Krisenstaaten Fortschritte. In Spanien wuchsen die Geschäfte so kräftig wie seit mehr als sieben Jahren nicht mehr. In Irland weist das Barometer mit 56,2 Zählern den höchsten Stand aller Euro-Staaten auf. "Spanien, Irland und die Niederlande sorgten erneut für einen Lichtblick", sagte Williamson. "Bedenken bereitet jedoch, dass diese Länder -  ähnlich wie Griechenland und Österreich - Schwierigkeiten haben werden, ihren Aufwärtstrend beizubehalten, sofern sich die Nachfrage in den großen Euro-Ländern nicht bald belebt."

Der Preisdruck blieb in der Eurozone im November gering. Das Beschäftigungsniveau blieb weitgehend unverändert. Dagegen sanken die gesamten Neuaufträge so stark wie seit April 2013 nicht mehr.

Maschinenbauer exportieren mehr

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau vermeldete für Oktober derweil ein Auftragsplus von sieben Prozent. Zum wiederholten Male verlieh der Export Rückenwind, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. Während die Bestellungen im Inland lediglich um ein Prozent zunahmen, wuchs das Auslandsgeschäft um neun Prozent. Vor allem China, die USA sowie Großbritannien, Spanien und die Benelux-Länder orderten Maschinen aus Deutschland, erklärte Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

"Die deutsche Wirtschaft ist offenbar robuster als noch vor wenigen Wochen erwartet", betonte er. Zugleich warnte er vor Übermut. "Eine Stabilisierung ist noch kein Aufschwung." In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatszeitraum August bis Oktober kletterten die Bestellungen um insgesamt sieben Prozent. Dabei stiegen die Inlandsaufträge um drei Prozent, die Auslandsaufträge um acht Prozent.

Die Ukrainekrise und die Sanktionen gegen Russland haben den Maschinenbauern in den vergangenen Monaten zugesetzt. Dennoch peilen die deutschen Maschinenbauer 2014 einen Rekordumsatz von 210 Milliarden Euro an - vier Milliarden mehr als im Vorjahr. Das ursprünglich angestrebte Produktionswachstum von drei Prozent kassierte der Branchenverband im Juli allerdings und erwartet nur noch ein Plus von einem Prozent.

Quelle: n-tv.de

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